Kommentar zum Fussball-Modus
Doch keine Playoffs im Schweizer Fussball – es ist ein grosser Sieg für die Fankurven

Der Meistertitel im Schweizer Fussball geht auch künftig nicht über Playoffs. Der Widerstand der Fans hat die bereits gemachten Pläne zum Einstürzen gebracht. Ein Kommentar.

Raphael Gutzwiller
Raphael Gutzwiller
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Fans des FC Basel freuen sich über das «Nein »zu den Playoffs.

Fans des FC Basel freuen sich über das «Nein »zu den Playoffs.

Claudio Thoma / freshfocus

Der Schweizer Fussball erhält keine Playoffs. An der Generalversammlung haben die Klubs der Swiss Football League die Entscheidung getroffen, die Meisterschaft künftig doch nicht mittels Playoff-Modus zu entscheiden. Dafür hatten sie sich noch im Mai mit einer deutlichen Mehrheit ausgesprochen. Stattdessen wird der Meistertitel ab nächster Saison im sogenannten «Schottischen Modus» ermittelt. Hierbei spielen die zwölf Teams je drei Mal gegeneinander, danach treten die besten sechs und die hinteren sechs je einmal gegeneinander an.

Für den Meinungsumschwung sorgen die traditionellen Fussballfans. Die Fankurven aller Super-League-Klubs haben sich seit dem Entscheid bei fast jedem Spiel deutlich gegen die angedachten Playoffs positioniert. 57407 Unterstützerinnen und Unterstützer haben eine Kampagne dagegen unterschrieben. Und tatsächlich fruchteten die Bemühungen: Mit dem FC St. Gallen und dem FC Winterthur haben sich zwei Klubs, die über eine grosse Anhängerschaft verfügen, schon im Vorfeld der Generalversammlung umentschieden. Nun sind auch noch Neuchâtel Xamax und der FC Basel gefolgt. FCB-Präsident David Degen war sich wohl der Tatsache bewusst, dass es wichtig ist, die Fans auf seiner Seite zu wissen. Zum Entscheid beigetragen haben zudem auch Sicherheitsbedenken von Behörden bezüglich eines allfälligen Playoff-Finals.

Die Fans haben 57'407 Unterschriften gegen Playoffs gesammelt.

Die Fans haben 57'407 Unterschriften gegen Playoffs gesammelt.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die Fankurven haben mit ihrem positiven und gewaltfreien Protest aufgezeigt, welche Macht sie besitzen können, wenn sie sich über Farben hinweg für den Schweizer Fussball einsetzen. Es war ein Protest nach Regeln der Demokratie: Unterschriften sammeln, Banner zeigen, Argumente vortragen. Der Liga und den Klubs kann derweil vorgeworfen werden, dass sie sich vor der Abstimmung im Mai nicht bewusst waren, wie wichtig die Meinung einer ihrer wichtigsten Anspruchsgruppen ist.

Klar ist ob des äusserst knappen Ausgangs im zweiten Anlauf aber auch: Die Hälfte der Liga ist gegen den Entscheid. Insbesondere in der Westschweiz und im Tessin, wo sich sieben von acht Klubs für Playoffs ausgesprochen haben, dürfte der Entscheid für Ärger sorgen. Sie finden: Die entschiedenen Playoffs hätten endlich eine Chance verdient.Trotz des definitiven Entscheids für die kommende Saison wird die Diskussionen um den perfekten Modus in der Super League wohl schon bald wieder aufflammen. Zunächst können sich aber die Traditionalisten unter den Fussballfans freuen.