LEICHTATHLETIK: «Heute ging alles auf»

Kariem Hussein und Lea Sprunger sind mit Schweizer Rekorden über 300 Meter Hürden und 300 Meter am Auffahrtsmeeting in Langenthal für Herausragendes verantwortlich.

Jörg Greb, Langenthal
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Der Saisonauftakt hatte Kariem Hussein, dem EM-Dritten des vergangenen Sommers, zu denken gegeben. Da war sein «passiver» Lauf in der Diamond League in Schanghai über 400 Meter Hürden am 13. Mai, und da war das Anklopfen der Nachfolgegeneration. Der junge Trainingskollege Dany Brand und der gleichaltrige Alain-Hervé Mfomkpa waren Husseins Rekord über 300 Meter Hürden bis auf drei und fünf Zehntel nahe gekommen. Nun trafen der Routinier und die beiden Aufsteiger in Langenthal aufeinander – erneut über die selten gelaufenen 300 m Hürden.

Und die Brisanz des Aufeinandertreffens gipfelte in hochklassigen Leistungen – mit gewahrter Hierarchie. Hussein siegte und verbesserte seine gut zwei Jahre alte Bestmarke von 35,34 Sekunden um nicht weniger als 47 Hundertstel auf 34,87. «Ich wusste, dass ich weit besser in Form bin als dass es sich im Diamond-League-Resultat widerspiegelte», sagte der 28-jährige Thurgauer Hussein – und fügte an: «Heute ging alles auf, stimmten Rhythmus, Tempo und Stehvermögen.»

Noch brillanter hört sich die Leistung von Lea Sprunger über 300 Meter flach an. Ihre 35,70 Sekunden entsprechen Welt­jahresbestleistung, entsprechen einer Verbesserung ihres letztjährigen Rekordes um nicht weniger als 57 Hundertstel, und bringen sie auf Toppositionen in der Allzeit-Bestenliste: Platz zwei in Europa und Platz vier in der Welt.

Mit Freudenschreien und einer folgenden Ernüchterung begann das Meeting. Über 100 Meter der Frauen stürmten Sarah Atcho, Salomé Kora und Cornelia Halbheer in 11,23, 11,27 und 11,37 ins Ziel – alles persönliche Bestzeiten und Werte, die in der Schweiz erst Mujinga Kambunji erreicht hat. Die Ernüchterung kam postwendend. Mit 2,6 Meter pro Sekunde lag die Windunterstützung über dem erlaubten Wert 2,0. Die St. Gallerin Kora gewichtete aber das Erfreuliche: «Das war wohl mein bester 100-er», sagte sie und verwies auf die 34 Hundertstel, die sie unter ihrer Bestleistung blieb. Die Erkenntnis «mega bereit zu sein», erhielt Kora auch so – und das, obwohl auch ihr Saisonauftakt nicht den Erwartungen entsprochen hatte.

Jörg Greb, Langenthal

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