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Dario Cologna tritt per Ende Saison zurück: Der Meister der klaren Entscheide

Dario Cologna wird ohne Zweifel eine grosse Lücke im Schweizer Langlauf hinterlassen. Dass er den Rücktritt vorzeitig und klar kommuniziert, ist typisch für den Bündner. Es ist unter anderem diese Klarheit, die ihn zum erfolgreichen Langläufer machte.

Ralf Streule
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Klare Worte, klare Ziele: Dario Cologna spricht an der Medienkonferenz in Davos.

Klare Worte, klare Ziele: Dario Cologna spricht an der Medienkonferenz in Davos.

Keystone

Dario Cologna hört auf. Ende Saison zwar erst – die Meldung musste sich am Mittwochmorgen aber dennoch zuerst einmal setzen. Natürlich, ganz überraschend war sie nicht. Und doch ist es eben schwer vorstellbar: Schweizer Langlauf ohne Dario Cologna.

Auch wenn Cologna zuletzt der Weltspitze immer mal wieder hinterherlief: Er blieb stets der Inbegriff für den Schweizer Langlauf. Und er wird es noch über Jahre bleiben. Loipen tragen den Namen des vierfachen Olympiasiegers. «Wiä dä Cologna!», ruft der Langlauflehrer, wenn die Schülerin endlich gerade auf dem Ski steht.

Seit der 35-jährige Bündner 2006 debütierte, sassen Schweizer Langlaufinteressierte vor allem seinetwegen vor den TV-Geräten. In seiner ersten Karrierehälfte beeindruckte vor allem die Lockerheit, mit welcher er die Langlaufwelt eroberte – und danach seine Fähigkeit, zurückzukehren, an sich zu arbeiten, alles für den Erfolg zu tun, auch nach Verletzungen. Und sein Ehrgeiz. In Peking will Cologna zum Abschluss eine fünfte Olympiamedaille. Punkt.

Der Entscheid, den Rücktritt bereits vor der Saison bekannt zu geben, passt zum 35-jährigen Bündner, der sich in seiner Karriere stets klare Wege vorgab. Immer versuchte er, der Routine zuvorzukommen. Er war Meister der überraschenden, aber klaren Entscheide. Zum Beispiel, als er seinen Weg ohne Vertrauensperson und Trainerin Guri Hetland ging. Oder als er auf diese Saison hin einen Skimarken-Wechsel bekannt gab.

Es sind nicht nur die Erfolge Colognas, die dem Schweizer Langlauf fehlen werden. Sondern seine Art, wie er sich weiterentwickeln wollte, sich an Trainern aufrieb und damit eben auch die Ideen und Strukturen des Schweizer Spitzenlanglaufs weiterentwickelte.

Swiss Ski hat mit Nadine Fähndrich, einem aufstrebenden Sprintteam und hoffnungsvollen Talenten weiterhin Trümpfe in der Hand. Dass diese so zuverlässig stechen wie Cologna zu seinen besten Zeiten, ist aber utopisch. Es ist nur schwer vorstellbar: Schweizer Langlauf ohne Cologna.

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