KONTROLLIERT: Mit Vorsicht zum Erfolg

Tessa Worley reicht beim Saisonfinal in Aspen ein fünfter Platz, um sich den Sieg im Riesenslalom-Weltcup zu sichern. Mélanie Meillard ist beim italienischen Dreifachsieg erneut die beste Schweizerin.

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Seit langem die Riesenslalom-Dominatorin, aber erstmals mit kleiner Kristallkugel: Tessa Worley. (Bild: Hans Klaus Techt/Keystone)

Seit langem die Riesenslalom-Dominatorin, aber erstmals mit kleiner Kristallkugel: Tessa Worley. (Bild: Hans Klaus Techt/Keystone)

Die Ausgangslage war zu gut, der Vorsprung im Disziplinenklassement mit 80 Punkten auf die einzig verbliebene Konkurrentin Mikaela Shiffrin zu gross, die Aussicht zu verlockend. Tessa Worley wollte nichts aufs Spiel setzen, was sie sich mit ausnahmslos starken Leistungen den ganzen Winter hindurch erarbeitet hatte. Entsprechend mied sie vor allem im ersten Lauf jedes Risiko, tat nicht mehr als nötig und machte weitere Wege um die Tore herum als gewöhnlich. Der Anspruch, als Beste die Saison standesgemäss mit einer weiteren Top-Klassierung abzuschliessen, war an diesem Sonntag weit weg. Der Plan der Französin war einzig und allein, im Ziel anzukommen und nach dem in St. Moritz errungenen zweiten WM-Titel auch ihre erste Kristallkugel zu gewinnen. Als übrigens erste Französin im Riesenslalom seit Carole Merle, die vor 23 Jahren zum zweiten Mal in Folge die Beste in dieser Sparte war.

Italienerinnen eine Klasse für sich

Die zwei kontrollierten Fahrten genügten Tessa Worley schliesslich zu Platz 5 und somit zum souveränen Sieg in der Disziplinenwertung. Rang 13 hätte Worley auch schon zum Gewinn der Kugel gereicht. Und selbst wenn sie diesen verpasst hätte, wäre sie am Ende des gestrigen Tages dennoch die strahlende Siegerin gewesen. Um Worley noch abzufangen, hätte Shiffrin das Rennen gewinnen müssen. Doch die Amerikanerin musste ihre Hoffnungen schon nach dem ersten Durchgang begraben. Sie lag zwar im Zwischenklassement auf Platz zwei, ihr Rückstand auf die dominierende Federica Brignone betrug aber schon fast eine Sekunde. Am Ende reichte es der Amerikanerin unmittelbar hinter Tessa Worley zu Platz 6. Brignone bewies ihrerseits einmal mehr, dass sie über eine hervorragende Spätform verfügt, und konnte den Vorsprung aus dem ersten Lauf problemlos über die Runden bringen. Die Italienerin feierte ihren fünften Sieg im Weltcup mit 1,44 Sekunden Vorsprung vor ihrer Teamkameradin Sofia Goggia. Als Dritte machte Marta Bassino den italienischen Triumph perfekt. Es war der erste Dreifachsieg im Weltcup für die in diesem Winter beste Frauenequipe.

Erneutes Bestresultat für junge Meillard

Tags zuvor im Slalom als Fünfte so gut klassiert wie noch nie im Weltcup, nun im Riesenslalom die Steigerung des Bestwerts um zwei Ränge – Mélanie Meillard unterstrich ihr immenses Potenzial mit Nachdruck. Für die 18-jährige Romande zahlte sich damit in nicht erwartetem Mass aus, auf die Teilnahme an der Junioren-WM in Are verzichtet zu haben. «Ich weiss, dass ich es noch besser kann. Das sind Resultate, auf denen ich für die nächste Saison aufbauen kann.» Weltcuppunkte, die es beim Final nur für die ersten 15 gibt, sicherte sich auch Simone Wild. Die Zürcherin rutschte im zweiten Durchgang zwar noch um drei Positionen nach hinten, mit Rang 14 lieferte sie gleichwohl ein im Hinblick auf die Weltcupstartliste wichtiges Ergebnis ab. Wendy Holdener, Kombinationsweltmeisterin in St. Moritz, verpasste als 18. die Punkteränge um einen Zehntel. Beste Schweizerin in der Riesenslalom-Wertung ist Lara Gut, obwohl sie seit der WM verletzt ausfällt. Nachdem sie bis gestern auf Rang drei der Wertung lag, fiel die Tessinerin noch hinter Goggia und Brignone auf den fünften Platz zurück. (sda)