LEICHTATHLETIK: Initiative und mutige Auftritte

An der Gala dei Castelli in Bellinzona egalisierte die Berner Sprinterin Mujinga Kambundji ihren Schweizer Rekord. Auch die Ostschweizer überzeugten.

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Einen imponierenden Sieg lief die zweifache Hallen-Europameisterin Selina Büchel heraus. Eingangs der zweiten Runde stiess sie von der fünften Position über einen weiten Weg an die Spitze vor. «Es kam mir vor als stünden wir still», erklärte sie ihr taktisches Umplanen. Anschliessend verteidigte sie die Position gegen die starke Konkurrenz überzeugend. Mit 1:59,87 Minuten blieb sie zum vierten Mal in dieser Saison unter der 2-Minuten-Marke. Zu wenig wurde sie aber gefordert, um ihre Saisonbestmarke von 1:59,46 zu verbessern. «Die zweite Runde allein in Front wurde lang und hart, umso mehr freue ich mich über diesen Sieg», sagte sie nach dem Rennen. Überzeugend lief auch Hürdenläufer Kariem Hussein – bis auf die Zielgerade. Immer einen Tick zu nah kam er an die Hindernisse heran: ein Beweis des Tempos und einer hohen Frequenz. Einer kurzen Unaufmerksamkeit wegen drehte es ihn beim achten Hindernis, so dass er die Führung wie auch die Aussicht auf eine Topzeit einbüsste. Verunsichern müssen die 49,49 Sekunden über 400 m Hürden allerdings nicht.

Konstanz, aber kein Ausreisser

Den Beweis einer Konstanz auf hohem Niveau erbrachte die Brühler Sprinterin Salomé Kora. 11,38 Sekunden lief sie im Vorlauf, dieselbe Zeit als Siegerin im B-Lauf. Damit blieb sie das siebte und achte Mal regulär unter 11,40 Sekunden. Das grosse Glück bedeuten konnte dies indes nicht. 11,26 Sekunden sind gefordert für die WM in London und dieser Marke näherte sie sich Anfang Juli in Bulle bis auf einen Hundertstel. So gesehen brachten sie die beiden Auftritte im Tessin nicht weiter, muss sie vielmehr auf die Schweizer Meisterschaften vom Freitag in Zürich setzen und hoffen. «Im ersten Rennen verhaute ich den Start und ich hoffte, dies entsprechend verbessern zu können», analysierte die 23-Jährige, «aber es wollte nicht klappen». Irgendwann, so ist sie überzeugt, muss «der Ausreisser nach oben kommen».

Orientierungshilfe kann sie sich dabei durchaus an Mujinga Kambundji nehmen. Die letztjährige EM-Dritte lief im Vorlauf einen einzigen Hundertstel schneller, steigerte sich danach aber um nicht weniger als drei Zehntel – womit sie ihren Schweizer Rekordzeit von 11,07 Sekunden von der WM vor zwei Jahren egalisierte. «Ich kann mir dieses Rennen, diese Zeit nicht wirklich erklären», sagte Kambundji, «plötzlich lief es einfach.» Ein Szenario, auf das auch Salomé Kora baut.

Jörg Greb, Bellinzona