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KOMMENTAR: Ein total deplatzierter Fussballabend

Nicht einmal 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus wurde die Partie des BVB gegen Monaco nachgeholt. "Wo Ethik sowie Einkehr zur Mässigung und Ruhe auf der Strecke bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das System kollabiert", schreibt Sportredaktor Christian Brägger in seinem Kommentar.
Sie mussten am Tag nach dem Anschlag auf ihren Mannschaftscar schon wieder ran: Spieler von Borussia Dortmund. (Bild: Keystone)

Sie mussten am Tag nach dem Anschlag auf ihren Mannschaftscar schon wieder ran: Spieler von Borussia Dortmund. (Bild: Keystone)

Passiere, was wolle. Die Geldmaschine Fussball muss weiterlaufen. Und weiter. Dabei hätte es am Mittwoch nur dieses eine Zeichen gegeben: Auf das Spiel im Signal Iduna Park zu verzichten und den Fussball in Dortmund fürs Erste ruhen zu lassen. Und nicht bloss 22 Stunden nach dem Sprengstoffanschlag, einem Angriff auf Leib und Leben, das Stadion wieder zu füllen. Oft ist der Rückzug angebracht, weil nebst Umsicht auch Weitsicht mitspielt. Hätten Sie als betroffener Dortmunder Fussballprofi einen Tag später tatsächlich Champions-League-Fussball im Kopf gehabt? Und dem Ball schon wieder nachjagen wollen? Natürlich heisst es von offizieller Seite, man dürfe dem Terror nicht nachgeben, man habe so schnell wie möglich zur Tagesordnung übergehen müssen. Damit wieder Normalität einkehrt.

In diesem Fall heisst Normalität also Fussball. In diesem Fall wird Normalität von der Uefa bestimmt, dem europäischen Verband. Sie zahlt, also befiehlt sie. Wer wie die Vereine bekommt, der schweigt und folgt gehorsamst. Es heisst, eine Verschiebung der Partie gegen Monaco in die nahe Zukunft sei wegen des dicht gedrängten Terminkalenders nicht möglich gewesen. Die Zeit drängte, und Zeit ist in diesem Fall Geld. In einem Geschäft wie dem Fussball, in dem es vor allem um Gewinnmaximierung geht, müssen sich die Uefa wie die Fifa fragen, wann die Überspannung des Bogens erreicht ist. Denn wo Ethik sowie Einkehr zur Mässigung und Ruhe auf der Strecke bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das System kollabiert. Bei aller Liebe zu diesem Sport, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

Christian Brägger
christian.braegger@tagblatt.ch

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