Langnau verliert den Anschluss

Trotz eines neuen Stadions läuft es dem NLA-Club Langnau nicht nach Wunsch. Das gestrige 0:2 gegen Lugano vor 4641 Zuschauern ist die 18. Niederlage im 23. Meisterschaftsspiel. Im Emmental macht sich Resignation breit.

Matthias Hafen/Langnau
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Viel Kampf, wenig Spielkunst. Langnaus Etienne Froidevaux kämpft am Boden gegen Luganos Luca Sbisa um den Puck. (Bild: Marcel Bieri)

Viel Kampf, wenig Spielkunst. Langnaus Etienne Froidevaux kämpft am Boden gegen Luganos Luca Sbisa um den Puck. (Bild: Marcel Bieri)

EISHOCKEY. Das Ende naht im Emmental. Die Vorzeichen sind unübersehbar. Auf dem Weg Richtung Langnau weisen grosse Plakate auf eine Weltuntergangsparty hin, die am 21. Dezember stattfindet. Es ist der Tag, an dem gemäss dem Langzeitkalender der Maya der Vorhang endgültig fallen soll. Insofern unterscheiden sich diese Plakate inhaltlich kaum von jenen, die auf die Eishockeyspiele des abgeschlagenen NLA-Letzten Langnau hinweisen.

Gestern abend war in der Ilfishalle schon nach 46 Sekunden Weltuntergangsstimmung. Glen Metropolit erzielte für Gegner Lugano das 1:0 und leitete damit die 0:2-Niederlage des Heimteams ein. Es war die 18. im 23. Meisterschaftsspiel. Bereits Ende November kann Langnau für das Saisonfinale im Frühling nur noch ein ernsthaftes Ziel haben: Sich so gut wie möglich auf das Playout vorzubereiten, um dem drohenden Abstieg zu entrinnen. Willkommen zur Party.

Teure Renovation

Dabei steckte der Traditionsclub besonders viel Hoffnung in diesen Winter. Die 30 Millionen Franken teure Renovation der Ilfishalle sollte einen Neubeginn markieren. Doch schon Rapperswil-Jona träumte einst vergeblich vom sportlichen Aufschwung, den eine neue Halle mit sich bringen soll. Denn was für Rapperswil-Jona oder Langnau heute das Mass der Dinge ist, ist im Schweizer Spitzeneishockey mittlerweile Standard.

Zumal die altehrwürdige Ilfishalle, in der Langnau 1976 das bisher einzige Mal Schweizer Meister wurde, im Inneren nicht anders aussieht als vorhin – von neuen, hellen Holzverschalungen einmal abgesehen. Selbst die kultverdächtigen, unbequemen Holzbänke auf der Haupttribüne haben den millionenteuren Schliff überstanden. Das dürfte allerdings mehr eine Kostenfrage als eine Reminiszenz an die erfolgreichen 1970er-Jahre gewesen sein. Von aussen betrachtet hinterlässt die Ilfishalle einen zeitgemässen Eindruck. Und die breiteren Gänge, die dank eines Betonanbaus zustandegekommen sind, bringen deutlich mehr Komfort für die Besucher – wie auch die neuen Verpflegungsmöglichkeiten und Toilettenanlagen.

Fust bangt um Trainerjob

Der sportliche Fortschritt hingegen blieb in der Saison 2012/13 bislang völlig aus. Langnaus Lage am Tabellenende ist so prekär, dass der weitherum beliebte Headcoach John Fust vor der Entlassung steht. Die aktuelle Baisse wiegt mittlerweile schwerer als die erste Playoff-Teilnahme der Clubgeschichte, die Fust 2010/11 in seiner ersten Saison mit den Emmentalern realisiert hat.

Natürlich plagen die Langnauer Verletzungssorgen, wichtige Spieler fehlen. Dazu kommen ungenügende ausländische Feldspieler und zwei Goalies die nicht durch Konstanz bestechen. Doch der NLA-Letzte kämpft auch mit Auflösungserscheinungen. Fusts Team machte gestern nie den Anschein, als könne es den 0:2-Rückstand aus dem ersten Drittel noch aufholen. Geriet Langnau in diesem Winter in Rückstand, verlor es jedesmal. Inzwischen macht sich bei den Anhängern Resignation breit. Als warteten sie sehnlichst auf die Weltuntergangsparty am 21. Dezember.

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