LEICHTATHLETIK: Neues Umfeld, neues Glück

Die 21-jährige Bütschwilerin Chiara Scherrer verpasste die vergangene Saison wegen einer Lungenembolie, danach schloss sie sich der Gruppe um Fabienne Schlumpf an. Heute startet Scherrer an der U23-EM in Polen über 3000 m Steeple.

Jörg Greb
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Die jungen Toggenburgerin Chiara Scherrer will an der EM nicht nur mitlaufen, sondern den Final erreichen. (Bild: PD)

Die jungen Toggenburgerin Chiara Scherrer will an der EM nicht nur mitlaufen, sondern den Final erreichen. (Bild: PD)

Jörg Greb

Die Erinnerungen an die internationalen Meisterschaften von vor zwei Jahren sind für Chiara Scherrer noch immer aufwühlend. Die 21-Jährige lief an der U20-EM im schwedischen Eskilstuna «ganz schlecht». Es resultierte Rang 19 unter 20 Läuferinnen. Sie habe nicht «das gezeigt, was ich mir vorgenommen hatte», konstatierte sie. Im Vergleich zum Vorjahr, als sie bereits an der U20-WM dabei gewesen war und ihren Einstand auf der obersten Stufe als «Sammeln von Erfahrung» abbuchen konnte, war kein Fortschritt erkennbar.

Nun gedenkt sie, bereit zu sein zur Korrektur. «Ich will nun nicht nur dabei sein und mitlaufen, ich hege auch Leistungs- ziele», sagt die Hindernis-Spezialistin aus dem Toggenburg. Sie strebt den Vorstoss in den Final der besten zwölf an. «Diesmal sind die Chancen grösser als damals», sagt sie, fügt aber auch an: «Ich bin mir bewusst, dass es sich um ein sehr hohes Ziel handelt.» Ihre Zuversicht und die Ansprüche basieren auf einem Leistungssprung. Dieser lässt sich quantifizieren: Vor drei Jahren stand sie mit einer Bestzeit von 10:45,53 Minuten zu Buche, vor zwei mit 10:53,40 und jetzt mit 10:16,73. «Schaffe ich es nun, wäre ich mega glücklich.»

«Ich brauchte einen neuen Kick»

Nach der Stagnation von 2014 auf 2015 und nachdem sie die vergangene Saison wegen einer lebensbedrohenden Lungenembolie verpasste hatte, hinterfragte sie ihr Tun. Und sie kam zum Schluss, dass ein Umfeldwechsel sinnvoll wäre. «Ich brauchte einen neuen Kick», sagt sie. Chiara Scherrer schloss sich Ende des vergangenen Herbsts der Trainingsgemeinschaft Hütten an – konkret der Steeple-Rekordhalterin Fabienne Schlumpf und ihrem persönlichen Betreuer, Lebenspartner und Nationalcoach Michael Rüegg. Der Schritt hat ihr gut getan. Unterschiede zum bisherigen Trainergespann Marlies und Urs Göldi und der Trainingsgruppe um Selina Büchel zeigten sich rasch. «Mehr Techniktraining, rund das Doppelte an Kilometern, dafür weniger Intensität», umschreibt Chiara Scherrer die Hauptpunkte.

Profitieren von der Rekordhalterin

Gut getan hat Scherrer ebenso der langsame und vorsichtige Aufbau nach der Krankheitspause. Zudem kommt ihr die enge Zusammenarbeit mit Schlumpf gelegen. In der Regel zweimal in der Woche fährt die in Winterthur studierende Steepleläuferin nach Zürich oder ins Zürcher Oberland zum gemeinsamen Training. «Ich kann bei Fabienne sehr vieles abschauen, wir können uns im Training aber auch gegenseitig pushen», sagt sie. Im Massstab 1:1 bekommt sie so vermittelt, was noch fehlt zu internationaler Klasse – Schlumpf war Olympia-Finalistin. Und sie hat ihren Schweizer Rekord in diesem Frühling auf starke 9:21,65 Minuten verbessert.