KRISE: Der Karren steckt im Dreck

Heute treffen in der NLA mit Kloten und Servette die beiden Teams aus dem Tabellenkeller aufeinander. Bei den Zürcher Verantwortlichen scheint die Geduld aufgebraucht zu sein. Routinier Matthias Bieber glaubt an die Wende.

Sergio Dudli, Kloten
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Nachdenkliche Gesichter und hängende Köpfe bei den Spielern des EHC Kloten nach der Niederlage gegen Ambrì. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Nachdenkliche Gesichter und hängende Köpfe bei den Spielern des EHC Kloten nach der Niederlage gegen Ambrì. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Sergio Dudli, Kloten

Das Training des EHC Kloten gleicht derzeit einer Therapiestunde: Während die eine Hälfte der Spieler in der rechten Platzhälfte nach einem simplen Querpass auf das leere Tor schiesst, steht die andere Hälfte schön in einer Kolonne wie im Supermarkt aufgereiht an der Mittellinie. Einer nach dem anderen zieht ohne Gegenwehr auf den Torhüter los und versucht, den Puck zu versenken. «Uns bereitet das Toreschiessen und das Überzahlspiel grosse Probleme», sagt Sportchef Pascal Müller. Bloss 17 Tore erzielte die Mannschaft in elf NLA-Partien. Trainer Pekka Tirkkonen will das angeknackte Selbstvertrauen durch Erfolgserlebnisse im Training fördern.

«Wir müssen die Tore erzwingen»

Nachdem der Verein im Frühling 2016 unter dem Namen Kloten Flyers vom finanziellen Kollaps bedroht gewesen war, blieb im Verein kein Stein auf dem anderen: Es folgte mit Hans-Ulrich Lehmann ein neuer Besitzer und Präsident, das englische Anhängsel im Vereinsnamen wurde durch das klassische «EHC» ersetzt, und die Luxusgehälter für Neuverpflichtungen fielen dem Rotstift zum Opfer. Da die Sparmassnahmen ein Minus in der Schlussrechnung nicht verhindern konnten, muss der Gurt in dieser Saison noch enger geschnallt werden. So verzichtet Kloten momentan beispielsweise auf einen vierten Ausländer. «Wir haben trotz dieser Einsparungen genügend Qualität im Kader», so Müller.

Bislang ist die Mannschaft diesen Beweis schuldig geblieben. Den zwei bisherigen Siegen stehen neun Niederlagen gegenüber. «Der Start war schlecht, wenn man nur die Tabelle und Resultate anschaut. Aber in vielen Partien waren wir spielerisch überlegen», sagt Stürmer Mat­thias Bieber. Alles nur dem Pech zuschreiben, möchte der 81-fache Nationalspieler trotzdem nicht. Wenn der Puck auf der falschen Seite des Pfostens durchgehe, dürfe ein Spieler den Kopf nicht in den Sand stecken. «Es sollte ein Ansporn sein, es immer wieder zu versuchen. Wir müssen die Tore in unserer Situation erzwingen.»

Trainer Tirkkonen dürfte derweil hoffen, dass seine Therapiestunden möglichst schnell anschlagen, denn die Geduld der Verantwortlichen scheint aufgebraucht zu sein. So stand vor zwei Tagen Präsident Lehmann in der Kabine. «Er hat gesagt, dass wir den Karren in den Dreck gefahren haben und dass nur wir ihn wieder rausziehen können», sagt Bieber. Seitens des Sportchefs gibt es zwar ein Dementi, dass der Trainer in der Diskussion steht, aber Müller warnt: «Der Trainer steht genauso in der Verantwortung wie die Spieler.»

Dabei ist es dem Sportchef ein Dorn im Auge, dass die Mannschaft unmittelbar nach dem 2:9 gegen Bern vor einer Woche auch gegen den direkten Konkurrenten Ambrì daheim 1:5 unterging. In den kommenden Partien gegen Tabellennachbar Servette und Biel will Müller deshalb die nach dem Bern-Spiel ausgebliebene Reaktion sehen. «Jeder muss jetzt seine Leistung abliefern.»

Mit gutem Beispiel vorangehen

Bieber versichert, dass das Team hinter dem Trainer und dessen System stehe. Den Glauben an die Wende hat der 31-jährige Zürcher deshalb noch nicht verloren. «Die grösste Zuversicht geben mir die Jungs, die mit mir in der Kabine sitzen und jeden Tag motiviert ins Training kommen.» Das könne speziell in einer schwierigen Phase anders ablaufen.

Für die anstehenden Partien will Bieber mit bestem Beispiel vor­angehen. «Es gilt in jedem Einsatz sein Bestes zu geben. Gelingt das, steht am Ende das richtige Resultat auf der Anzeigetafel.»