Kurze Filme, lange Wirkung

SOMMERI. In Sommeri fand zum drittenmal das Kurzfilmfestival in der Löwenarena statt. Zu sehen war ein interessanter Mix aus Filmen bis maximal 10 Minuten Länge.

Severin Schwendener
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Die Siegerinnen Marlen Büchler (links) und Fiona Käppeli mit dem goldenen Löwenteller. (Bild: Severin Schwendener)

Die Siegerinnen Marlen Büchler (links) und Fiona Käppeli mit dem goldenen Löwenteller. (Bild: Severin Schwendener)

Nicht erst seit der Verleihung des Thurgauer Kulturpreises im Herbst 2003 steht der unabhängige Kulturverein Löwenarena für die Förderung und Vermittlung von Thurgauer Kulturschaffen in allen Bereichen. Im Zentrum steht der Saal des «Löwen» in Sommeri, wo meistens samstags ein breites Spektrum kultureller Aktivitäten stattfindet. Seit 2009 findet hier auch das von Holger Gosdek initiierte und veranstaltete Kurzfilmfestival Sommeri statt. Eingeladen sind Filme und Filmschaffende aus der Region, die Anmeldebedingungen sind bewusst offen gehalten, um Raum für möglichst viele unterschiedliche Filme zu bieten.

Grosses Spektrum

Die gezeigten Filme belegen denn auch, dass von der Freiheit Gebrauch gemacht wird: Das Spektrum ist gross, es wird nach Lust und Laune experimentiert. So etwa im Siegerfilm des Festivals 2009, der als Einstimmung zum Festival noch einmal gezeigt wurde. Preisträger Jonas Schenk machte mit seinem iPhone Fotos, stellte diese zu einem Film zusammen und bewies damit, dass auch einfache Mittel zu einem beeindruckenden Ergebnis führen können. Dass die Lust zum Experimentieren vorhanden ist, beweisen auch andere Filmschaffende, die teilweise mit mehr als einem Film am Festival präsent waren. Günter Dittmann verarbeitete Super-8 Filmaufnahmen zu einer filmischen Collage und legte mit einem aus abfotografierten Zeichnungen hergestellten Film sein zeichnerisches Können unter Beweis. Michel Weber, der mit gut zehn Minuten den längsten Film einreichte, baute mit Knetmasse eine ganze Wohnung nach und animierte einen Staubsauger, einen Schwamm und eine Schabe dazu, sich über die eindeutig sexuellen Geräusche aus der Nachbarwohnung Gedanken zu machen. Auf der anderen Seite der Zeitskala rangierte der Kurzfilm «Imperia» von Colin Würgler und Fiona Käppeli. Für weniger als eine Minute stellte dieser aus Comics gemachte Film die Statue Imperia im Konstanzer Hafen ins Zentrum. Nicht nur in bezug auf die Zeit, auch thematisch und technisch war die Vielfalt gross. Markus Keller und Uwe Schuran setzten sich mit den aktuellen Strassenbauprojekten im Thurgau auseinander, während Felix Brenner dem Stück «Romeo und Julia» eine theatralische Plattform bot. Klare Botschaften sind dabei ebenso wenig gefordert wie ein sofort ersichtlicher Inhalt. Die Freude am Experiment mit dem Medium Film steht im Vordergrund, es soll auch Raum bleiben für Interpretation, Nachdenken und Diskussion.

Wie ein Videoabend

Entsprechend ist das gesamte Festival auf das gemeinsame Erlebnis Kurzfilm ausgelegt und folgt nicht diesen starren, oft fast steril anmutenden Abläufen professionell organisierter Festivals.

Man sitzt an länglichen Tischen beisammen, trinkt ein Bier und diskutiert zwischen den Filmen über das eben Gesehene. Ob es eine Pause geben soll, überlässt Gosdek ebenfalls dem buntgemischten Publikum, und der freie Eintritt untermauert die lockere Atmosphäre, die stark an einen Videoabend bei Freunden erinnert.

Am Schluss konnte jeder drei Favoriten unter den Filmen auswählen, der Gewinner erhielt den Goldenen Löwenteller. In diesem Jahr ging der Preis an Fiona Käppeli und ihren Kurzfilm «Lampe», nachdem sich die ebenfalls vom Publikum geschätzte Marlen Büchler mit ihrem Kurzfilm «Post it» aus dem Rennen genommen hatte, da sie in der Organisation des Festivals mitgewirkt hatte.