Kommentar
Beziehungsstatus nach Nati-Coiffeur-Affäre: Es bleibt kompliziert

Manuel Akanji lässt einen Schweizer Friseur nach Rom kommen. Granit Xhaka zeigt sich mit blondiertem Haar im Netz. Lustig? Nicht wirklich. Einmal mehr schütteln wir den Kopf über unsere Nati-Spieler.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Liebe Fussball-Nati, du macht es uns wieder einmal nicht leicht, dich zu mögen. Dabei würden wir uns so gerne mit Dir identifizieren. Dich auf deinem EM-Abenteuer begleiten. Mit Dir tanzen, singen, feiern und wenn es sein muss weinen. Du auf dem Trip durch Europa, wir zu Hause. Aber ohne emotionale Distanz. Das war unser Plan. Und es schien, als würde es dieses Mal funktionieren.

Es ist klar: Die Beziehung ist fragil. Du, liebe Nati, suchst selten die Nähe zu uns. Vorzugsweise schottest Du Dich ab. Trotzdem wollen wir dich mögen. Was zuletzt ja nicht so einfach war. Insbesondere nach dieser vermaledeiten WM in Russland mit der Doppeladler-Affäre als Tiefpunkt. Es hat gedauert mit der Aufarbeitung. Aber wir sind geduldig geblieben und haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es zwischen uns wieder knistert und funkt.

Wir, nicht ihr und wir

Und es sah gut aus, diesen Frühsommer. Das Vorbereitungs-Camp in Bad Ragaz verlief tadellos. Wir dachten, jetzt seid ihr fokussiert, beseelt von der Mission und vor allem reif genug. Wir dachten, jetzt könne wieder so etwas wie Verbundenheit entstehen. Allein, dass in diesem Text von wir und ihr und die Rede ist, deutet darauf hin, dass etwas in der Beziehung immer noch oder wieder nicht stimmt. Dabei wünschten wir uns nichts mehr als eine Symbiose. Wir, nicht ihr und wir.

Erst der Tattoo-Besuch von Granit Xhaka während des freien Wochenendes. Obwohl es hiess, die Spieler sollten die Kontakte auf die Familie beschränken. Nun, am Montag, bestellt Manuel Akanji einen Schweizer Friseur (Xhaka nutzt die Chance) ins Hotel in Rom. Das ist dekadent.

Die Nati-Stars Xhaka und Akanji in blond.

Die Nati-Stars Xhaka und Akanji in blond.

Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Für Xhaka ist das Tattoo und die neue Haarfarbe vielleicht nur ein Mittel gegen die Langeweile. Aber das Signal, das er aussendet: Ich hier oben und ihr da unten. Ich kann mir Dinge erlauben und leisten, von denen ihr ein Leben lang träumt. Ziemlich schlechte Voraussetzungen für eine funktionierende Beziehung.

Nati-Captain Xhaka plötzlich blond: Und so reagiert Gattin Leonita!

Video: Silja Hänggi

Wie wärs mal mit einem Buch lesen?

Trotzdem: Hier noch ein paar Tipps gegen die EM-Langeweile: Ein Buch lesen. Oder sich über das politische Leben informieren. Dann hättet Ihr mitbekommen, dass am Sonntag fast 50 Prozent für ein neues CO2-Gesetz gestimmt haben, was die Geschichte mit dem Schweizer Friseur in Rom nicht besser macht. Oder: Sich mit dem Gegner auseinanderzusetzen. Damit der kopfballstärkste Mann nicht mehr so leicht zu einem Treffer kommt wie Kieffer Moore aus Wales.