Konkurrenz aus dem Ausland

Julia Hassler gehört an den Schweizer Meisterschaften ab heute in Vaduz zu den Favoritinnen. Die Liechtensteinerin ist die Beste ihres Landes und hat dort praktisch keine Konkurrenz. Deshalb will sie nach dem Gymnasium ins Ausland.

Rabea Huber
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Schwimmen. Sie ist Liechtensteinerin und trotzdem kann sie Schweizer Meisterin werden. Ihr Landesverband arbeitet bei den nationalen Meisterschaften mit dem Schweizerischen Schwimmverband zusammen und ist ab heute auch Organisator. Deshalb kann die 17-Jährige in Vaduz um Medaillen schwimmen. Die ersten Schweizer-Meister-Titel gewann Hassler im November auf der Kurzbahn in Savosa im Tessin über 400 m und 800 m Freistil. Insgesamt gewann sie fünf Auszeichnungen, so viele wie keine andere Athletin.

Drei bis vier Medaillen sind auch am Wochenende das Ziel. Nur einen Schweizer Rekord kann Hassler nicht aufstellen. Denn wenn sie an internationalen Wettkämpfen an den Start geht, tut sie das für Liechtenstein. In ihrem Heimatland hat sie keine Konkurrentinnen mehr. Als erste liechtensteinische Schwimmerin gewann sie 2009 an den Kleinstaatenspielen auf Zypern Medaillen. Zwei silberne und eine bronzene Auszeichnung durfte sie in Empfang nehmen. Und über 800 m Freistil gewann sie Gold mit einem Spielerekord.

Wenig gefordert

Hassler hält auf der Kurz- und Langbahn 14 nationale Bestzeiten. Auch im Training im Schwimmclub Unterland Eschen wird sie von ihren meist viel jüngeren Teamkolleginnen nur wenig gefordert. Geschwommen wird im Hallenbad nur auf zwei Bahnen. Hassler teilt sich ihre mit zwei Kollegen, deshalb muss sie im Kreis schwimmen und nicht auf einer Linie. Zudem stören die Wellen der anderen den Bewegungsablauf. Die Wettkampfvorbereitungen sind so nicht optimal.

Zumal im Hallenbad über 25 m trainiert wird und die Schweizer Meisterschaften draussen über die lange Distanz stattfinden. Zurzeit ist Hassler in Vaduz am Gymnasium und deshalb gibt es wenig Alternativen. Aber in zwei Jahren beendet sie die Schule. «Und dann will ich weg von hier», sagt sie. Ihr Ziel ist es, in den USA oder in Australien zu studieren und dort in einer Gruppe zu trainieren. «Dort würde ich ganz anders gefordert werden und hätte viel mehr Konkurrenz.»

Internationale Luft konnte sie schnuppern, als sie im April einen fünfwöchigen Sprachaufenthalt in Australien absolvierte. Da sie in dieser Zeit auch in einem Club trainierte, durfte sie an der australischen Nachwuchsmeisterschaft teilnehmen, wo sie in ihrer Alterskategorie über 800 m Freistil den zweiten Platz belegte. «Die Wettkämpfe dort waren etwas ganz anderes. Denn hier bin ich schnell einmal gut», sagt die Gymnasiastin.

Limiten weniger streng

Dass sie aus einem kleinen Land wie Liechtenstein stammt, bringt aber auch Vorteile mit sich. Für internationale Meisterschaften sind die Limiten weniger streng. An der Kurzbahn-EM vergangenes Jahr in Istanbul wurde die Liechtensteiner Sportlerin von 2009 Elfte. Langfristiges Ziel sind die Olympischen Spiele in zwei Jahren in London. Ihr Trainer Ivan Petrow traut ihr dort die Qualifikation für einen Final zu.

Der Ungar leitet die Trainings des Schwimmclubs Unterland nur vorübergehend, doch er ist beeindruckt von den Leistungen der 17-Jährigen: «Sie hat eine sehr gute Technik im Freistil. Ausserdem ist sie diszipliniert, ehrgeizig und hat eine tolle Ausdauer.» Die längeren Strecken liegen Hassler denn auch am besten. Auf den langen Distanzen kommt sie erst richtig in Schwung. Der Trainer hält Zeiten und Technik wichtiger als Medaillen. Aber da ist die Gymnasiastin anderer Meinung. Es ist nun einmal etwas Spezielles, als Liechtensteinerin Schweizer Meisterin zu werden.