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Kolumne

Komplimente, die wie «blöde Worte» klingen

Sportreporter Claudio Zanini zeigt in seiner Kolumne auf, wie Skistar Marcel Hirscher öffentlich die jungen Nachwuchstalente lobt - und was die Komplimente zu bedeuten haben.
Claudio Zanini
Sportredaktor Claudio Zanini

Sportredaktor Claudio Zanini

Zugegeben. Wir fühlten uns alle ein bisschen gebauchpinselt, als dieser österreichische Übermensch den Innerschweizer Jungspund in den Ski-Olymp hievte. Marcel Hirscher (neunfacher Chuenisbärgli-Sieger) sagte am Samstag über Marco Odermatt (mehrfacher Junioren-Weltmeister), er könne alles gewinnen, was es so im Skisport zu gewinnen gebe. Speziell erwähnte er den Gesamtweltcup und den Olympiasieg.

Es fühlte sich an wie das goldene Ticket für die Schokoladenfabrik. Eine Carte blanche – vom Schneekönig persönlich ausgestellt. Als dürfte sich der 21-jährige Odermatt auf einem Blatt Papier nun seinen ganz persönlichen Wunschpalmarès ausmalen. Wir liessen uns von Hirschers Worten verzaubern und widerstanden der Versuchung, am Schweizer Team zu nörgeln: Denn es kann ja eh nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dieser Odermatt unter anderem auch die anhaltende Schweizer Baisse in Adelboden beendet.

Odermatt war nicht der Erste, der von Marcel Hirscher Blumen überreicht bekam. Anfang Dezember, nach dem Riesenslalom von Val d’Isère, erklang eine wunderbare Hymne auf Loïc Meillard. «Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass er der Junior mit dem grössten Talent weltweit ist», sagte Hirscher. Auch diese Botschaft war eine wohltemperierte Musik in den Ohren aller Schweizer, die Skirennen verfolgen. Wie soll so was spurlos an einem vorbeigehen, wenn man mit Meillard mitfiebert und gleichzeitig weiss, wer Hirscher ist?

Am Sonntagnachmittag schritt Marcel Hirscher zur Pressekonferenz in die Aula des Schulhauses von Adelboden. Und er hatte Komplimente dabei. Ein Journalist bat den Österreicher um eine Einschätzung des Franzosen Clément Noël. Noël hat denselben Jahrgang wie Odermatt, ist Junioren-Weltmeister und wurde am Chuenisbärgli Zweiter hinter Hirscher. Es ist bekannt, dass Noël gut ist, der französische Kollege hätte es wohl gerne von Hirscher gehört. Der Österreicher erwies ihm diese Gefälligkeit. Und nun folgt die schwerwiegende Erkenntnis aus Schweizer Sicht: Wir sind nicht die Einzigen mit einem goldenen Ticket. Hirscher benutzte ähnliche Worte wie bei Odermatt. Clément Noël könne alles gewinnen, er könne auch Olympiasieger werden.

Nun gut. Bis in ein paar Tagen wissen wir vielleicht nicht mehr, dass Hirscher diesen jungen Franzosen als das nächste grosse Ding ausgerufen hat. Was wir vielleicht in Erinnerung behalten sollten: Hirscher ist Familienvater, ein höflicher Mann, ein Profi auf allen Ebenen. Dass er via SRF direkt nach dem Sieg einige Nettigkeiten in die Schweizer Stuben sendet in Form eines Odermatt-Lobes – es müsste uns nicht so betören. Mindestens einer liess sich ganz bestimmt nicht den Kopf verdrehen, nämlich Walter Odermatt, der Vater des Hochgepriesenen. Walter relativierte in der Sendung «Sportpanorama» am Sonntagabend sehr trocken: «Das sind natürlich blöde Worte, wenn man weiss, wie schmal der Grat ist.»

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