Klares zwischen Bizarrem

GRINDELWALD. Einmal pro Jahr widmen sich der Wigoltinger Stein- und Holzbildhauer Gabriel Mazenauer und der Eisenplastiker Markus Graf aus Frauenfeld der vergänglichen Kunst: In Grindelwald haben sie während fünf Tagen eine Schneeskulptur geformt.

Stephanie Martina
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Fünf Tage haben Markus Graf (2. v. l.) und Gabriel Mazenauer (3. v. l.) an ihrer Schneeskulptur gearbeitet.

Fünf Tage haben Markus Graf (2. v. l.) und Gabriel Mazenauer (3. v. l.) an ihrer Schneeskulptur gearbeitet.

Wer kann schon von sich behaupten, bei der Arbeit einen ungehinderten Blick auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau zu haben? Zwei Thurgauer können das, zumindest fünf Tage im Jahr: der Wigoltinger Bildhauer Gabriel Mazenauer und der Frauenfelder Eisenplastiker Markus Graf. Hoch über der Nebeldecke, auf 2350 Metern über Meer, haben sie während des 31. World Snow Festivals eine Schneeskulptur geformt.

Mehr als Spaten und Schaufel

Seit 17 Jahren nehmen sie am Festival teil. Anfangs seien sie zu dritt gewesen: Gabriel Mazenauer, Markus Graf und Pirmin Meyer, ein befreundeter Bildhauer aus Knutwil bei Luzern. Seit ein paar Jahren nehmen die drei jeweils einen Gast mit, der nicht zwingend vom Fach sein muss. Dieses Jahr durfte der Lausanner Bildhauer Joaquim Evers das Team begleiten.

«Als wir das erste Mal nach Grindelwald fuhren, wussten wir nicht, wie man vorgehen muss, um aus Schnee eine Skulptur zu kreieren», erinnert sich Mazenauer. Mit Spaten und Schaufel seien sie damals ans Werk gegangen und hätten schnell gemerkt, dass es etwas mehr Werkzeug brauche, um voranzukommen. Inzwischen besitzen sie zwei Kisten voller Werkzeug, das sie grösstenteils selbst hergestellt oder präpariert haben.

Im Skigebiet arbeiten

Das eigentliche World Snow Festival findet im Dorfzentrum von Grindelwald statt. Auf der Natureisbahn formen Künstler aus aller Welt vergängliche Figuren und Skulpturen aus meterhohen Schneeblöcken. «An diesem Festival haben wir einmal teilgenommen; damals haben wir einen Preis gewonnen», erklärt Mazenauer. Die übrigen Male errichteten sie ihre Skulptur im Skigebiet, denn Tourismus Grindelwald sucht jedes Jahr auch Gruppen, die im Skigebiet, ausser Konkurrenz, Schneeskulpturen errichten. «Wir geniessen es, oben im Skigebiet zu arbeiten. Seit Jahren bekommen wir den wunderbaren Standort auf dem <Männlichen>, umgeben von dieser herrlichen Bergwelt», erklärt Graf.

Auf den Schneeklotz eingehen

Vor der Abreise kreierte Mazenauer ein Modell zur Orientierung. Vor Ort könne man sich jedoch nicht strikt an die Vorlage halten, sondern müsse anhand des Schneeblocks abschätzen, inwiefern das Modell umsetzbar sei. «Dieses Jahr mussten wir aufgrund der Form des Schneeblocks ein paar kleinere Änderungen vornehmen.» Seine Idee sei gewesen, inmitten dieser bizarren Bergwelt etwas Klares zu plazieren. Ausserdem sollte man durch die Skulptur hindurchsehen können, wie durch ein Fernglas, und die Jungfrau erblicken.

Fragen und Fotos

Sowohl Bildhauer Gabriel Mazenauer, der mit Stein und Holz arbeitet, als auch Eisenplastiker Markus Graf genossen es, an einer Skulptur dieser Grösse zu arbeiten und dennoch rasch vorwärtszukommen. Innerhalb von fünf Tagen war die Schneeskulptur fertig.

Markus Graf: «Dieses Jahr hatten wir Glück mit dem Wetter. Entsprechend machten auch viele interessierte Skifahrer und Wanderer halt. Die meisten wollten wissen, was das werden soll und was wir tun, wenn wir keine Schneeskulpturen bauen.»

Abends nach getaner Arbeit liess es sich das Team nicht nehmen, die Strecke des Lauberhornrennens hinunterzufahren. Unten im Dorf gönnten sie sich dann im «Jägerstübli» ein Speckbrettli und ein Glas Wein. «Am World Snow Festival geht es nicht nur darum, als Team eine Schneeskulptur zu kreieren, auch der Austausch unter den Künstlern wird gefördert», sagt Graf. Deshalb stünden jeweils auch ein Schlittel- und ein Fondueabend mit allen Teams auf dem Programm.

Vollendet: Die Skulptur steht auf 2350 Metern über Meer. (Bilder: Gabriel Mazenauer)

Vollendet: Die Skulptur steht auf 2350 Metern über Meer. (Bilder: Gabriel Mazenauer)