Kritik wegen Buschbränden: «Federer und Nadal sind selbstsüchtig und egoistisch»

Am Mittwoch spielten Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und weitere Tennis-Spieler 3 Millionen Dollar für die Opfer der Buschbrände in Australien ein. Dennoch gibt es auch Kritik aus den eigenen Reihen.

Simon Häring, Melbourne
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Rauchgeschwängerte Luft über dem Melbourne Park, wo derzeit die Qualifikation zu den Australian Open stattfindet.

Rauchgeschwängerte Luft über dem Melbourne Park, wo derzeit die Qualifikation zu den Australian Open stattfindet.

Bild: Keystone

Am Mittwoch kam in Melbourne endlich der erlösende Regen, und mit ihm auch eine Verbesserung der Luftqualität. Der Bundesstaat Victoria taxiert diese nur noch als «ungesund» und nicht mehr als «sehr gefährlich». Die Freibäder in Melbourne wurden am Dienstag vorübergehend geschlossen, und das Umweltamt forderte die Bewohner auf, in den Wohnungen zu bleiben, Fenster und Türen zu schliessen, zahlreiche Inlandflüge wurden gestrichen. Trotzdem begann am Dienstag die Qualifikation der Australian Open. Zahlreiche Akteure hatten mit der Atmung zu kämpfen, die Gegnerin von Stefanie Vögele, die Slowenin Dalila Jakupovic, musste nach einem Hustenanfall aufgeben. Sie sagte:

«Ich hatte Angst, zu kollabieren.»

Die Organisatoren betonen, die Gesundheit der Spieler stehe an erster Stelle, die Spiele wurden immer wieder unterbrochen. Doch die viele Spieler tun das als Schönfärberei ab. Der Franzose Gilles Simon schrieb: «Wenn man Ärzte findet, die bestätigen, es gebe keine Gefahr, bei 45 Grad an den Australien Open zu spielen, und Schiedsrichter, die in Wimbledon bestätigen, nasser Rasen sei nicht rutschig, dann wird sich doch ein Experte finden lassen, der die Luftqualität für ausreichend hält, oder?»

Am Mittwoch spielten Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und weitere Grössen des Sports im «Rally for Relief» knapp 3 Millionen Dollar ein, die den Opfern der Buschbrände zugeführt werden. Über 80'000 Quadratkilometer Land, das entspricht einer Fläche von zwei Mal der Schweiz, wurden Opfer der Feuerwalze. Federer und Nadal spendeten gemeinsam 250'000 Dollar aus der eigenen Tasche. Zahlreiche weitere Spieler versprachen, pro geschlagenes Ass oder pro Doppelfehler während des australischen Tennis-Sommers zu spenden. Und auch der internationale Tennisverband ITF sowie die vier Grand-Slam-Turniere spendeten.

Federer, Nadal und Kollegen bei der Rally for Relief

Schöne Zeichen der Solidarität mit einem Land, das sich seit Ende September im Ausnahmezustand befindet. Bei den verheerenden Buschbränden starben nach Angaben der Behörden bereits 29 Menschen. Gegen eine Milliarde Tiere sollen umgekommen sein, ihr Lebensraum ist für Jahrzehnte zerstört. Noch immer sind die meisten Feuer nicht unter Kontrolle.

Halbfinalist ruft zum Boykott auf

Und dennoch werden die Australian Open gespielt. Trotz Krise. Trotz der Luftqualität, die Lungenexperten dazu veranlasst, mit Nachdruck von sportlichen Aktivitäten abzuraten. The Show Must Go On. Notfalls auch in der Halle, wie Turnierdirektor Craig Tiley in Aussicht stellte. Für viele Spieler, die bereits im Einsatz stehen, geht das zu wenig weit. Sie fordern einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Gesundheit. Lucas Pouille, Halbfinalist vom Vorjahr, in diesem Jahr aber verletzt, rief zum Streik auf.

Doch für die meisten, die in der Qualifikation spielen, sind die Australian Open eine der wichtigsten Einnahmequellen. Selbst eine Niederlage in der ersten Runde ist mit 10'000 Dollar prämiert. Einer dieser Spieler ist der Kanadier Brayden Schnur. Er sorgte am Mittwoch für Schlagzeilen, als er Federer und Nadal in die Pflicht nahm.

«Sie sind zu selbstsüchtig und egoistisch. Sie stehen kurz vor dem Ende ihrer Karriere und denken nur noch an ihr Vermächtnis. Was gut für den Sport ist, interessiert sie nicht.»

Der 24-Jährige fordert: Erhebt eure Stimme.

Keine 24 Stunden später bereut Brayden Schnur, der in der zweiten Runde der Qualifikation steht, seine Äusserungen. Diese seien aus dem Kontext gerissen worden. Stattdessen sagte er: «Das Beispiel zeigt, dass wir eine Gewerkschaft brauchen, und mehr Solidarität unter den Spielern.» Und dafür brauche man die Unterstützung der Top-Spieler. «Ich bin keiner der Grossen. Meine Stimme wird nicht gehört, ihre schon.» Bei Federer und Nadal entschuldigte sich Schnur persönlich. Er bereue seine Wortwahl.

Roger Federer, Alistair Mason, australischer Feuerwehrmann und Nick Kyrgios beim Rally For Relief in Melbourne.

Roger Federer, Alistair Mason, australischer Feuerwehrmann und Nick Kyrgios beim Rally For Relief in Melbourne.

Scott Barbour, EPA

Federer sagte bei der Rally for Relief: «Es ging heute nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, Geld zu sammeln und den Leuten zu zeigen, dass man weiterhin nach Australien reisen kann.» Ich bin glücklich, wenn ich mit meiner Zeit und meinem Geld helfen kann.» Um die Situation zu überwachen, werden auf der Anlage Messgeräte installiert. Sowohl die ATPals und auch die WTA hätten sie bei diesem Entscheid unterstützt, sagte Turnierdirektor Craig Tiley zur Zeitung «The Age». Er sprach von einer «neuen Situation für uns alle. Wir müssen den Experten vertrauen, die uns sagen, wie wir am besten weitermachen.» The Show Will Go On.

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