Leibwächter für Schiedsrichter?

Nachdem in Flums ein Fussballschiedsrichter attackiert wurde, hat der Verband harte Sanktionen ausgesprochen – und er kündigt Massnahmen gegen Übergriffe auf Unparteiische an. Denn die Drohungen werden immer massiver.

Thomas Ammann
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Wird Pfeifen zum Sicherheitsrisiko? In den unteren Ligen werden Schiedsrichter immer massiver bedroht. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

Wird Pfeifen zum Sicherheitsrisiko? In den unteren Ligen werden Schiedsrichter immer massiver bedroht. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

fussball. «Es ist mir egal, wie viel Zeit wir brauchen, aber ich will eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse.» Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbands (OFV), ist auch drei Tage später noch wütend über die Geschehnisse in Flums, wo beim 3.-Liga-Spiel FC Flums b gegen FC Rheineck der Schiedsrichter von einem Flums-Spieler, dessen Vater sowie Zuschauern auf dem Spielfeld attackiert wurde.

Nicht zum erstenmal auffällig

«Wir werden beim Schweizerischen Fussballverband beantragen, den Spieler auf unbestimmte Zeit zu sperren», sagt Häuselmann. Das würde bedeuten, dass der Spieler in der Schweiz nie mehr eine Meisterschaftspartie bestreiten dürfte. Der Vater erhielt bereits ein lebenslanges Stadionverbot. «Wir haben noch nie derart schnell und hart entschieden», hält der OFV-Präsident fest.

«Aber dieses rasche Handeln war nötig – vor allem gegenüber dem Vater, der ein Vorbild sein müsste.»

Auch der FC Flums selber hat gehandelt und die Mannschaft aus dem Verein ausgeschlossen (vgl. nebenstehenden Text). Dies auch, weil der FC Bashkimi-Flums am 31. Oktober nicht zum erstenmal negativ auffiel, wie Jürg Fritsch, Präsident der Schiedsrichterkommission des OFV, bestätigt. «Bereits im September kam es in Widnau zu einem Handgemenge. Das Flumser Team trat äusserst aggressiv und emotionsgeladen auf.»

Damals beschloss die Wettspielkommission, die Spiele des FC Flums b fortan durch einen Verbandsfunktionär beobachten zu lassen. «Wir waren dreimal an Ort, hatten allerdings nie etwas zu beanstanden», sagt Kommissionspräsident Hermann Thüler. Die Kommission habe auch mit den Trainern und Anhängern das Gespräch gesucht. Just im ersten Spiel ohne Kontrolle durch den OFV kam es zum Gewaltausbruch in Flums.

«Hemmschwelle sinkt»

Für Marcel Stofer, Mitglied der Schiedsrichterkommission, ist das Problem gesellschaftlicher Natur. «Die Gewalt gegenüber Schiedsrichtern hat in Flums nochmals eine neue Dimension bekommen. Die Hemmschwelle sinkt immer weiter. Massive Bedrohungen werden immer häufiger.» Dies bestätigt auch Thüler, der mit seiner Kommission jeweils die Rapporte der Schiedsrichter sichtet und Sanktionen ausspricht. «Pro Wochenende behandeln wir zwei bis drei massive verbale Attacken gegen Schiedsrichter.

Dafür gibt es acht bis zehn Spielsperren.»

Tätliche Angriffe seien zum Glück nach wie vor selten. Allerdings: «Im Moment steht es um den Fairplay-Gedanken eher wieder schlechter. Vor allem haben wir Mühe mit der Ordnung neben dem Feld, sprich mit Funktionären und Zuschauern.»

Ordnungsdienst am Spielfeld

Deshalb werden die Rufe nach Massnahmen zum Schutz der Schiedsrichter wieder lauter. OFV-Präsident Häuselmann hat konkrete Vorstellungen, wie diese aussehen könnten.

«Der FC Besa St. Gallen, dessen Spieler vor fünf Jahren einen Schiedsrichter tätlich angegriffen hatten, musste sich verpflichten, einen privaten Ordnungsdienst aufzubauen.» Dies schwebt dem höchsten Fussballer der Ostschweiz nun für alle Vereine vor. «Das neue Reglement, das per 1. Juli 2011 in Kraft tritt, wird in diese Richtung gehen.»

Opfer arbeitet wieder

Für den attackierten Referee kommen diese Massnahmen zu spät. Für Freund und Schiedsrichterkollege Lucas Schmet ist der Vorfall «himmeltraurig. Er ist ein sehr guter Schiedsrichter, das steht ausser Frage.»

Ruedi Kienast, Schiedsrichterobmann der beiden, bestätigt, dass das Opfer wieder arbeitet. «Er hat Prellungen, Kratzwunden und eine Hirnerschütterung erlitten und klagt über Nackenschmerzen.» Derzeit wolle er noch nicht über die Geschehnisse sprechen, sagt Kienast. «Ich weiss nicht, wie wir so noch Leute für unser Hobby begeistern können.»

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