Künstler nach Brüssel?

Sechs Thurgauer Gemeinden haben höhere Hürden für Ausländer abgelehnt. Vier dieser Gemeinden sind kulturell belebt: Frauenfeld, Kreuzlingen, das Dietrich-Dorf Berlingen und Gottlieben mit dem Bodman-Haus.

Alex Bänninger
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Sechs Thurgauer Gemeinden haben höhere Hürden für Ausländer abgelehnt. Vier dieser Gemeinden sind kulturell belebt: Frauenfeld, Kreuzlingen, das Dietrich-Dorf Berlingen und Gottlieben mit dem Bodman-Haus.

Die musisch ebenfalls aktiven Gemeinden Arbon, Romanshorn und Weinfelden sowie Münsterlingen mit dem Kulturprogramm in der Klinik, Salenstein mit dem Arenenberg, Steckborn mit dem Phönix-Theater und Stettfurt mit dem Kulturkeller lagen mit ihrem Nein über dem kantonalen Durchschnitt.

Die kleine Statistik beweist nichts. Der Zufall hatte die Hand im Spiel. Aber ein bisschen spekuliert werden darf schon.

Das kulturelle Gedeihen setzt Offenheit voraus. Die Kultur vergrössert sie und zwingt zur Überprüfung der eigenen Denkmuster. Fremdes gewinnt Vertrauen und wird zur Bereicherung. Kultur ist grenzenlos.

Das sind Argumente für die Kultur – und gleichzeitig gegen sie. Denn sie stiftet nicht nur Identität, sondern auch Unruhe. Mit dem Schönen verweist sie aufs Hässliche, mit der Wahrheit auf den Schwindel und mit dem Guten aufs Verwerfliche.

Diese unberechenbare Kultur wollen nicht alle fördern. Die Politik wahrt den Abstand. Sie ist der Kultur so nahe, um sich vor dem Vorwurf der Tatenlosigkeit zu schützen, und so fern, um nicht wegen Komplizenschaft gerügt zu werden.

Jetzt wäre Nähe besser. Denn politisch ist gefragt, worauf sich die Kultur glänzend versteht: auf die Entwicklung kreativer Ideen.

Also Künstlerinnen und Künstler als Botschafter nach Brüssel? Nicht doch. Aber es empfehlen sich Unterhändler, die durch ihr Kulturinteresse gelernt haben, erfinderisch zu sein und überraschend neue Wege zu entdecken.

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