Sieben Spiele ohne Sieg: Steckt FCSG-Gegner Thun in der Krise?

Der FC Thun ist immer noch Tabellendritter, aber mittlerweile seit sieben Spielen sieglos. Trotzdem wehrt sich Trainer Marc Schneider gegen den Begriff Krise.

Pascal Berger
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Die Thuner um Stefan Glarner wollen gegen St. Gallen zum Siegen zurückfinden. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Die Thuner um Stefan Glarner wollen gegen St. Gallen zum Siegen zurückfinden. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Es ist nicht so, dass Marc Schneider diese Serie einfach so hinnimmt. Natürlich ärgert es ihn, dass er mit seinen Thunern seit sieben Runden auf einen Sieg warten muss und in diesem Zeitraum nur drei Punkte dazugekommen sind. Aber wenn auf einmal von einer Krise die Rede ist, wenn sich die kritischen Töne häufen und Nörgler melden, sieht sich der Trainer zu einer Klarstellung gezwungen. «Wir sind immer noch Tabellendritter und stehen im Cup-Halbfinal. Man muss aufpassen, dass man nicht falsche Erwartungen schürt», sagt er, «wenn uns vor der Saison angeboten worden wäre, dass wir nach 28 Runden 38 Punkte haben werden, hätte dafür jeder von uns unterschrieben.» Um daran zu erinnern, was als primäres Ziel ausgegeben worden war: «Der Ligaerhalt.»

Schneider ist 38, seit Juni 2017 im Amt und damit bereits der Dienstälteste der Liga vor Ludovic Magnin vom FC Zürich, der seinen Job im Februar 2018 begann, und dem St. Galler Peter Zeidler, der seit Mitte Mai 2018 an der Seitenlinie steht. In seiner Rolle funktioniert der gebürtige Thuner ähnlich wie früher als Spieler: Er ist weder ein Blender noch ein Lautsprecher. Sondern ein Realist, der ohne Manager und soziale Medien auskommt – und der jetzt sagt: «Wir haben Respekt vor der Situation, machen uns aber keine Sorgen, weil es für die jüngsten Resultate einige Erklärungen gibt.»

Zwei gewichtige Ausfälle

Er redet etwa von «mangelnder Effizienz» gegen Xamax und Sion, und ein gewichtiger Faktor sind für ihn die verletzungsbedingten Absenzen von Dennis Hediger und Matteo Tosetti. Dieses Duo fehlt seit mehreren Wochen. Hediger ist der Captain, der sich am 10. Februar beim 1:1 gegen die Young Boys einen Kreuzbandriss zuzog. Seither wird er als unermüdlicher Antreiber und Organisator im Mittelfeld schmerzlich vermisst und muss noch während Monaten pausieren.

Tosetti ist mit sieben Assists bester Thuner Torvorbereiter, der sein Comeback plant, laut Schneider heute gegen St. Gallen aber noch Zuschauer sein wird. «Solche Ausfälle lassen sich bei uns nicht einfach ohne weiteres ersetzen», sagt Schneider, «wir verfügen nicht über ein Kader wie andere Clubs. Bei uns stehen nicht einfach sofort die nächsten Persönlichkeiten bereit, wenn sich Lücken auftun.»

Im Sommer steht ein Umbruch bevor

Vermutlich sieht er sich im Sommer damit konfrontiert, dass sich die Besten verabschieden und deshalb ein Umbruch droht. Die Berner Oberländer sind darauf angewiesen, mit Spielerverkäufen Einnahmen zu generieren. Sekou Sanogo (zu YB), Luca Zuffi (Basel), Roman Buess (St. Gallen), Simone Rapp (Lausanne), Renato Steffen (YB), Dario Lezcano (Luzern), Timm Klose (Nürnberg) Anatole Ngamukol (GC) – die meisten von ihnen bescherten dem Verein jeweils eine siebenstellige Ablösesumme.

Besonders begehrt von der aktuellen Belegschaft ist Dejan Sorgic, der zwar schon 29 ist, aber in dieser Spielzeit schon 15-mal getroffen hat. Und Marvin Spielmann, bislang zehnfacher Torschütze, wird mit YB in Verbindung gebracht. «Ich muss damit rechnen, dass wir Spieler verlieren», sagt Schneider, aber das kann ihn nicht auf dem falschen Fuss erwischen: «Die Pläne, wie wir in welchem Fall reagieren, stecken nicht mehr in der Schublade, sondern liegen auf dem Tisch. Wir sind bereit für viele Eventualitäten.»

Wegweisende Partie gegen St. Gallen

Vor dem Sommer aber ist St. Gallen, ist die Fortsetzung in der Super League. Und für Schneider bietet sich die Möglichkeit, der Konkurrenz im Finish der Meisterschaft zu signalisieren, dass der dritte Platz nicht kampflos preisgegeben wird. «Wir können noch genügend Punkte holen, damit wir am Ende sagen dürfen: Es war eine Topsaison von uns.»

Gegen die Ostschweizer weisen die Thuner 2018/19 eine positive Bilanz aus: 2:3, 2:0, 3:1. Übrigens: Jenes 3:1 am 16. Februar war der bislang letzte Sieg für die Thuner. Verlängert sich ihre negative Serie heute mit einer Niederlage, schliesst der Gegner punktemässig zu ihnen auf. Schneider verschwendet an dieses Szenario keinen Gedanken. Er stellt sein Team darauf ein, dass die St. Galler ein forsches Pressing aufziehen werden – und rechnet damit, dass die eigenen Spieler die richtigen Schlüsse aus der 1:5-Lektion am vergangenen Sonntag bei YB gezogen haben: «Ich bin zuversichtlich, dass wir das wieder hinbekommen. Ich sehe den bevorstehenden Wochen positiv entgegen.» Eine Krise in Thun? Von wegen.