Klangfarbenkunst auf der Gitarre

KREUZLINGEN. In der Konzertreihe der Gesellschaft für Musik und Literatur Kreuzlingen ist der Gitarrist Andreas von Wangenheim im Refektorium der PMS aufgetreten. Von Bach bis Britten und von England bis Südamerika reichte das ausdrucksvoll interpretierte Programm.

Johannes von Granberg
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Kein passenderer Raum liesse sich für die Musik Johann Sebastian Bachs finden als das herrliche Barock-Refektorium mit seiner stimmigen Akustik. Es schien, als wollte die florale Stuckdecke, als könnten die barocken «Schildereien» eines Festmahls auf einem Gemälde hinter dem Gitarristen mit den Tanzsätzen der zweiten Suite BWV 1008 d-Moll in einen Dialog treten. Andreas von Wangenheim gab zu Beginn diese eigentlich für Violoncello komponierte Suite in einer eigenen Adaption.

Bezug zu Bachs Lauten-Fassung

Diese Suiten stehen in ihrer kunstvollen Grösse in der überschaubaren Literatur für Cello allein einmalig da. Auch als Bearbeitung für Gitarre – Bach selbst hat bereits eine Fassung der Cello-Suite BWV 1011 für Laute hergestellt – entfalten sie ihre Wirkung. Delikat gab Andreas von Wangenheim das Prélude mit seinen Arpeggien, zauberte in der fliessend eleganten Allemande duftige Klänge, gab die Courante mit tänzerischem Elan, die Sarabande verträumt, ja elegisch singend. Das Menuett I mit courtoiser Noblesse, woraus das Trio des Menuett II tändelnd einer Arabeske gleich erblühte. Zuletzt dann mit Finesse das Fugato der quirlig sich aufschwingenden Gigue.

Beliebte Form der Suite

In eine andere Klangwelt führte das für den Gitarristen André Segovia geschriebene Stück Alexandre Tansmans, eines Komponisten der klassischen Moderne. Selbst Tansman griff die Suite auf, die so beliebte Form des Barock. Nach einer harmonisch expressiven Cavatina folgt ein kurzes Preludio, dann eine Sarabande mit kurzen stockenden Akkorden, ein vollgriffiges rhythmisch impulsives Scherzo, eine sanft wiegende Bacarole und endlich eine kraftvoll impulsive Danza Pomposa. Andreas von Wangenheim überzeugte auch hier mit Ausdruck und Kantabilität.

Barockes von Benjamin Britten

Von Ligeti und afrikanischen Rhythmen inspiriert waren die zwei sehr virtuosen Etüden des 1964 geborenen Amerikaners Alan Thomas – gute Stücke mit hohem Anspruch an den Interpreten. Eine Legende schon zu elisabethanischen Lebzeiten war der Lautenist und Liederkomponist John Dowland. Seine «Fantasie in E» erklang hier in aller Klangpoesie und feinen Farbnuancen, vergleichbar einem Sonett von Shakespeare, dessen Zeitgenosse Dowland war.

In dem kunstvollen Nocturnal op. 60 Benjamin Brittens, eines Vertreters der klassischen englischen Moderne, taucht erst am Ende Dowlands Song «Come heavy sleep» auf, der von tiefem Verlangen nach Ruhe oder Todessehnsucht spricht. Abwechslungsreiche Variationen darüber hat Britten mit viel Raffinement geschrieben, und Andreas von Wangenheim setzte sie technisch gekonnt um. Sehr stimmig erblühte der Dowland-Song am Ende in einer Passacaglia. Auch dieses Werk greift also auf barocke Vorbilder zurück, denn Britten verehrte Barockmeister Henry Purcell.

Eigenkomposition als Zugabe

Wunderbar kontrastierte damit das tänzerische, am Tango angelehnte Primavera Portena des argentinischen Meisters Astor Piazzolla; leidenschaftlich, mit Schwung und fetzigen Akkorden klang das Stück aus. In diesem Fahrwasser blieb sodann eine brasilianisch inspirierte Komposition aus der Feder Andreas von Wangenheims. Leichtfüssig und beschwingt sorgte es für die Zugabe des Gitarren-Abends.

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