Kleine Stadt Teil einer grossen Geschichte

«Konstanz am Meer», das aktuelle «Himmelstheater» von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott, wird kommende Woche auf dem Münsterplatz uraufgeführt. Das Autorenteam war bereits vorab in eigener Sache zu erleben.

Brigitte Elsner-Heller
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Das Autorenteam: Theresia Walser und Karl-Heinz Ott. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Das Autorenteam: Theresia Walser und Karl-Heinz Ott. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

KONSTANZ. Konstanz am Meer. Am Meer? Ja, warum nicht. Theresia Walser hat auf die nicht ausbleibende Nachfrage augenzwinkernd ein Argument parat, das sich nicht einfach von der Hand weisen lässt: Es gebe hier schliesslich auch Meersburg. Und um dem despektierlichen Umgang mit den Dingen der Welt die Krone aufzusetzen, hat sie gemeinsam mit ihrem Partner und Co-Autor Karl-Heinz Ott das Meer auch gleich noch weiter nach Böhmen versetzt.

Denn dorthin träumt sich Kuntz, dorthin will er mit dem König, mit König Sigismund, gehen. «Da gibt's kein Meer, Kuntz», erwidert Hintz, sein Mitstreiter. Kuntz' unbeirrbares «Das wirst du schon noch sehen» zeugt dann genau von jener naiv-dreisten Standfestigkeit, die Hintz und Kuntz als Träger des Baldachins so nötig brauchen. Walser und Ott haben sie damit gleichzeitig zu den «Schirmherren» der Mächtigen erhoben, zu skurrilen Chronisten des Konzils.

Uraufführung Ende Juni

Eine kleine Stadt am Bodensee, die für einen Moment in die grosse Geschichte eingeht. Theresia Walser und Karl-Heinz Ott haben im Auftrag des Theaters Konstanz ein «Himmelstheater» entworfen, wie es im Untertitel heisst. Das Stück «Konstanz am Meer», das in gedruckter Form bereits bei Klöpfer und Meyer vorliegt, wird am 27. Juni anlässlich der 600-Jahr-Festivitäten als Freilichtaufführung vor der Kulisse des Münsters seine Uraufführung erleben.

Wie es Theresia Walser und Karl-Heinz Ott mit dem Stück erging und welche Eindrücke sie von der Probenarbeit mit dem Regisseur Johannes von Matuschka mitgenommen haben, war Thema beim «Konstanzer Literaturgespräch», das das Forum Allmende im Stadttheater ausrichtete. Fragen stellte Sigmund Kopitzki, Kulturredaktor beim «Südkurier» und seit langem mit dem Autorenteam auf Du und Du.

Keine Geschichtsstunde

Das Stück, das sich zwischen dem ersten Satz «Das hast du vorher auch schon gesagt» (Hintz) und dem letzten «Es ist alles gesagt» (Trinker) aufspannt, als wäre es ein ins Absurde zielender Beckett, will nicht als Geschichtsstunde zum Konstanzer Konzil verstanden werden. Vielmehr baut es auf ein Spiel im Spiel wie bei Shakespeare. Aus der Perspektive von kleinen Leuten in einem Wirtshaus wird vom Konzilsgeschehen so mancher Fetzen aufgefangen und wiedergegeben; Szenen, die sich als Schachern um die Macht oder den rechten Umgang mit der Religion darstellen, können so auch als derbes Bauerntheater auf die Bühne gebracht werden.

Das Konzil als Komödie? Theresia Walser und Karl-Heinz Ott wollen von einer strikten Gattungszuweisung nichts wissen. Lachen sei immerhin eine Form des Involviertseins, merkt Walser an, und Ott spricht davon, dass man kein «historisches Authentizitätsgeschwurbel» hätte haben wollen. Ohnehin seien die Zeiten andere gewesen. «Hinrichtungen waren Volksfeste, das Makabre war live, und es gab dabei keine moralische Erschütterung.»

Zitate aus der Theatergeschichte

Einen Spass haben sich Walser/Ott auch daraus gemacht, Zitate aus der Theatergeschichte einzuflechten. Bis das Grundgerüst des Stückes einmal stand, sind die beiden allerdings «viele Serpentinen gegangen». Der Abgabetermin war dabei nicht immer förderlich. «Als man drinsteckte, hat man es verflucht.» Anders als Pavel Kohout, der in den 1980er-Jahren mit einer Auftragsarbeit zum gleichen Thema in Konstanz beim Intendanten Ulrich Khuon scheiterte, legen Walser/Ott keine moralische Epistel vor. «Theater kann und will die Welt nicht besser machen», davon sind beide überzeugt. Dass vor einigen Jahren unter der Intendanz von Dagmar Schlingmann eine Uraufführung eines Walser-Stückes kurzfristig abgesagt wurde – vergessen wir es. Mit Regisseur Johannes von Matuschka sind beide offenbar sofort warm geworden. Dass der Regisseur die Figur des Hintz als Held des Stückes ansieht, hat die Autoren verblüfft und wohl auch bereichert. «Das war uns beiden beim Schreiben nicht klar», sagen sie.

Ob Walser/Ott sich gegen ein mögliches Scheitern gewappnet haben? Oder sich mit einem erneuten Augenzwinkern von dannen machen? Das Stück, aus dem beide Ausschnitte vorlasen, lässt tief blicken. Heisst es doch darin: «Die sehen das (Stück), auch wenn sie's nicht sehen wollen. Da kommen die gar nicht dran vorbei, weil das alles dazugehört, Hintz. Weil die gar nicht anders können als sich über so ein Stück freuen.» Na also.

Fr, 27.6., 19.00, Münsterplatz; bis Sa, 26.7. theaterkonstanz.de

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