KORRUPTIONSSKANDAL: Der nächste grosse Fisch zappelt im Netz

Der mächtigste Mann im spanischen Profifussball steht schon seit Jahren unter Verdacht, sich mit unsauberen Geschäften zu bereichern. Nun haben die Ermittler offenbar genügend Beweismaterial gegen Angel Maria Villar zusammengetragen.

Ralph Schulze
Drucken
Teilen

Die Skandale rund um die mächtigsten Köpfe im Weltfussball sind um ein Kapitel reicher: Angel Maria Villar, der Präsident des spanischen Fussballbundes und einflussreicher Strippenzieher im Weltfussballverband Fifa sowie in der europäischen Fussball-Union Uefa, wurde gestern in der spanischen Hauptstadt Madrid festgenommen.

Auch wenn die Ermittlungen geheim sind, sickerten Einzelheiten der Vorwürfe durch: Nach Angaben spanischer Medien geht es um den Verdacht der Bestechlichkeit, Veruntreuung und Dokumentenfälschung. Villar wurde schon länger mit diversen Skandalen in Verbindung gebracht. Sowohl bei der Fifa als auch bei der Uefa ist er Mitglied des Exekutivkomitees. Neben Angel Maria Villar nahm die Polizei auch seinen Sohn Gorka fest. Der Junior und frühere Chef des südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol galt zuletzt als rechte Hand seines Vaters im spanischen Fussballbund. Zusammen mit dem Führungsduo nahm die Polizei weitere Mitarbeiter des Verbandes fest. Die Ermittler durchsuchten den Verbandssitz sowie die Wohnsitze der Hauptverdächtigen und transportierten kistenweise Dokumente ab.

Schwere Vorwürfe der spanischen Presse

Erst im Mai hatte sich der in Spanien zuletzt höchst umstrittene Villar erneut zum Verbandschef küren lassen. Dabei soll er sich die Stimmenmehrheit durch betrügerische Praktiken gesichert haben, hörte man wenig später. Offenbar, indem er den Vorsitzenden der Regionalverbände Geld und andere Vorteile versprach. Nach spanischen Medienangaben besteht zudem der Verdacht, dass Villar bei der Verhandlung von diversen TV- und Werberechten für Spiele der spanischen Nationalmannschaft Schmiergeld kassierte. Zudem wird ihm angelastet, dass er öffentliche Millionensubventionen veruntreut haben soll, die beispielsweise für die Sportförderung in südamerikanischen Ländern vorgesehen war.

Der 67-Jährige ist nicht nur der mächtigste Mann im spanischen Vereinsfussball, sondern zieht auch im internationalen Fussball die Fäden. So ist Villar seit 19 Jahren im Führungsgremium der Fifa, momentan als einer der Vizepräsidenten. Sogar seit 25 Jahren regiert er zudem im Exekutivkomitee der Uefa mit. Bisher konnte er alle Skandale rund um die beiden Verbände umschiffen. Allerdings wurde Villar 2015 von der Ethikkommission der Fifa verwarnt, weil er zunächst nicht mit den Ermittlern zusammenarbeiten wollte, welche die Vergabe der WM 2018 und 2022 an Russland und Katar untersuchten. Nach den schweren Vorwürfen in Spanien dürfte Villars Karriere auf dem internationalen Fussballparkett bald zu Ende gehen.

Ralph Schulze