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Langlauf-Aufsteiger Beda Klee: «Ich bin jung, ich darf riskieren»

Beda Klee ist der Schweizer Langläufer der Stunde. Der Aufstieg des Wattwilers kommt für viele überraschend – und ist einigen Zufällen zu verdanken. Kommende Woche ist der 22-Jährige Favorit an der U23-WM.
Ralf Streule
Beda Klee im Garten seines Elternhauses in Wattwil. Bild: Hanspeter Schiess (Wattwil, 15. Januar 2019)

Beda Klee im Garten seines Elternhauses in Wattwil. Bild: Hanspeter Schiess (Wattwil, 15. Januar 2019)

Posieren im Rennanzug im ­Gärtchen des Elternhauses? Kein ­Problem, findet Beda Klee. Er ist ­innert Sekunden umgezog­en, stapft mit den Langlaufschuhen durch den Schnee im Garten in Wattwil; dort, wo er als Kleinkind herumtollte, gleich neben der Thur. «Sehr entspannt, professionell, gut drauf», findet später der Fotograf. Tatsächlich, der 22-Jährige geht es locker an. Vielleicht helfen ja die jüngsten Erfolge, locker zu bleiben. Oder ist’s umgekehrt? Hat ihn seine Lockerheit zu den Erfolgen getragen? Mitte Dezember in Davos, bei seinem Auftritt im Weltcup, lief er im Einzelstartrennen über 15 km Skating plötzlich im Schlepptau des norwegischen Topathleten Chris Andre Jespersen, der hinter ihm gestartet war. Klee biss sich fest, holte als
27. seine ersten Weltcuppunkte – und stiess damit eine Türe auf, die nur einen kleinen Spalt weit offen gestanden war. Er sagt:

«Ohne jene Punkte wäre ich wohl
an der Tour de Ski nicht gestartet.»

Und dort gelang es ihm definitiv, die Langlauf-Schweiz zu überraschen. Dreimal lief er in die Punkte, wurde im Massenstartrennen über 15 km von Oberstdorf Elfter. Damit dürfte die nächste Türe aufgehen. «Ein ­ Einsatz an der WM im Februar ist wohl gesichert», sagt Klee und lehnt sich damit kaum zu weit aus dem Fenster. Über 15 km gilt er als Anwärter auf vordere Plätze. Vor jenem Rennen in Davos sei ihm die Wichtigkeit des Wettkampfs bewusst gewesen, sagt Klee. «Deshalb sagte ich mir: Ich bin jung, ich darf riskieren.» Die Rechnung ging knapp auf: Hätte Klee nur elf Sekunden länger gebraucht, er hätte sich jene Punkte nicht geholt, die letztlich seine Saison in Schwung brachten. Plötzlich war da das Selbst­bewusstsein, den Besten folgen zu können. Und das, obwohl er im Sommer kein gutes Gefühl ­gehabt hatte. «Meine Leistungstests waren durchzogen.» Dass der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg schmal ist, weiss Klee.

«Bis ich 16 Jahre alt war, hatte ich kein Rennen gewonnen. Eigentlich war ich nie richtig gut.»

Dass er es dennoch zum ­Profilangläufer gebracht hat, hat mit zwei Zufällen zu tun. Langlauf probierte Klee als Kind nur aus, weil er einen Schulfreund ins Training begleitete. Er liebte eigentlich den Fussball. Und den Eltern hatte es eher das Alpin-Skifahren angetan. Ihm machte Langlauf aber immer mehr Spass, mit 15 Jahren stand er vor der Frage, ob er ins Sportgymnasium nach Davos wechseln will. Er hatte wenig Lust, die Kanti Wattwil zu verlassen – meldete sich in Davos aber dennoch an, weil wiederum ein Schulfreund diesen Schritt machen wollte. Zunächst gab es eine ­Absage: Die Plätze waren besetzt. Nur weil ein Alpinfahrer seine Leistungen in der Schule nicht brachte, rückte Klee nach. Sein Schulfreund ironischerweise schaffte den Schritt nicht. Bald war es klar: Klee wollte die Chance nutzen, den Weg des harten Trainings gehen. Etwas, was seine ebenfalls talentierte jüngere Schwester von einer Profikarriere abgehalten habe, wie er sagt.

Wattwiler Ruhe vor dem WM-Start in Lahti

Längst ist der Toggenburger also Davoser geworden, wo er mit Sportgymnasium-Kollegen in einer WG lebt. Nach Wattwil ins Elternhaus zum Treffen hat er eingeladen, weil er sich hier vor der U23-WM zwei, drei Tage zur Erholung zurückgezogen hatte, bevor es gestern nach Lahti ging. Dieser Wettkampf war Anfang Saison Klees Hauptziel, inzwischen ist er eines von mehreren. «Für mich ist es die grosse Chance, eine WM-Medaille zu gewinnen.» Nur wenig hatte ihm vor einem Jahr im Goms gefehlt, als er an der U23-WM im Sprint Vierter wurde. Klee wird am Montag im Sprint antreten, am Mittwoch über 15 km Skating und am ­Freitag über 30 km klassisch. Ein Konkurrent wird in Finnland übrigens nicht dabei sein: Der ebenfalls 22-jährige Norweger Johannes Klaebo, Tour-de-Ski-Sieger 2019, setzt auf den Weltcup.
Wohin der Weg Klees nach der U23-WM führen wird? Ist ihm eine grössere Rolle beschieden, als all den Läufern wie Roman Furger, Curdin Perl oder Toni Livers, die stets im Schatten Dario Colognas stehen und standen? In Oberstdorf hat B-Kader-Läufer Klee den Schweizer Dominator schon einmal hinter sich ­gelassen. Gedanken über solche ­Vergleiche macht sich Klee nicht. Dass er auf die Profikarriere brennt, ist ihm aber anzuhören. Ein allfälliges Studium könne warten. Was ihn wirklich interessiert, führt er detailliert und ­euphorisch aus: das Arbeiten an Technik und Taktik, das Gespür für die richtige Mischung von Angriff und Zurückhaltung im Rennen, aber auch im Training. Die Fähigkeit zu leiden, was sich im Nachhinein immer so gut anfühle. Zum Beispiel, wenn man sich einer Langlaufgrösse erfolgreich an die Fersen geheftet hat.

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