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Der Gstaad-Faktor

Beachvolleyball, Tennis, Polo: Das Bergdorf im Kanton Bern ist in der Sommersaison Gastgeber von drei hochkarätigen Turnieren. Dahinter steckt nicht nur Strategie.
Laura Inderbitzin
Die US-Amerikanerin Emily Stockman im Angriff gegen die Brasilianerin Agatha im Viertelfinal des Gstaader Beachvolleyball-Turniers. (Bild: Peter Schneider/Keystone (14. Juli 2018))

Die US-Amerikanerin Emily Stockman im Angriff gegen die Brasilianerin Agatha im Viertelfinal des Gstaader Beachvolleyball-Turniers. (Bild: Peter Schneider/Keystone (14. Juli 2018))

Es ist etwas los in Gstaad. In den ver­gangenen zwei Wochen fanden im kleinen Dorf im Kanton Bern ein Major-Series-Beachvolleyball-Turnier sowie ein WTA-Turnier der Tennis-Frauen statt. Beides sind Anlässe mit Weltklasse-Charakter, die im Dorf mit bloss etwa 4000 Einwohnern stattfanden. Diese Woche werden die Swiss Open durchgeführt, und wieder sind Augen aus aller Welt auf Gstaad gerichtet. Wie ist das möglich? Gibt es so etwas wie einen Gstaad-Faktor? Oder wie kann ein derart kleines Dorf – von der Grösse her vergleichbar etwa mit Schötz – solche Topanlässe ausrichten?

«Es ist kein Zufall. Aber klare Strategie war es auch nicht», sagt Toni von Grünigen lachend. Er ist Präsident der Gemeinde Saanen, zu der auch das Dorf Gstaad gehört. Von Grünigen kann den Status von Gstaad als «Sporthauptstadt» nicht abschliessend erklären. «Vor Jahren wollte die Region auch im Sommer attraktiver werden. Derartige Events waren ein Mittel.» Bis am 1. September läuft auch noch das Gstaad Menuhin Festival, Mitte August findet zudem ein internationales Poloturnier statt.

Ein Bergbach zum Abkühlen gleich nebenan

Am meisten Breitenwirkung haben aber wohl das Beachvolleyball- und die Tennisturniere. Wie konnten diese Weltklasse-Events nach Gstaad auf 1050 Meter über Meer geholt werden? Das Tennisturnier hat eine über 100-jährige Tradition und ist im Dorf verwurzelt. «Es ist schwierig, ein solches Turnier so lange an einem kleinen Ort durchzuführen. Aber in Gstaad ist es speziell – wir spüren Unterstützung von allen Seiten», sagt Turniervizedirektor Julien Finkbeiner. Von der Bevölkerung, der Hotellerie und auch den Behörden. Diese Unterstützung erfährt auch Ruedi Kunz. Er ist Gründer des Beachvolleyballturniers in Gstaad und bis heute – 18 Jahre später – Turnierdirektor. Er ist es, der Gstaad zur Spitzenadresse im Beachvolleyball gemacht hat. Der Wettkampf ist einer von nur drei insgesamt, der das höchste Prädikat mit fünf Sternen besitzt. «Das ­haben wir primär dank viel Arbeit geschafft.» So biete Gstaad den Spielern viele «Zückerli» – zum Beispiel werden alle vom Flughafen abgeholt – und sei so eines der beliebtesten Turniere. «Die Berge sind keine typische Beachvolleyball-Destination. Aber die Bedingungen sind super: tolle Atmosphäre, warme Temperaturen und ein Bergbach zum Abkühlen gleich nebenan.»

Finanzielle Herausforderungen

Trotzdem: Finanziell gesehen ist es für die Verantwortlichen der Turniere schwierig. Sie helfen sich und nutzen Synergien, um zu überleben. So benutzen alle drei Wettkämpfe dieselbe Infrastruktur: Wo am Sonntagabend noch massenhaft Sand liegt und Beachvolleyball gespielt wird, da wird am Dienstag dem Tennis gefrönt. Das ist eine Herausforderung, sind sich die Verantwortlichen einig. «Innerhalb von 36 Stunden wird die Arena sozusagen verwandelt. Das ist jedes Mal harte Arbeit», sagt Kunz.

Neben der Synergiennutzung werden sie von der Gemeinde mit insgesamt 600000 Franken unterstützt. Mit Steuergeldern versteht sich. Das zahlt sich laut dem Gemeindepräsidenten aus. Der Werbeeffekt sei hoch, ebenso wie die Übernachtungszahlen. Während der Hochsaison beherbergt Gstaad dreimal so viele Personen wie normalerweise. «Diese Sportanlässe sind wichtig für die Region», sagt von Grünigen.

Es gibt also nicht den einen Grund und ist nicht ausgefeilte Strategie, wieso in Gstaad solche Top-Anlässe stattfinden. Vielmehr hat das Tennis eine lange Tradition, derweil das Beachvolleyballturnier dank des Engagements einer Einzelperson zu Stande gekommen ist.

Schon so lange erfolgreich sind die Turniere vor allem dank der einwandfreien Organisation und der Lage. Die Frage aber bleibt: Wieso Gstaad? Würde das ein x-beliebiges anderes Dorf in den Alpen nicht auch schaffen? «Theoretisch wäre das möglich», sagt der BeachvolleyballturnierDirektor, «aber praktisch ... in Gstaad ist es eben speziell». Es gebe einen Spezialfaktor Gstaad, sagt auch der Gemeindepräsident. Und der Tennisturnier-Vizedirektor legt noch einen drauf: «Gstaad ist ein Name mit Ausstrahlung.» Wie Monaco oder Saint-Tropez. «Es sind Top-Events, auch weil sie gerade hier in Gstaad – und nicht woanders – stattfinden», sagt Finkbeiner. Er existiert also, der Gstaad-Faktor.

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