LEICHTATHLETIK: Fliegen und Staunen

An den U23-EM steuert der Thurgauer Zehnkämpfer Andri Oberholzer zum glanzvollen Abschneiden der Schweizer Equipe bei – mit einem sechsten Rang und einer persönlichen Bestleistung.

Jörg Greb
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«Dieses Springen bereitete derart viel Spass», sagte Andri Oberholzer nach dem Wettkampf. (Bild: Radoslaw Jozwiak/Freshfocus)

«Dieses Springen bereitete derart viel Spass», sagte Andri Oberholzer nach dem Wettkampf. (Bild: Radoslaw Jozwiak/Freshfocus)

Jörg Greb

Nach zwei harten Wettkampftagen mit zehn Disziplinen staunte Andri Oberholzer. «Das ist unglaublich, nie gedacht hätte ich, dass ein solcher Wettkampf möglich ist.» Um nicht weniger als 370 Punkte steigerte der 21-Jährige aus Hefenhofen sein Best­total auf ausgezeichnete 7827 Punkte. Über eine der sieben Disziplinen-Bestleistungen staunte er besonders: die 2,08 m im Hochsprung. Diese Leistung trug ihm allein 878 Punkte ein. «Ein absoluter Kracher», sagte er, «dieses Springen bereitete derart viel Spass.» Um zehn Zentimeter verbesserte er damit seine eigene Bestmarke.

Noch besser ausgesehen hatte es für Oberholzer nach den ersten fünf Disziplinen und dem ersten Tag. Mit 4130 Punkten lag er da zusammen mit dem Weissrussen Marksin Andraloits in Führung. «Eine unglaubliche Motivation», zog der Schützling von Trainerkoryphäe Werner Dietrich daraus. Auch die zahlreichen Gratulations-SMS nutzte er, um «noch mehr Gas zu geben». Keinen Gedanke schenkte er der Tatsache, dass sein zweiter Tag nicht ganz so gut ist wie der erste, dass «andere mit ihren Stärken enorm punkten werden». Und dann kam in Disziplin sieben, dem Diskuswerfen, der Dämpfer. Vorwürfe machte er sich nach den enttäuschenden 39,42 m und dem elften Disziplinenrang. Und er fiel auf den 6. Zwischenrang zurück. Doch er raffte sich wieder auf. Mit drei weiteren Bestleistungen (4,90 m im Stabhochsprung, 51,59 m mit dem Speer und 4:40,75 Minuten über 1500 m) schloss er den Wettkampf ab.

Vergangenheit hinter sich gelassen

Immer auf der Überholspur befunden hatte sich Oberholzer nicht. Vor zwei Jahren gab er an der U20-EM in Eskilstuna seinen internationalen Einstand – unglücklich, mit einem Nuller im Stabhochsprung. Und das ganze vergangene Jahr fiel er wegen einer Fussverletzung aus. Erst in diesem Winter tauchte er wieder auf: als Hallen-Schweizer-Meister im Mehrkampf mit einem U23-Rekord. «Im Rückblick brachte mir die Verletzung nur Positives», sagt er und denkt an die vielen Kräftigungs- und Dehnungsübungen, die er gemacht hat. Die Freude über die Bestleistung will er nun auskosten.