LEICHTATHLETIK: Bestleistung um Bestleistung

Der Appenzeller Zehnkämpfer Simon Ehammer will an der U20-EM in der Toskana seinem Optimum weiter näherkommen – und das in einem Umfeld, dem er eigentlich noch gar nicht angehören würde.

Jörg Greb
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«Sehr gut» hätten sie es in Grosseto, sagt Simon Ehammer. Der junge Appenzeller denkt an die Anlagen, das Stadion, die Trainingsmöglichkeiten, das Teamhotel und nicht zuletzt ans Essen in der toskanischen Stadt. Und an die Stimmung in der Schweizer Grossdelegation an dieser U20-EM. Mit 37 Athletinnen und Athleten ist sie aussergewöhnlich gut bestückt.

Ehammer ist einer, der eigentlich gar nicht dazu zählen sollte. Erst 17-jährig ist er im Februar geworden. Noch wäre er – wie andere – startberechtigt bei der U18. Weil die Schweiz aber früh ihren Verzicht für die U18-WM im unsicheren ostafrikanischen Land Kenia bekannt gegeben hatte, formulierten sich Ehammer und sein Coach Beat Schluep das hoch angesetzte Ersatzziel U20-EM.

Markante Steigerung

Und dieses hat der junge Mann erreicht. Beim zweiten Anlauf auf die Limite überbot der Sportartikelverkäufer-Lehrling und Sportschule-Besucher die geforderten 6950 Punkte um 24 Zähler. Er reihte Bestleistung an Bestleistung. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte er sich um 350 Punkte. Mit den bis gut zwei Jahre älteren besten Gegnern mithalten wird Ehammer in Italien trotzdem kaum. Deshalb sagt er: «Ich will einen sauberen Wettkampf abliefern und mich wenn immer möglich weiter verbessern.»

Hauptziel für den Athleten des TV Herisau ist das Sammeln von Erfahrung. Noch bleibt ihm die Möglichkeit, sich auf dieser U20-Stufe nächstes und übernächstes Jahr zu messen. Klare Vorstellungen seines Wettkampfes hegt er dennoch: «Es gibt hinter den Besten ein rechtes Grüppchen mit Athleten, das die 7000 Punkte ansteuern und übertreffen möchte. Ihnen will ich mich anhängen», sagt Ehammer.

Nachdem Ehammer bei seinem ersten Zehnkampf der Saison in Landquart noch deutlich unter dem erforderlichen Total geblieben war, glückte die notwendige Steigerung drei Wochen später im vorarlbergischen Lustenau. Die unerwartete EM-Qualifikation nahm er zum Anlass, die verbleibenden dreieinhalb Wochen nochmals für viel Basis- und Krafttraining zu nutzen – «und den Wettkampfhunger zu entfachen», wie er anfügt.

Trotz der zum Teil massiven Verbesserungen auf diese Saison hin macht Ehammer Steigerungspotenzial aus: «Überall, in jeder Disziplin.» Das wird heute und morgen die Herausforderung sein. Und gut ist: Er ist nicht allein. Mit dem zweiten Schweizer Zehnkämpfer Finley Gaio verbindet ihn eine leistungsfördernde Kollegialität. Und Ehammer wird auch durch dessen Coach begleitet – dies, weil sich sein Förderer Schluep auf einem dreimonatigen Alaska-Trip befindet. Für Ehammer passt das. Das ist schon länger so abgemacht worden.

Jörg Greb