Kulturamtschef René Munz geht

Das Thurgauer Kulturamt sucht einen neuen Chef. Auf Ende September tritt René Munz zurück und wechselt in die Fachstelle Kultur des Kantons Zürich. Während elf Jahren hat sich Munz für die Thurgauer und Ostschweizer Kulturlandschaft engagiert – seine Bilanz ist gemischt.

Drucken
Teilen
René Munz: «Ich freue mich sehr, dass ich die Chance habe, wieder etwas Neues kennenzulernen.» (Bild: Nana do Carmo)

René Munz: «Ich freue mich sehr, dass ich die Chance habe, wieder etwas Neues kennenzulernen.» (Bild: Nana do Carmo)

Die Departementschefin Monika Knill bedauert Ihren Wechsel – Sie auch?

René Munz: Es gibt ja immer das berühmte lachende und das weinende Auge – es hat mich niemand zum Stellenwechsel gezwungen… Aber es fällt mir in der Tat nicht leicht, ein ganz tolles Team zu verlassen und einige interessante Projekte abgeben zu müssen.

Sie übernehmen die Stabsstelle Kulturpolitik in der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich. Ist das ein Aufstieg?

Munz: Es ist ein Umstieg in ein neues, spannendes Aufgabengebiet in einem faszinierenden, urbanen Umfeld mit grossartigen Kulturinstitutionen. Mich haben aber schon immer die Inhalte interessiert und nie die Hierarchie – ich freue mich sehr, dass ich die Chance habe, wieder etwas Neues kennenzulernen, und ich glaube, dass ich dafür die nötigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringe.

In Zürich sind Sie als Stellvertreter der Fachstellenleiterin Kultur die Nummer zwei, im Thurgau waren Sie Chef. Also doch ein Abstieg?

Munz: Das ist keine Frage, sondern eine Feststellung, die mich nicht interessiert, wie aus vorangehender Antwort klar werden sollte.

Sind Sie dem Kulturamt abgeworben worden, oder haben Sie in Zürich angeklopft?

Munz: Ich habe mich einem ganz normalen Auswahlverfahren gestellt.

Warum haben Sie sich beworben?

Munz: Weil mich das ausgeschriebene Arbeitsgebiet in einem hochstehenden kulturellen Umfeld sehr interessiert, weil ich die nötigen Voraussetzungen und Erfahrungen mitbringe und weil sich damit eine einmalige Chance ergeben hat.

Das DEK schreibt, Sie haben «wichtige Aufbauarbeit» geleistet im Thurgau. Was ist für Sie das Wichtigste darunter?

Munz: Ich glaube, dass wir mit der Entwicklung des kantonalen Kulturkonzeptes eine verlässliche und transparente Kulturförderpraxis etabliert und auch die Realisierung einiger grösserer Projekte ermöglicht haben. Dazu gehören unter anderem die Schaffung regionaler Förderpools, die eine deutliche Stärkung der Kulturförderung in den betreffenden Gemeinden und Regionen zur Folge haben.

Und?

Munz: Die Realisierung des Theaterhauses Thurgau in Weinfelden mit der Etablierung eines professionellen Zentrums für Kinder- und Jugendtheater, die Einrichtung des Kulturportals Thurgaukultur.ch, das laufende Projekt Netzwerk Kultur und Schule, das einen erleichterten Einbezug von Kulturvermittlungsangeboten in den Unterricht ermöglichen wird, oder auch die geplante Publikationsreihe zur Geschichte des Thurgaus im Spätmittelalter aus Anlass des Jubiläums des Konstanzer Konzils.

Das Kulturamt ist auch für die kantonalen Museen zuständig.

Munz: Ja. Wichtig für den Thurgau sind auch die verschiedenen Entwicklungen in den kantonalen Museen. Die Museen leisten mit bescheidenen Ressourcen eine hervorragende Arbeit, die möglicherweise allzu sehr als selbstverständlich hingenommen wird.

Was haben Sie als Leiter des Thurgauer Kulturamts nicht erreichen, was nicht durchsetzen können?

Munz: Eine spürbare Verbesserung der personellen Ressourcen in den Museen und im Kulturamt und damit eine Verringerung der hohen Arbeitsbelastung.

Die Stelle wird demnächst ausgeschrieben. Was muss Ihr Nachfolger mitbringen? Was wünschen Sie ihm?

Munz: Mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin braucht einigen Sachverstand, eine hohe Belastbarkeit, Durchhaltevermögen und eine gewisse Kommunikationsfähigkeit. Kommunizieren, Argumentieren, Begründen und Erklären sind grundlegend, wenn man im Kulturbereich etwas bewirken will.

Drei kulturelle Unterschiede zwischen dem Kanton Thurgau und dem Kanton Zürich?

Munz: Unterschiedlich scheint mir das politische Bewusstsein für die Bedeutung und das Potenzial von Kunst und Kultur in der Gesellschaft zu sein. Dazu trägt bei, dass im Thurgau eine Stadt mit urbaner Ausstrahlung fehlt. Anderseits ist es im Thurgau leichter, Aufmerksamkeit zu finden und Unterstützung des Kantons zu bekommen für kulturelle Projekte auch im nichtprofessionellen Bereich.

Drei Gemeinsamkeiten?

Munz: Beide haben eine hohe Lebensqualität, einen See und gute öffentliche Verkehrsverbindungen.

Hat die Thurgauer Kultur in Ihren elf Amtsjahren an Bedeutung, Wertschätzung, Ausstrahlung gewonnen?

Munz: Ich glaube schon. Die kantonalen Museen haben eine ausserordentlich gute Resonanz in den Medien: nicht nur im Kanton, sondern auch national und international – trotz allzu bescheidener Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit. Festzustellen ist zum Beispiel auch eine höhere Sensibilisierung für kulturelle Anliegen in jenen Regionen, in denen sich Gemeinden und Kulturveranstalter zu regionalen Förderpools zusammengeschlossen haben.

Ihr bewegendstes Erlebnis im Thurgau in den vergangenen elf Jahren?

Munz: Die Geburt meiner Enkelin Elina und meines Enkels Noé… Es gab auch im kulturellen Leben viele bewegende Erlebnisse in diesen elf Jahren: stimmungsvolle Jazz- oder Orchesterkonzerte, berührende Theater- und Tanzaufführungen, sinnliche Ausstellungen usw. Mit der Verdingkinder-Ausstellung gab es sogar im historischen Bereich ein bewegendes Erlebnis – ich kann aber unmöglich eine Rangliste erstellen.

Ihr grösster Frust?

Munz: Die immer wieder zunehmende Verzögerung von Projekten wie etwa der Rückzug des Neubauprojektes für das Kunstmuseum aus formaljuristischen Gründen.

Ihre Partnerin Bea Frei arbeitet in Wil. Werden Sie wegziehen, oder pendeln Sie künftig von Frauenfeld nach Zürich?

Munz: Ein Umzug ist nicht geplant, ich werde zumindest vorerst sicher pendeln.

Interview: Dieter Langhart

Aktuelle Nachrichten