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Kommentar

Laver Cup: Brot und Spiele mit Roger Federer – und das bis in alle Ewigkeit

Der Laver Cup bezieht seine Daseinsberechtigung nicht aus der Frage nach dem sportlichen Wert, sondern daraus, dass er dem Zeitgeist entspricht. Er ist ein Hybrid zwischen Unterhaltung und sportlicher Ernsthaftigkeit. Dank Roger Federer ist er auf bestem Weg, ein Leuchtturm für die Zukunft des Tennis zu werden. Der Kommentar.
Simon Häring

Selbst in der als zurückhaltend und reserviert geltenden Schweiz erreichte der Personenkult um Roger Federer an diesem Wochenende eine neue Dimension. Vor dem Hotel Four Seasons, wo der 38-Jährige während des Laver Cups in Genf mit seiner Familie residierte, wartete jeweils jeden Tag eine geduldige Hundertschaft, in der Hoffnung, einen Blick auf ihn zu erhaschen, den erfolgreichsten Spieler der Tennis-Geschichte. Das mag zum einen am internationalen Publikum liegen, dürfte im Wesentlichen aber dem Zeitgeist geschuldet sein, der aus Sportlern Heroen macht und sich durch einen Mangel an Distanz manifestiert. Und was im Leben gilt, das gilt auch im Sport.

Beim Laver Cup wird die Illusion von Nähe erzeugt. Man hört und sieht die Spieler diskutieren, lachen, applaudieren. Kameras zeigen Bilder aus den Katakomben, wo die Spieler sich warm machen, entspannen, essen. Der Trainingsplatz ist von einer Glaswand umgeben. Als gebe es keine Distanz – nicht zwischen den Spielern selbst, und auch nicht zwischen ihnen und dem Publikum. Die glitzernde Fassade täuscht darüber hinweg, dass sich das Männer-Tennis seit Monaten in einer Phase der fundamentalen Umwälzungen befindet, in der es um Macht, Geld und Deutungshoheit geht. Brot und Spiele - Panem et Circenses – ist das Gegenmittel. Und der Laver Cup ist eines der stärksten unter ihnen.

Roger Federers Laver Cup ist auf dem besten Weg, sich als fester Bestandteil im Tennis-Zirkus zu etablieren (Bild: Keystone).

Roger Federers Laver Cup ist auf dem besten Weg, sich als fester Bestandteil im Tennis-Zirkus zu etablieren (Bild: Keystone).

Federer und Nadal im Mittelpunkt

20 Millionen Franken beträgt das Budget des Laver Cups in Genf. Die Spieler werden mit Gagen im siebenstelligen Bereich geködert. Die Sieger erhalten je 250'000 Dollar Preisgeld. Der Schwede Björn Borg und der Amerikaner John McEnroe geben dem Anlass als Captains des Team Europa und des Team World eine geschichtliche Dimension. Sie stehen für eine der bedeutendsten Rivalitäten in der Geschichte des Sports. Doch letzten Endes drehte sich einmal mehr alles um Roger Federer und Rafael Nadal, waren andere nur das Amuse-Guele. Nicht Genf, nicht der Laver Cup wurde zum Nabel der Tennis-Welt, wie man das gerne gesehen hätten, sondern die Rivalen, die am Sonntag gemeinsam im Doppel hätten spielen sollen. Bis Rafael Nadal wegen einer Verletzung am linken Handgelenk das Handtuch werfen musste.

Es gibt Beobachter, die monieren völlig zu Recht, das Tennis sei ein Einzelsport. Der Kalender sei ohnehin überladen, die Maschinerie völlig überhitzt, und der Sport spiele sich selber zu Tode. Dass Rivalen in einem Team spielen, in einem Wettbewerb ohne jegliche Tradition, der verzichtbar ist, kann man als befremdlich oder faszinierend empfinden. Doch wer die Bilder aus Genf sieht, der kommt auch zum Schluss, dass der Laver Cup unbestritten bereichernd ist. Bei keinem Turnier der Welt kommen die Zuschauer in den Genuss einer derart geballten Ladung Weltklasse-Tennis. Ein Doppel aus Roger Federer und Rafael Nadal, wie es nur beim Laver Cup möglich ist, – es hat Seltenheitswert. Und auch hier ist es wie überall im Leben: Wa selten ist, ist auch begehrt.

Ein Bild mit Seltenheitswert. Und eines, das es nur im Laver Cup je gab: Die Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal auf der gleichen Seite des Netzes (Bild: Keystone).

Ein Bild mit Seltenheitswert. Und eines, das es nur im Laver Cup je gab: Die Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal auf der gleichen Seite des Netzes (Bild: Keystone).

Hybrid zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit

Der sportliche Wert des Laver Cups ist indes überschaubar, obschon die Spieler das bei jeder Gelegenheit in Abrede stellen. Natürlich wollen die Besten der Welt Spiele vor 17'000 Zuschauern, vor Teamkollegen und vor den Legenden ihres Sports gewinnen. Doch der Laver Cup bezieht seine Daseinsberechtigung nicht aus der Frage nach dem sportlichen Wert, sondern aus anderen Quellen. Er wird nie die Bedeutung eines Grand-Slam-Turniers erlangen, das ist auch nicht sein Anspruch. Doch er kann zu einem Leuchtturm für die Zukunft des Tennis werden, weil er wie kein anderes Format dem Zeitgeist entspricht. Er ist ein Hybrid zwischen Unterhaltung und sportlicher Ernsthaftigkeit, zwischen Tradition und Moderne. Und er steht für den Wandel vom Sport zur Show. Auch das Tennis, der Sport der Puristen und Traditionalisten, kann sich vor dieser Entwicklung nicht verschliessen.

Nichts verkörpert den Wandel deutlicher als der Laver Cup, der sich eines regulatorischen Kunstgriffs bedient, der im Prinzip jeglichem Sportsgeist widerspricht. Denn weshalb sollten Siege am Freitag weniger wert sein als jene am Samstag und diese wiederum weniger als am Sonntag? Es ist ein Kniff, der dafür sorgt, dass die Entscheidung erst am Sonntag fällt. Und so kann ein Team den Laver Cup gewinnen, das an den ersten beiden Tagen keine der acht Partien für sich entschieden hat. Es passt zur Inszenierung, die der Laver Cup ist. Doch auch das verkommt zur absoluten Nebensächlichkeit. Denn wer es schafft, an drei Tagen in Folge über 17'000 Zuschauer anzuziehen, macht vieles richtig. Zumal der Wettbewerb Emotionen weckt, die unbestritten echt sind. «Ich weiss nicht, ob es schon jemals in einem Stadion, in dem ich spielte, so laut war. Ich hatte Gänsehaut», sagte Federer am Samstag.

Gegenwart und Zukunft als Kapital

Federer gibt dem noch jungen Laver Cup eine Bedeutung, die er ohne ihn nie erreicht hätte. Unermüdlich lobbyiert er für den Wettbewerb. Kraft seiner Ausnahmestellung wurde der Laver Cup auf dieses Jahr hin in den ATP-Kalender gehievt. Im Gegenzug bestreitet er den neu kreierten ATP Cup. Für Federer ist der Laver Cup seine persönliche Liebeserklärung ans Tennis. Seine Antwort auf die Frage, wie man die Ikonen der Geschichte ehrt, und die Besten der Gegenwart und die Gesichter der Zukunft des Sports zusammenbringt. Es ist auch ein Denkmal für Rod Laver, den 81-jährigen Australier, den Namensgeber, den Federer als Grössten sieht. Und ja, vielleicht auch ein wenig für sich. Weil er das Bedürfnis hat, dem Tennis, etwas zu hinterlassen, das ihn überdauert.

Federer ist auf bestem Weg, diesen Traum wahr werden zu lassen. Sein Laver Cup steht im dritten Jahr bereits auf einem beachtlich soliden Fundament. Auf dieses Jahr hin wurde er bereits in den ATP-Kalender aufgenommen. Ein Ziel, das Federers Manager Tony Godsick und er von allem Anfang an verfolgt haben. Im Gegenzug bestreitet Federer im Januar den neu kreierten ATP Cup. Noch mag der Laver Cup ein Wettbewerb ohne Tradition sein, doch sein Kapital sind ohnehin die Gegenwart und die Zukunft. Weil er dem Zeitgeist entspricht. Und weil Roger Federer alles an ihm verkörpert: Vergangenheit, Gegenwart und irgendwann auch Zukunft. Denn er bleibt ihm auch nach dem Rücktritt verbunden. Brot und Spiele mit Federer – und das bis in alle Ewigkeit.

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