Kunterbunter Augenschmaus

Acht Künstler aus der Region hat die Galerie Stefan Rutishauser eingeladen, Werke zum Thema «Augenschmaus» zu zeigen. Kunterbunt hängen Fotografie, Malerei, Drucktechnik und Assemblage auf kleinem Raum nebeneinander.

Lucia Angela Cavegn
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Lisa Seipel: Serving friends, Acryl und Spraydose, 65 x 65 cm. (Bild: cav)

Lisa Seipel: Serving friends, Acryl und Spraydose, 65 x 65 cm. (Bild: cav)

FRAUENFELD. Seit 2007 finden in der Galerie Stefan Rutishauser jährlich drei Einzel- und eine Gruppenausstellung statt, zu denen Konzerte und gelegentlich ein Theater oder eine Lesung in inhaltlichem Bezug stehen. So auch jetzt: Im Rahmen der Ausstellung «Augenschmaus» zeigt die Bravebühne Winterthur Nick Hornbys Stück «Nipplejesus – Monolog für einen Museumswächter».

Diesmal, sagt der Galerist, sei das Theaterstück Auslöser für den Inhalt der Ausstellung gewesen. «Nipplejesus», eine böse Satire auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb, erzählt aus der Perspektive eines Museumswächters, der ein aus Brustwarzen zusammengesetztes Jesusbild bewachen sollte und dabei auf allerlei «unanständige» Gedanken kommt. Graham Smart hat den Museumswächter bereits in der Kunsthalle Winterthur gespielt und führt das Einmaltheaterstück am letzten Novemberwochenende auch in der Galerie Stefan Rutishauser auf.

Die Einladungskarte zu «Augenschmaus» postuliert die Frage: «Wie weit darf Kunst gehen? Wo fängt die Provokation an, und wo hört der gute Geschmack auf?» Fast alle der acht eingeladenen Künstlerinnen und Künstler aus dem Raum Frauenfeld, Winterthur und Zürich haben eigens für die Ausstellung Werke geschaffen. Eine Ausnahme ist Thomas Heck, dessen Digitalprints aus dem Jahr 2006 übermässig vergrösserte, stark verpixelte Thumbnails aus pornographischen Internetseiten zeigen und somit den vergällten Augenschmaus thematisieren.

Appetitliches, Unappetitliches

Wirklich appetitlich ist keine Werkgruppe. Lisa Seipel präsentiert, nicht ohne böse Hintergedanken, in ihrem Bild «Friends» Miezen und Bunnies als Häppchen mit Beigemüse auf dem Serviertablett. Die Mischung aus fotorealistischer Acrylmalerei und gespraytem Strichmännchen unterstreicht die beabsichtigte Ironie. Ums Fressen geht es auch bei Elsbeth Harling. Sie sammelte über Monate hinweg Blätter einer Heckenkirsche, auf denen die Miniermotte ihre vielfältigen Frassspuren hinterlassen hatte. Diese «gezeichneten» Blätter hat die Künstlerin getrocknet, mit Papier verstärkt und zu einem vielteiligen flimmernden Ornament kombiniert. Bei Walter Wetter sind es Käfer, Schmetterlinge und Falter, die in Sammlungsvitrinen aus den Vierzigerjahren «überlebt» haben und nun als morbide Augenweide dargereicht werden. Die historische Schaukasten-Installation ist mit nostalgischen Versatzstücken wie Spielzeugautos und -püppchen künstlerisch erweitert und aktualisiert worden.

Impressionen, spontane Notate

Marco Eigenmanns fotografischen Serien zu den Motiven Gläser, Klosett und Wasseroberflächen wie auch seine Stadtimpressionen sind zwar nett, aber einfach gestrickt. Mehr Anregung bieten Jan Hellmans collagierte Landschaftsaufnahmen, in Siebdruck auf Baumwollstoff gedruckt. Frech auch die auf Faserplatten gefrästen Köpfe von Uwe Fuchs, die in ihrer spontanen Machart frisch und unbekümmert daherkommen. Die aus sechs Viererblöcken und einem Dreierblock zusammengesetzte Porträtgalerie (mit Titeln wie «Käserei», «Metzgerei» und «Gelateria») kratzt am guten (Kunst-)Geschmack. Guido Vorburgers grosses surrealistisches Acrylgemälde hingegen verkörpert das, was man solides Handwerk nennt: schön gemalt, aber nicht wirklich modern, Niklaus Stoecklin nachempfunden.

Vernissage: Fr 11.11., 19 Uhr; Sa/So 12.–27.11., 14–17 Uhr. Nipplejesus: Fr 25.11., 21.30 Uhr, und Sa 26.11., 20.00 Uhr. Marktstrasse 6. stefanrutishauser.ch