LEICHTATHLETIK: Der schnellste Thurgauer Bauer

Patrik Wägeli aus Nussbaumen konzentriert sich seit drei Jahren ganz auf den Laufsport. Erste Erfolge hat er schon erzielt, doch er will noch weiter kommen: an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Viola Stäheli
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Patrik Wägelis Weg soll von Thurgauer Laufstrecken an die Olympischen Spiele führen. (Bild: Andrea Stalder)

Patrik Wägelis Weg soll von Thurgauer Laufstrecken an die Olympischen Spiele führen. (Bild: Andrea Stalder)

Viola Stäheli

sport@thurgauerzeitung.ch

«In einer normalen Woche mache ich sechs bis acht Lauftrainings, ein Alternativtraining wie Rennvelofahren oder Schwimmen, und ein Krafttraining», sagt Patrik Wägeli. Seit drei Jahren hat er sich ganz dem Marathonlauf verschrieben. Dabei ist viel Durchhaltewille gefragt. Und genau das hat der Nussbaumer: Sein Ziel gibt ihm die Motivation, auch an den Tagen sein Training durchzuziehen, an denen er die Joggingschuhe lieber in die Ecke stellen würde.

«Ich will es an den Olympiamarathon 2020 in Tokio schaffen.» In den Augen des 26-Jährigen blitzt der Ehrgeiz auf. Sein persönlicher Rekord für die 42,195 Kilometer liegt bei 2:22 Stunden. Um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können, müssen die Athleten eine vorgegebene Zeitlimite erreichen. Diese ist für Tokio 2020 noch nicht bekannt, allerdings betrug die Vorgabe für die vergangenen Sommerspiele in Rio 2:14 Stunden – davon dürfte auch die Limite für Tokio nicht weit entfernt sein.

EM in Berlin als Zwischenziel

Für Wägeli heisst dies, dass er die Marathondistanz noch mindestens acht Minuten schneller laufen muss. Was nach wenig klingt, ist viel Arbeit. Aber der Thurgauer ist sich sicher, dass er das schaffen wird. Zusammen mit seinem Trainer Dan Uebersax von Mega Joule hat er einen dreijährigen Trainingsplan erstellt. «Die EM in Berlin nächstes Jahr ist ein Zwischenziel, das ich auf dem Weg an die Olympischen Spiele anstrebe», sagt Wägeli.

Was aber, wenn er es nicht schafft? «Das werde ich oft gefragt», sagt Wägeli und wird nachdenklich: Er habe sein Ziel vor Augen, mache sich keine Gedanken. «Ob ich bei einem Misserfolg einfach die nächsten Sommerspiele anstrebe, weiss ich nicht. Tokio ist das Ziel und meine einzige Chance – nur wenn ich so denke, werde ich es schaffen.»

Einst erfolgreicher Orientierungsläufer

Im Leben von Patrik Wägeli gibt es nicht nur den Sport. Er arbeitet zu 30 Prozent auf dem Bauernhof, den er mit seinem Vater als Generationsgemeinschaft führt. Daneben ist er weitere 30 Prozent als Berater bei der Emmentaler Versicherung tätig. Bis im vergangenen Sommer hatte der Sportler noch Vollzeit gearbeitet. «Mit Tokio 2020 als Ziel ist das aber nicht mehr möglich», sagt Wägeli. Das bringt finanzielle Probleme mit sich. Um für Trainingswochen aufkommen zu können, ist der Nussbaumer auf Gönnerbeiträge angewiesen. Unterstützt wird er dabei nicht nur von Mega Joule, sondern auch vom Leichtathletikclub Frauenfeld, bei dem Wägeli Mitglied ist.

Zum Laufsport gekommen ist der 26-Jährige über den Orientierungslauf. Mit 14 Jahren gewann Wägeli den ersten von insgesamt sieben Junioren-Schweizer-Meister-Titeln. Mit 20 wollte er sich auf seinen Bauernhof konzentrieren. «Mir fehlte aber ein sportliches Ziel.» Deshalb begann er drei Jahre später mit dem Marathon. Daraufhin folgten seine erste Teilnahme in Barcelona und ein Jahr später der Zürich-Marathon, an dem er Fünfter wurde. In seinem dritten Lauf in Turin stellte er seine persönliche Bestzeit auf. Erst vor kurzem ist er seinen vierten Marathon in Sevilla gelaufen. Die kleinen Erfolge wie der Sieg des Halbmarathons am Frauenfelder Waffenlauf geben ihm die Bestätigung, dass es richtig war, sich doch nochmals für den Sport zu entscheiden.