Kleine Schritte sind sein Ding

Roman Buess ist einer der Neuzugänge des FC St. Gallen. Der 23jährige Stürmer verbrachte die Juniorenzeit beim FC Basel und peilt nun mit den Ostschweizern den nächsten Karriereschritt an. Dabei sollen ihm Tore helfen.

Christian Brägger
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Roman Buess fühlte sich in Thun gebremst: «Es war ein Hin und Her.» (Bild: Michel Canonica)

Roman Buess fühlte sich in Thun gebremst: «Es war ein Hin und Her.» (Bild: Michel Canonica)

FUSSBALL. Es ist lediglich eine Randgeschichte, die Roman Buess beim FC Basel als 18-Jähriger erlebt hat und die er sich fast nicht zu erzählen traut. Was wiederum ziemlich schade gewesen wäre, denn wahrscheinlich sagt sie weit mehr über den Neueinkauf des FC St. Gallen aus als die nachfolgenden einjährigen Engagements bei Aarau, Locarno, Wohlen und Thun.

Das war damals so: Als Junger genoss Buess die fussballerische Ausbildung beim FC Basel, in der Saison 2011/12 trainierte er mit der ersten Mannschaft des Schweizer Grossclubs – neben Grössen wie Alex Frei und Marco Streller. Diese waren vom Jungspund angetan, der wie sie im Sturm spielte. Besonders Frei, der Rekordtorschütze der Schweizer Nationalmannschaft. Er nahm Buess unter seine Fittiche, gemeinsam schoben sie immer und immer wieder Sonderschichten. Frei zeigte Buess, worauf es vor dem gegnerischen Tor ankommt, und was es heisst, beim Abschluss ruhig zu bleiben: Er brachte ihm das Toreschiessen bei. Es war eine gute Zeit für Buess, die dieser trotz des grossen Altersunterschieds mit dem Star erleben durfte. Später in der Saison wurden sie sogar gemeinsam Schweizer Meister – eine Sonderprämie gab es für Buess jedoch nicht, natürlich nicht, er hatte ja nur einmal gespielt. Und auch wenn der junge Spieler beim FC Basel eine Figur am Rande, ja vielleicht sogar eine Randnotiz blieb, zeigt die Geschichte mit Frei vor allem eins: Buess, heute 23jährig, muss ein Stürmer mit Potenzial sein.

«Erwarte mir Tore»

Dieses Potenzial blieb dank der neun Super-League-Tore für Thun in der vergangenen Saison auch dem FC St. Gallen nicht verborgen. Nicht umsonst pries Trainer Joe Zinnbauer den Neueinkauf am Dienstag vor illustrer Gästeschar als den Stürmer an, von dem er sich endlich Tore erhofft. Buess – «mein Name wird oft mit dem Buchstaben <ü> ausgesprochen, das ist falsch und nervt mich, es gibt kein <ü> » – hat sich gut eingelebt in der Ostschweiz. Er sagt: «Ich erwarte hier von mir ebenfalls Tore. Ich werde daran gemessen. Dennoch möchte ich mich nicht zu sehr unter Druck setzen.»

Und auch wenn der Spieler irgendwie ein wenig schüchtern wirkt, haben seine Worte etwas Selbstbewusstes, wenn er sagt: «Ich bin abschlussstark, zudem habe ich das Gefühl, dass ich auch das Kopfballspiel beherrsche.» In den Testspielen hat Buess bereits mehrmals getroffen, er sieht sich als Mischung zwischen klassischem Stossstürmer und kreativer Offensivkraft. Genau die Mischung also, die die Verantwortlichen des FC St. Gallen gesucht hatten. Buess sagt: «Sie liessen mich spüren, dass sie mich unbedingt wollten. Und dass sie mich weiterbringen möchten. Sie vertrauen mir.» Ein Vertrauen, das der Stürmer im vergangenen Jahr in Thun von Trainer Jeff Saibene und Sportchef Andres Gerber nicht immer empfand. Es sei dort nicht nur einfach gewesen, sagt Buess. «Ich fühlte mich gebremst – es wäre mehr möglich gewesen mit Thun. Ich zeigte meine Leistungen und spielte dennoch nicht immer. Es war ein Hin und Her.» Dabei sei doch für einen Jungen wie ihn Konstanz und Kontinuität gerade wichtig.

Der Traum von Basel

Für den in Muttenz aufgewachsenen Basler, der die KV-Lehre in der öffentlichen Verwaltung absolviert hat, soll St. Gallen keine Zwischenstation sein. Das suggeriert auch der Dreijahresvertrag, den er nach zähen, mehrmonatigen Verhandlungen unterschieben hat. «Ich war nie jemand, der einen grossen<Gump> macht. Kleine Schritte sind mein Ding. Und ich will mich hier verbessern.» Den FC Basel oder die Nationalmannschaft sieht der frühere Junioren-Internationale als Ziele, die weit weg sind. «Es kommt, wie es kommt.» Kommen wird vorerst die Freundin, die ein Studium an der Universität St. Gallen beginnt. Dieses dauert für gewöhnlich länger als drei Jahre.