Krim-inaltango und Rechenkunst

Thomas Götz lässt wieder eine Salve «Ergötzliches» aufs Publikum los. Die Krim-Krise und der neue Thurgauer Finanzdirektor stehen darin auf der Tagesordnung – und die ist komplett durcheinandergeraten.

Severin Schwendener
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Neuer Fixpunkt im Programm «Ergötzliches», das Thomas Götz heute nochmals zeigt: Arnold Schnyders Schwester Sabine. (Bild: Reto Martin)

Neuer Fixpunkt im Programm «Ergötzliches», das Thomas Götz heute nochmals zeigt: Arnold Schnyders Schwester Sabine. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. «Ich mach hüt gar nüt!» So tönt es mürrisch von hinten, und auch vorn bei der Kamera läuft nicht viel. «Nach dem, was Du Dir heute geleistet hast, hab ich echt keinen Bock mehr!», murrt Filmer Daniel Felix. Wie bitte? Zoff bei Götz? Das Publikum schmunzelt. Ruhiger wird es, als Thomas Götz anfängt, Leute aus dem Publikum aufzubieten, fürs Licht, für die musikalische Begleitung. Ein Hauch von Unruhe schwebt über dem Publikum im Theaterhaus Weinfelden. Ist man womöglich selbst der Nächste? Was zum Teufel hat Götz jetzt vor?

Doch Entwarnung kann gegeben werden: Auch im Chaos, beim über den Haufen geworfenem Programm, hat Götz sein Ergötzliches voll im Griff. Das wie gewohnt auch gesangliche Einlagen bietet. In seinem Krim-inaltango widmet sich Götz den Ränkespielen des Wladimir Putin, der wenigstens im Inland 95 Prozent der Bevölkerung hinter sich weiss. «Davon träumen die Politiker hierzulande», singt Götz. «95 Prozent statt der mägerlichen 30! Einmal nur der Wladimir Blocher sein!»

Gripen und Prominenz an Bord

Ungewiss auch das Ausmass der Zustimmung, die dem Gripen Mitte Mai den nötigen Auftrieb verleihen soll. Thomas Götz gibt schon mal eine Prognose ab: «Womöglich wird diese Abstimmung der einzige Kampfeinsatz des Gripen in der Schweiz sein.» Apropos Prognose: Wenn der neue Thurgauer Finanzdirektor Jakob Stark tatsächlich nur so gut rechnet, wie er in seinem kleinen Filmbeitrag vorführt, dann ist die Prognose des Thurgauer Staatshaushalts düster. Vielleicht liegt's ja auch an der externen Beratung, die Stark in Anspruch genommen hat und über die sein Amts-Vorvorgänger Roland Eberle sinngemäss verlauten lässt: «Ich war immer gegen externe Beratung – denken soll man selbst!»

Eberle, Stark, im vergangenen «Ergötzlichen» die neue Regierungsrätin Carmen Haag und ihr Vorgänger Bernhard Koch – die Thurgauer Politprominenz gibt sich bei Thomas Götz die Klinke in die Hand. Offensichtlich ist «Ergötzliches» im Thurgau zu einer Art Massstab geworden, an dem man sich messen lassen muss – und von Götz auf die Schippe genommen zu werden ein Gütesiegel, auf das man stolz sein kann.

Schnyders Schwester

Hochkarätig besetzt auch immer das Publikum, das durchsetzt mit Regierungs- und Gemeinderäten ist. Dass das Haus ausverkauft ist, versteht sich da wohl fast von selbst. Für Thomas Götz handkehrum ist das Erreichte auch eine Verpflichtung, das Publikum mit Neuem immer wieder zu überraschen. Das ist angesichts der relativ hohen Kadenz, mit der «Ergötzliches» auf die Bühne kommt – die nächste Staffel folgt bereits im Juni – keine Selbstverständlichkeit.

Doch Götz beweist auch in diesem Programm seine Kreativität, erfindet die Webcam in der Garderobe, etabliert Arnold Schnyders Schwester Sabine als Fixpunkt im Programm und schüttelt es auch noch ordentlich durch. Highlights wie den Buchtip oder die Werbeblöcke lässt er dagegen genauso stehen wie das absolute «Must» Arnold Schnyder. Das zahlt sich aus, gerade die Werbeblöcke produzieren mit die lautesten Lacher des ganzen Abends.

Besonders erfreulich aus künstlerischer Sicht: Thomas Götz gibt in jedem Programm einer anderen musikalischen Begleitung die Möglichkeit, sich dem Publikum zu präsentieren. Am Donnerstag zur Premiere des zweiten «Ergötzlichen» war dies die junge, fünfköpfige Band Neighbours.

Sa, 12.4., 20.15, Theaterhaus Thurgau 071 622 20 40, buehniwyfelde.ch

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