KURZ & KRITISCH

Heidi, mir wei di beidi AMRISWIL. Mit einem solch grossen Aufmarsch hatte Bernhard Windler, Schulleiter aus Amriswil, nicht gerechnet. Das Kulturforum war für einmal ausverkauft. «Das setzt mich ja schon fast unter Druck», meinte der gebürtige Berner.

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Bernhard Windler auf der Bühne des Kulturforums Amriswil. (Bild: Barbara Hettich)

Bernhard Windler auf der Bühne des Kulturforums Amriswil. (Bild: Barbara Hettich)

Heidi, mir wei di beidi

AMRISWIL. Mit einem solch grossen Aufmarsch hatte Bernhard Windler, Schulleiter aus Amriswil, nicht gerechnet. Das Kulturforum war für einmal ausverkauft. «Das setzt mich ja schon fast unter Druck», meinte der gebürtige Berner. Das nimmt ihm kaum jemand ab, Windler steht locker mit Gitarre auf der Bühne. Er erzählt aus Mani Matters Leben, von der Gründung der Berner Troubadours und lässt in schönstem Berner Dialekt Matters Lieder wie «Ds Zündhölzli» oder «Dr Coiffeur» aufleben.

Mani Matter ist 1972 auf dem Weg zu einem Konzert tödlich verunglückt und zur Legende geworden. Mittlerweile gibt es einen Mani-Matter-Zug, einen Mani-Matter-Stutz, und die Leser der «Sonntags-Zeitung» haben den Berner Liedermacher auf den 14. Platz der bedeutendsten Schweizer gewählt – «noch vor General Guisan», merkt Windler an. Oft würde vergessen, dass Matters Musikerkollegen von den Troubadours ebenso witzige wie geistreiche Chansons geschrieben hätten. Bernhard Windler singt «Ds Käti» von Bernhard Stirnemann, ein Lied, das dank «Nachtexpress» von Radio DRS schon fast zur Berner Hymne geworden ist. Oder «Dr Schmier», mit dem eine ganze Berufsgruppe nicht sehr glücklich wurde.

Bernhard Stirnemann, Mitbegründer der Troubadours, ist 2011 verstorben. Die Troubadours Fritz Widmer und Markus Traber sind seit 2010 tot.

Bernhard Windler hat es verstanden, einen abwechslungsreichen Liederabend zu gestalten. Er setzte die Lieder in Kontext zu jener Zeit, als die französischen Chansonniers noch Vorbild für die Schweizer Liedermacher waren, es noch chic war, Citroën Deux-Chevaux oder Velosolex zu fahren und Gauloise zu rauchen. Themen der Berner Troubadours waren der eiserne Vorhang, die Jurafrage oder das Frauenstimmrecht. Dazu sang Windler Lieder wie «Ds Pissoir» von Jacob Stickelberger oder von Fritz Widmer die Ballade «Dä vom abbrönnte Pfarrhuus». Dazwischen immer wieder bekannte Matter-Songs wie «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama».

In Mani Matters Liedern gibt es kaum Refrains, «Matter war der Ansicht, Refrains sind Zeitverschwendung», sagt Bernhard Windler. Doch keine Regel ohne Ausnahme: «Heidi, mir wei di beidi, beidi, Heidi, hei di gärn», durfte das Publikum mitsingen. Gerne hätte man noch stundenlang weitergesungen, über witzige Texte gelacht. Nach einem eineinhalbstündigen Programm und nach der dritten Zugabe war Schluss, nachdem Bernhard Windler das Publikum beschworen hatte: «Sind doch gnädig, mir tuet langsam d Hand vom Gitarrespile weh.» Barbara Hettich