«Lügenkultur» – Klinsmann rechnet mit Ex-Verein Hertha BSC gnadenlos ab

Jürgen Klinsmann attackiert seinen Ex-Verein Hertha BSC. Dieser zieht juristische Konsequenzen in Betracht.

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(sid) Es ist wohl die härteste Generalabrechnung in der Geschichte der Fussball-Bundesliga, mit der Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC ein Beben ausgelöst hat. 15 Tage nach seinem überraschenden Rücktritt attackierte der Ex-Trainer Führung und Spieler des Klubs gnadenlos. Herthas Manager Michael Preetz bezeichnete die Vorwürfe als «perfide» und «widerlich» und schloss juristische Konsequenzen nicht aus.

«Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden», forderte Klinsmann in seinem Tagebuch, das die «Sport Bild» veröffentlicht hatte. In dem Schreiben, das angeblich für Sponsoren und Partner aufgesetzt worden war, bemängelte Klinsmann, dass es im Klub «jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen», gegeben habe.

Ex-Hertha-Trainer übt scharfe Kritik.

Ex-Hertha-Trainer übt scharfe Kritik.

Bild: Clemens Bilan/EPA (11. Februar 2020)

Klinsmann warf Preetz auch eine «Lügenkultur ohne Anspruchsdenken» vor. Mit der aktuellen Geschäftsleitung um Preetz und Finanzchef-Chef Ingo Schiller, die «unterer Durchschnitt» sei, werde der Klub nie nach Europa kommen, wetterte Klinsmann in seinem Tagebuch, das 22 A4-Seiten lang war und in Ausmass und Detailfreude einmalig ist.

Einige Spieler erhalten vernichtendes Urteil

Das Management von Ex-Bundestrainer Klinsmann bestätigte dem Sportinformationsdienst die Echtheit des Protokolls, rätselt allerdings darüber, wie es an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Klinsmann habe keine Absicht, eine Abrechnung mit Hertha zu betreiben.

Klinsmann schoss auch gegen die Spieler. Es gebe «zu viele ältere und satte Spieler, die keinerlei Power haben, um im Abstiegskampf zu bestehen». Der Ex-Coach hatte auch eine Liste mit zum Teil vernichtenden Beurteilungen zu allen Spielern erstellt. Vedad Ibisevic (35) sei ein «super Typ, leider zu alt», Dodi Lukebakio (22) gehöre in die «Rubrik Fehleinkauf von Preetz», Marko Grujic (23) erziele keinen Mehrwert, «da er sich weder für Hertha noch Liverpool zugehörig fühlt».

Klinsmann griff in einem Rundumschlag auch andere Bereiche an. Zur medizinischen Abteilung sagte er: «Sie ist ohne jegliche Dynamik, zerstritten, inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifussballs nicht gewachsen.» Es gebe eine Medienabteilung, «die nur reagiert, keine Ideen hat und den Trainerstab niemals verteidigt. Es werden keine Lösungen gesucht, keine Innovationen».

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer schrieb in einer E-Mail an die Mitglieder über das Protokoll, das «nahezu sämtliche darin enthaltenen Vorwürfe und Behauptungen nicht der Wahrheit entsprechen» und nannte die Anschuldigungen «schäbig». Preetz gab sich zwei Tage vor dem wichtigen Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf kämpferisch. «Ich halte das aus. Ich bin stabil», sagte der Manager. Ob es sich um einen Putsch-Versuch von Klinsmann handele, wusste Preetz nicht. Wenn, dann habe dieser nicht funktioniert.

Manager Preetz verteidigt Mitarbeiter

Sowohl Gegenbauer als auch Preetz zeigten sich von der Kritik an den Abteilungen extrem verärgert und bezeichneten sie als «widerlich» und «unverschämt». «Das sind alles Menschen, die 24 Stunden pro Tag für diesen Verein im Einsatz sind und sich mit ihm identifizieren», sagte Preetz. Persönlich habe Klinsmann diese Kritik während seiner zehnwöchigen Dienstzeit nie zu einem Mitarbeiter geäussert. Mehrfach kritisierte Klinsmann in seinem Protokoll den grossen Einfluss von Preetz auf die Mannschaft während seiner Dienstzeit. Der Manager habe einen Umkleidespind in der Kabine, für den Trainer gebe es nicht einmal ein eigenes Büro.