Aus der Traum für Krienser Handballer –Wacker Thun erster Cupfinalist

Der HC Kriens-Luzern geht nach einer spektakulären Berg- und Talfahrt im Cup k. o.: 20:26-Niederlage im Halbfinal bei Wacker Thun. Dabei wäre so vieles möglich gewesen.

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Der Krienser Filip Gavranovic tankt sich hier gegen den Thuner Stefan Huwyler durch. Bild: Christian Pfander (Thun, 19. Dezember 2018)

Der Krienser Filip Gavranovic tankt sich hier gegen den Thuner Stefan Huwyler durch. Bild: Christian Pfander (Thun, 19. Dezember 2018)

Es war ein verrücktes, ein verworrenes Spiel. In der Ganz-kurz-Zusammenfassung: Kriens verirrte sich nach einer komfortablen 8:3-Führung (15. Minute) in die handballerische Tristesse, verschenkte die Chance, sich für den Final im kommenden März zu qualifizieren. «Nichts anderes als traurig», haderte Trainer Goran Perkovac. Dabei waren seine Mannen so fulminant gestartet. Goalie André Willimann, vor zwei Jahren selber Cuptriumphator mit Thun, verzeichnete nach einer Viertelstunde 58 Abwehrprozente, warf sogar höchstpersönlich ein Tor. Lengacher spielte mit der Thuner Abwehr Schabernack, verwertete alle seine ersten drei Möglichkeiten. Im Prinzip passte alles zusammen, schien der HCK vor mehr als 100 mitgereisten Fans auf dem Weg in das Endspiel.

Nur drei Tore in 20 Minuten

Dann kam der grosse Knick. Irgendwie sei es wie die Angst vor einem grossen Sieg gewesen, wagte Perkovac den Versuch einer Beurteilung, «wir haben uns verkrampft» – und jeder weitere Thuner Anschlusstreffer habe das Nervenkostüm angenagt. In der Detailanalyse wies der Coach darauf hin, dass man mit 20 Toren kein Spiel gewinnt: «Diesmal kam aus dem Rückraum einfach wieder viel zu wenig.» Hauptsünder: Luca Spengler, der fünf Anläufe nahm, kein einziges Mal traf. Der 2-Meter-Mann fand in Perkovac ein Tröster: «Luca hat die letzten drei Partien Weltklasse gespielt. Es kann nicht sein, dass immer er für uns die Kastanien aus dem Feuer holen muss.» Ironie des Schicksals, welches den HC Kriens-Luzern partout nie in die Nähe eines Pokals kommen lassen will: Es war ausgerechnet einer, der in Kriens aus-, weiter- und zu einem sogar international tüchtigen Spieler fertig gebildet wurde, der den Innerschweizern die Suppe versalzte. Nicolas Raemy, der von so vielem Verletzungspech geplagte Buchrainer, präsentierte sich ausgerechnet am Mittwoch wieder einmal in Topform, steuert sieben Tore zum Sieg der Platzherren bei, zog den mit fortwährender Spieldauer verzagenden Gästen den Zahn. Da taten sich die nominellen Krienser Torschützen mit Thuns Keeper Marc Winkler (16 Paraden!) wesentlich schwerer: Mit Ausnahme von Gavranovic (7 Versuche, 5 Tore) scheiterten ansonsten zuverlässige Leute wie Ramseier ((7/2) und Radovanovic (8/3) klar zu häufig.

Noch einmal zum 18:18 aufgeholt

«Schade, wirklich schade», resümierte Coach Perkovac, der Mitte der zweiten Halbzeit bei einem Strohfeuer seiner Mannschaft (18:18, 47. Minute) noch einmal für wenige Minuten auf ein Happy End hoffen durfte, «es wäre alles möglich gewesen.» Doch Thun war abgebrühter, zog den Kopf trotz eines 5-Tore-Rückstandes noch aus der Schlinge: «Da hat man gemerkt, wie wertvoll die Erfahrung ist, die man auf der internationalen Bühne sammelt», bemerkte Perkovac – was man unverschlüsselt durchaus auch so interpretieren darf: Es gibt beim HC Kriens-Luzern noch viel zu tun.

Wacker Thun - Kriens-Luzern 26:20 (11:9)

1550 Zuschauer. - SR Boshkoski/Stalder. - Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Wacker Thun, 4mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Wacker Thun: Winkler (16 Paraden); Holm (3/2), Raemy (7/1), Dähler (2), Suter (5), Giovanelli, Lanz (2), Wyttenbach, Friedli (1), Simon Huwyler, Guignet (3), Gruber (3), Stefan Huwyler, Krainer, Caspar.

Kriens-Luzern: Willimann (9 Paraden/1 Tor); Lengacher (4), Engler, Spengler, Vögtli, Ravlija, Gavranovic (5), Yousefinezhad (2), Oertli, Ramseier (2), Radovanovic (3), Gnos, Delchiappo, Hofstetter (3).

Bemerkungen: Verhältnis verschossene Penaltys 3:2.