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Keine Nachfolger für Beat Breu: Das Land der vielen Berge hat vor der WM keine guten Bergfahrer mehr

Am Sonntag findet die Strassen-WM der Radprofis statt. Die Schweizer sind chancenlos, weil die Strecke in Innsbruck auf Kletterer zugeschnitten ist. Für Beat Breu ist der Grund für die Misere eindeutig: «Es gibt zu wenig Rennen in der Schweiz.»
Daniel Good
Beat Breu in seinem Element am Giro d’Italia 1992. (Bild: Imago)

Beat Breu in seinem Element am Giro d’Italia 1992. (Bild: Imago)

Er ist der einzige Schweizer, der in Alpe d’Huez erfolgreich war. 1982 gewann Beat Breu die berühmteste Bergetappe im Radsport. In der Schweiz gab es nie einen besseren Kletterer als den mittlerweile 60-jährigen St. Galler. Im Rahmen der Tour de France siegte er vor 36 Jahren auch in den Pyrenäen. Man nannte ihn Bergfloh. Er wog in seinen Glanzzeiten kaum 60 Kilogramm.

Er war nur bergauf schnell

«Mein Körperbau war der entscheidende Vorteil», sagt Breu. Aber er konnte auch nichts anderes als schnell bergauf fahren – weder sprinten noch Tempo bolzen. «Lieber wäre ich ein guter Abfahrer gewesen. Das hätte mir viele Strapazen erspart.» Breu litt jeweils «wie ein Hund», wenn er als Leader in einer harten Steigung vom Feld gejagt wurde.

Auch im Giro erfolgreich

Breu triumphierte als bis heute letzter Schweizer zweimal an der Tour de Suisse. Erfolgreicher im eigenen Land waren bloss Ferdy Kübler und Hugo Koblet. Im Giro d’Italia machte sich Breu einen Namen, als er als 23-Jähriger 1981 in den Dolomiten die Etappe zu den drei Zinnen gewann.

Wie eine Bergetappe der Tour de France

Seit Breus Zeiten hat sich viel verändert im Schweizer Elite-Radsport. Kletterer mit internationaler Klasse gibt es im Land der Berge schon lange nicht mehr. Rennfahrer mit Qualitäten in den Steigungen wären insbesondere am Sonntag gefragt, wenn in Innsbruck die 85. Strassen-WM der Radprofis stattfindet. Auf dem knapp 260 Kilometer langen Parcours sind 4670 Höhenmeter zu meistern. Das ist etwa gleich viel wie in einer Bergetappe der Tour de France.

Viele Steigungen machen am Sonntag den Radprofis das Leben schwer.

Viele Steigungen machen am Sonntag den Radprofis das Leben schwer.

«Das ist schon happig», sagt Breu, «aber es ist richtig, dass die Bergfahrer wieder einmal eine Chance erhalten.» Ein Schweizer komme angesichts des Schwierigkeitsgrades sicher nicht in die Kränze, so Breu.

Die 85. Strassen-WM findet nur gut 150 Kilometer von St. Gallen entfernt statt.

Die 85. Strassen-WM findet nur gut 150 Kilometer von St. Gallen entfernt statt.

«Denn für die jungen Fahrer gibt es viel zu wenige Rennen in der Schweiz. Wie sollen die Talente so noch den entscheidenden Schritt an die Spitze machen? Wir haben ja auch keine Sprinter und keine Spezialisten für Etappen­rennen mehr. Ich konnte Wettkämpfe bestreiten, wann und so oft ich wollte. Auch viele Bergrennen fanden statt.»

Heutzutage aber seien die Auflagen in den Gesetzbüchern viel zu streng für die Veranstalter einheimischer Strassenrennen. «Wegen der vielen Vorschriften explodieren die Kosten. Es ist nicht mehr möglich, ein Rennen ohne Verluste durchzuführen.» Breu weiter:

«Schuld daran sind linke und grüne Politiker.»

Die heutige Generation sei auch nicht mehr bereit, selber etwas auf die Beine zu stellen, sagt Breu. «Viele wollen doch nur profitieren. Es gibt Angebote zuhauf. Wer ist da noch bereit, für den Erfolg zu leiden und für einen Sieg in einer der härtesten Sportarten alles hintenanzustellen?»

Nicht nur an der Strassen-WM vom Sonntag stehe die Schweiz im Velorennsport auf verlorenem Posten. «Meistens sind wir doch chancenlos. Michael Albasini ist noch gut, aber der muss auch ziemlich bald einmal zurücktreten. Dann haben wir noch Silvan Dillier, den Zweiten von Paris–Roubaix.»

Die Frage des Lebensstandards

Über die aktuell besten Schweizer Bergfahrer, die die Schweiz am Sonntag an der WM vertreten, rümpft Breu die Nase. «Denen fehlt der Biss. Das merke ich schon, wenn ich mit ihnen spreche.» Für Breu ist die ausländische Konkurrenz nicht mit mehr Härte ausgerüstet. «Es mag Ausnahmen geben. In den meisten Ländern ist heutzutage das Niveau des Lebensstandards aber nicht mehr weit von jenem der Schweiz entfernt.»

Aussichtsreichster Schweizer in der WM-Prüfung vom Sonntag ist wohl der 31-jährige Innerschweizer Mathias Frank, der Achte der Tour de France 2015. Der 38-jährige Albasini, der stärkste Schweizer Fahrer in den Eintages­rennen, verzichtet wegen der topografischen Hürden.

Albasini liefert das beste WM-Ergebnis seit 2011

Vor einem Jahr in Nor­wegen war der in Gais wohnende Thurgauer Siebter geworden. Es war das beste Schweizer WM-Resultat seit 2011. Auch Stefan Küng hat eine Teilnahme am Massenstartrennen längst abgehakt. «Eindeutig zu schwierig für mich», sagte der 24-Jährige aus Wilen bei Wil schon im Frühling. Für Silvan Dillier ist die Streckenführung in Tirol ebenfalls zu ­anspruchsvoll.

Breus verpasste Chance an der Heim-WM

Breu ist vierfacher WM-Teilnehmer. Sein bestes Resultat ergatterte er 1983 in Altenrhein. Der für den Veloclub Arbon lizenziert gewesene Breu landete auf dem 26. Platz. Er kannte die Strecke wie seinen Hosensack. Es war ein harter Parcours in den Hügeln am Bodensee, der am 4. September über 270 Kilometer führte. Breu entging im Finale nichts. Der St. Galler bemerkte, dass Greg LeMond in der Steigung beim Schloss Wartensee einen Angriff im Sinne hatte.

Altenrhein ist nicht Innsbruck

«LeMond ging, ich wollte kontern. Aber ich war leer, hatte keine Kraft mehr. Da nützen dir die besten Streckenkenntnisse nichts.» Es war die entscheidende Attacke gewesen. Der Amerikaner LeMond gewann später auch dreimal die Tour de France. Bester Schweizer auf der selektiven Strecke in Altenrhein wurde Erich Mächler als Sechster. Von einem solch guten Resultat können die Schweizer am Sonntag in Tirol wohl nur träumen.

Toggenburger WM-Neuling an der Rad-WM

Zu den sechs besten Radprofis des Landes zählt Patrick Schelling nicht. Weil er aber ein guter Bergfahrer ist, kommt der Hemberger am Sonntag auf der harten WM-Strecke in Innsbruck für die Schweiz zum Zug. Der 28-Jährige ist in Form. Er gewann zuletzt in Ungarn und Tschechien. Schelling steht beim Team Vorarlberg unter Vertrag, einer Equipe der zweiten Kategorie. Von 2013 bis Ende 2015 fuhr der St. Galler für die Schweizer World-Tour-Mannschaft IAM. Schelling stand mit dem Team Vorarlberg schon im Mannschaftszeitfahren am Sonntag im WM-Einsatz. Mit knapp fünf Minuten Rückstand gab es den 14. Rang. (dg)

Der Toggenburger Veloprofi Patrick Schelling, als er noch für das Schweizer Team IAM fuhr. (Bild: David Suter)

Der Toggenburger Veloprofi Patrick Schelling, als er noch für das Schweizer Team IAM fuhr. (Bild: David Suter)

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