KOPF DES TAGES: Der schweigsame Sieger

Kloten war im Playoff-Final gegen Davos ein ebenbürtiger Gegner. Am Ende scheiterten die Zürcher Unterländer in erster Linie an ihrer Ineffizienz.

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Der schweigsame Sieger

Kloten war im Playoff-Final gegen Davos ein ebenbürtiger Gegner. Am Ende scheiterten die Zürcher Unterländer in erster Linie an ihrer Ineffizienz. Hauptverantwortlich dafür, dass nur ein Bruchteil der Klotener Abschlussversuche von Erfolg gekrönt wurde, waren aber nicht ungenaue Schüsse, sondern ein Davoser Goalie, der (fast) alles hielt. Im Alter von 23 Jahren erst am Beginn seiner Karriere stehend, kann Leonardo Genoni nach 2005 bereits einen zweiten Meistertitel feiern.

Neben seiner Ruhe, die der am Zürichsee aufgewachsene Kilchberger auch in den brenzligsten Situationen nicht verliert, zeigt der Davoser Goalie das unerschütterliche Selbstvertrauen, das die Mannschaft von Trainer Arno Del Curto seit Jahren auszeichnet. «Ich wusste, dass die Meisterschaft heute endet. Ich bin am Morgen mit dem genau gleichen guten Gefühl aufgestanden wie vor zwei Jahren», so Genoni nach dem entscheidenden Finalspiel am Dienstag in Kloten. Sein selbst auferlegtes Redeverbot während der Playoffs endete mit der Schlusssirene am Schluefweg.

Rückzug als Erfolgsrezept

Als er 2007 von den GCK Lions aus der NLB in die höchste Liga zu Davos wechselte, war es noch Trainer Del Curto, der ihm Interviews untersagte, um ihn zu schützen. Dieser mediale Rückzug hat sich mittlerweile bewährt. Genoni geht gar noch weiter. Während den Playoffs trainiert er oft nicht mit der Mannschaft. Seine Übungseinheiten werden dann von Goalietrainer Marcel Kull geleitet. Unter dem 58jährigen Herisauer hat sich Genoni zum besten Torhüter in der Schweiz entwickelt. Bereits werden Parallelen zu einem früheren Schützling von Kull gezogen. Der Appenzeller Jonas Hiller spielt mittlerweile für die Anaheim Ducks in der National Hockey League (NHL).

Die Position der Nummer eins wurde Genoni aber nicht geschenkt. In seiner ersten Saison in Davos musste er sich den Platz im Tor mit Reto Berra teilen. Dieses Jobsharing kannten die beiden Gleichaltrigen bereits von ihrem Engagement bei den GCK Lions. Berra – jetzt Goalie des EHC Biel – stand seinem «Zwilling» auf allen Stufen der Junioren-Nationalteams vor der Sonne. Das hat sich geändert. Jetzt ist Genoni zweifacher Meister-Goalie und die designierte Nummer eins von Nationalcoach Sean Simpson an der kommenden WM in der Slowakei. Während Weggefährte Berra aus dem vorläufigen WM-Aufgebot gestrichen wurde.

Messbare Leistung

Die Leistungen eines Eishockeygoalies lassen sich messen. Aussagekräftigste Statistik ist die Fangquote. Sie zeigt auf, wie viele der Pucks, die auf ihn zufliegen, ein Torhüter abwehren kann. Mit einem Wert von 90 Prozent gilt man als guter Goalie, mit 92 als ein sehr guter. Bei Genoni waren es in der Finalserie gegen Kloten über 95 Prozent. Der junge Zürcher, der seit vergangenen Sommer im Fernstudium Betriebswirtschaft studiert, wird aber weder angesichts dieser Zahlen noch angesichts der vielen Lobeshymnen, die jetzt angestimmt werden, abheben. Auch wenn er jetzt wieder mit Medienvertretern spricht, laute Töne wird man von ihm kaum hören. (tw)