LEICHTATHLETIK: Peña schaut auf seine Schritte

Brahian Peña startet ab heute an der Team-EM als bester Schweizer Hürdensprinter. Die konstanten Leistungen hat der Thurgauer der Spitzensport-RS zu verdanken – und dem Velofahren.

Raya Badraun
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Brahian Peña trainierte den Winter über in Magglingen und arbeitete an seinen Schwächen. (Bild: Donato Caspari)

Brahian Peña trainierte den Winter über in Magglingen und arbeitete an seinen Schwächen. (Bild: Donato Caspari)

Raya Badraun

Der Sonntag ist für Brahian Peña kein Ruhetag. Der Hürdensprinter mag es nicht, einfach nur still da zu sitzen. Lieber erholt er sich aktiv – und steigt an seinem freien Tag auf das Velo. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder, dem Mehrkämpfer Stiward, fährt er von Sulgen, wo die beiden mit ihren Eltern wohnen, durch den Thurgau. So bekommt er den Kopf frei nach einer intensiven Woche. «Ich spüre, dass es mir gut tut», sagt Brahian Peña. «Ich bin dadurch ausgeglichener, entspannter.» Diese Velotouren hat er auch schon früher hin und wieder unternommen. Doch seit diesem Winter sind sie ein noch wichtigerer Bestandteil seines Lebens geworden.

Von Oktober bis März absolvierte Brahian Peña die Spitzensport-RS in Magglingen. Dort fand im Februar auch die Schweizer Hallen-Meisterschaft statt. Über 60 m Hürden war Peña der Titelverteidiger. Der 23-Jährige wäre gerne gestartet, doch er musste verzichten. Im Winter war er im Training mit einer Hürde zusammengestossen. Die Folge war eine Entzündung des Schambeines. Erst nach etwa zwei Monaten konnte er wieder über die Hürden sprinten. Deshalb verzichtete er am Ende ganz auf die Hallen-Saison. In dieser Zeit mietete er sich oft ein Velo und fuhr durch die Wälder rund um Magglingen. Begleitet wurde er dabei etwa von Schwinger Joel Wicki, der ebenfalls verletzt war. Der Austausch tat Peña gut, es motivierte ihn. «Klar wäre ich im Winter gerne gestartet», sagt Peña. Doch er sah auch das Positive. Dank der Wettkampfpause konnte er sich intensiver auf die Sommersaison vorbereiten.

«Für mich wurde es dadurch zu einem Kampf»

Normalerweise arbeitet Peña 60 Prozent als Aussendienstmitarbeiter bei einer Versicherung. Während der Spitzensport-RS hatte er die ganze Woche über Zeit für die sieben bis neun Trainingseinheiten, die dadurch auch länger wurden. Zudem war Peña in Magglingen der einzige Hürdensprinter. Deshalb konnte er intensiv mit Nationaltrainer Raphaël Monachon an seinen Schwächen arbeiten. Die Technik gehörte dazu – aber auch der mentale Bereich. Bestritt Peña früher ein Rennen, ertrug er es nicht, wenn ein Gegner vor ihm lag. «Für mich wurde es dadurch zu einem Kampf. Ich wollte unbedingt gewinnen», sagt Peña. Er verkrampfte sich, wurde nervös und die Technik über die letzten Hürden unsauber. In Magglingen arbeitete er daran, sich stärker auf seine eigenen Schritte zu konzentrieren. Dafür stellte er zum Beispiel verschieden hohe Hürden auf mit unterschiedlichen Abständen. So konnte er sich nicht auf Erfahrung und Routine verlassen, sondern musste sich stärker auf die Technik und seine Schritte fokussieren.

Seit April ist Peña zurück im Thurgau und trainiert wieder unter seinem Trainer Werner Dietrich bei Amriswil-Athletics. «Ich habe mich sehr gefreut, zurückzukommen», sagt Peña. Dennoch hat er einiges aus Magglingen mitgenommen, etwa das Velofahren. Auch das Gefühl im Wettkampf ist nun ein besseres. «Ich fühle mich sicherer», sagt er. Das zeigt sich auch in den bisherigen Resultaten. Ende Mai erreichte er das Ziel in Weinheim nach 13,73 Sekunden. Damit ist er 13 Hundertstel schneller als ­ im vergangenen Jahr und der schnellste Schweizer Hürdensprinter bisher in dieser Saison. Dadurch erhielt er auch das Ticket für die Team-EM, die ab heute bis Sonntag im finnischen Vaasa stattfinden wird.

Peña will in diesen Tagen Erfahrungen sammeln. Wie die Schweizer Meisterschaft Ende Juli ist es ein weiterer kleiner Schritt auf dem Weg an die EM, die im kommenden Jahr in Berlin stattfinden wird. Und noch ein Ziel hat Peña. Er will Joel Wicki bei einem Schwingfest besuchen. Das hat er ihm auf einer der vielen Velotouren rund um Magglingen versprochen.