KURZ & BUCH

Sieben Frauen erzählen aus ihrem Leben Gertrud Binswanger stammt aus einer Bauernfamilie aus Felben-Wellhausen und kam durch Heirat in eine sehr kopflastige Familie, welche durch ihre bodenständige Herkunft bereichert wurde, wir ihr Schwiegervater –

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Sieben Frauen erzählen aus ihrem Leben

Gertrud Binswanger stammt aus einer Bauernfamilie aus Felben-Wellhausen und kam durch Heirat in eine sehr kopflastige Familie, welche durch ihre bodenständige Herkunft bereichert wurde, wir ihr Schwiegervater – Professor Ludwig Binswanger von der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen – ihr zu verstehen gab. Sie wurde durch die Heirat mit Wolfgang Binswanger, der später Nachfolger seines Vaters wurde, nicht nur Hausfrau und Mutter, sondern arbeitete auch in der Klinik mit und wurde zur «Klinikmutter». Wie nah Gesundheit und Krankheit im Bereich der Psyche beieinander liegen, erfuhr sie in ihrer eigenen Familie. Ihr ältester Sohn Markus wurde Mediziner und Psychoanalytiker, ihr Sohn Ruedi war Schauspieler und zweimal wegen schwerer Suizidalität in Münsterlingen als Patient interniert.

Ohne Scheu hat Gertrud Binswanger, die 2007 verstorben ist, der Thurgauer Schriftstellerin Marianne Ulrich ihr Leben erzählt. Das öffentliche Gespräch fand vor über zehn Jahren im Rahmen des Frauenforums Kreuzlingen statt. Erst jetzt wird es in Buchform veröffentlicht. «Frauenleben» heisst Marianne Ulrichs Werk, das heute Vernissage feiert. Neben Gertrud Binswanger werden sechs weitere Gespräche dokumentiert, die ebenfalls in den Jahren 1998 und 1999 öffentlich stattfanden. Genauso offen über ihr Leben Auskunft geben die Filmemacherin Yvonne Escher, Frauke Isler (spielt Theater und ist Mutter eines Autisten), die Autorin Julia Onken, die Malerin und Lebenskünstlerin Esther Schwarzer, die Astrologin Liliane Hongler sowie Elma Lorenz, die vom Unglück in Tschernobyl in ihren Grundfesten erschüttert wurde.

Sieben ganz unterschiedliche Frauen sprechen mit Marianne Ulrich über verschiedene Situation in ihrem Berufs- oder Privatleben, wobei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit besteht. Marianne Ulrich tritt weniger als Interviewerin, sondern vielmehr als Freundin auf. Hin und wieder hätte man sich ein kritischeres Nachfragen gewünscht, anderseits entsteht so zwischen den beiden Gesprächspartnerinnen eine grosse Nähe, die tiefe Einblicke ermöglicht.

Das Buch «Frauenleben» zeigt vor allem eins: Jedes Frauenleben ist anders, jedes hat seine Höhen und Tiefen, jede der sieben Frauen hat grosse persönliche Entwicklungen durchlebt, teilweise durchlitten, aber auch Schönes erfahren. Egal ob als Mutter, Künstlerin, Berufsfrau oder Ehefrau; jede Frau muss ihren Weg selber finden und ihren Alltag so ausfüllen, wie es für sie richtig ist. Die Steckborner Autorin Marianne Ulrich führt in ihrem Buch sieben Frauen zusammen, die an unterschiedlichen Stationen ihres Lebens stehen und doch eines gemeinsam haben: Sie sind irgendwo angekommen.

Karin Pfister

Buchvernissage: Fr 11.11., 20.15, Phönix-Theater Steckborn. Marianne Ulrich: Frauenleben. Gespräche mit Frauen aus dem 20. Jahrhundert. Edition signathur, 132 Seiten.