Lara Gut, die unzufriedene Dritte

Lara Gut holt mit Bronze in der Abfahrt die erste Schweizer Medaille an der WM in Beaver Creek. Für die Tessinerin fühlt sich der Podestplatz wie eine Niederlage an. Ziel der 23-Jährigen war der erste Titel an einem Grossanlass gewesen.

Christof Krapf/Beaver Creek
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Lara Gut zeigt eine starke Fahrt. Im untersten Teil lässt sie aber die entscheidenden Zehntelsekunden liegen. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Lara Gut zeigt eine starke Fahrt. Im untersten Teil lässt sie aber die entscheidenden Zehntelsekunden liegen. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

SKI ALPIN. Für viele Athletinnen ist eine WM-Medaille ein Karrierehöhepunkt. Bei Lara Gut ist das anders. Die Tessinerin holte mit Abfahrts-Bronze zwar die erste Schweizer WM-Medaille in Beaver Creek. Die Rolle der lachenden Dritten wollte die 23-Jährige aber nicht spielen. Gefreut hat sich Gut über den Podestplatz nicht. Für sie war es zwar die bereits fünfte Medaille an einem Grossanlass. Eine ansehnliche Ausbeute für eine, die in ihrer Karriere noch einige gute Jahre vor sich hat, könnte man meinen. Was ihr aber fehlt, ist eine Goldmedaille. Diese Lücke im Palmarès wollte sie in Beaver Creek schliessen. Denn schon in der Olympia-Abfahrt vor einem Jahr in Sotschi hatte sie den Sieg verpasst – auch damals musste sie sich mit Bronze begnügen. Schon in Sotschi war sie mit dem Podestplatz nicht glücklich gewesen. Nach dem Rennen in Beaver Creek sagte sie: «Die Medaille nehme ich. Zufrieden bin ich nicht.»

Vorzeichen waren positiv

Man könnte Guts Aussagen als Arroganz auffassen. Die Tessinerin relativiert: «Ich will immer das Beste zeigen, was in mir steckt. Das habe ich nicht gemacht, deshalb bin ich sauer.» Die Vorzeichen wären gut gewesen für ihr erstes WM-Gold. Die «Raptor» gehört zu ihren Lieblingsstrecken und an den einzigen Weltcuprennen auf dieser Piste holte die Schweizerin 2013 sowohl im Super-G als auch in der Abfahrt den Sieg. Den WM-Titel hatte sie mit einem Fehler im mittleren Streckenteil vergeben. «Ich werde nun hart arbeiten, dass ich es irgendwann schaffe, in einem wichtigen Rennen die perfekte Fahrt zu zeigen», so Gut. Die Gelegenheit dazu hat sie schon morgen in der Superkombination. «Ich habe noch zwei Rennen vor mir und werde nochmals voll angreifen.»

Suter fährt zu verkrampft

Nebst der Tessinerin war auch Fabienne Suter mit Chancen auf eine Medaille zur Abfahrt gestartet. Die Schwyzerin hatte im Super-G noch grosses Pech mit dem Wind gehabt. In der Abfahrt fuhr sie dann zu verkrampft.

«Ich wollte zu viel. Als ich nach der Startnummern-Auslosung die Siegerehrung des Männer-Super-G gesehen habe, dachte ich, dass ich dies auch einmal erleben will. Das spielte am Start eine Rolle», sagte die 30-Jährige, die Neunte wurde. Suter bestreitet in Beaver Creek ihre sechste WM. Sie war an Titelkämpfen schon nahe am Podest – zur Medaille hat es ihr nie gereicht. Direkt nach dem Rennen glaubte die Innerschweizerin nicht mehr daran, dass sie je Edelmetall an einem Grossanlass gewinnen wird. «Wenn es hier nicht funktioniert, wo soll es dann klappen?», so Suter. Zwiespältig waren die Gefühle auch bei Nadja Jnglin-Kamer. Die 29-Jährige hatte nach einer Knieverletzung erst vor drei Wochen in Cortina ihr Comeback im Weltcup gegeben – gestern fuhr sie als zweitbeste Schweizerin auf Rang sieben. «Ich bin hin- und hergerissen. Ich freue mich über den Rang, wäre aber gerne weiter nach vorne gekommen. Das hätte mehr Punkte für die Startliste gegeben», sagte Jnglin-Kamer.

Eine herbe Enttäuschung setzte es für Marianne Abderhalden ab. Die Toggenburgerin, die sich erst in internen Ausscheidungen den Startplatz gesichert hatte, wurde mit knapp drei Sekunden Rückstand 29.

Bild: CHRISTOF KRAPF/BEAVER CREEK

Bild: CHRISTOF KRAPF/BEAVER CREEK

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