Keine leichte Kost

WARTH.

Katharina von Glasenapp
Drucken
Teilen

WARTH. Die Anzahl der Musikerinnen und Musiker und damit der Klangfarben und Ausdrucksmittel vergrösserte sich am Sonntag nochmals beträchtlich, als Heinz Holliger und Juliane Banse zunächst die «Lieder eines fahrenden Gesellen» brachten: keine leichte Kost am Feiertagmorgen, sondern tieftraurige Lieder eines ausgestossenen Liebeskranken. Relativ selten hört man sie von einer Frau gesungen, doch Banses Einfühlungsvermögen, ihr Mitleben sind überzeugend, ihre Stimme dazu von einer berührenden Wärme und Leuchtkraft. Zwischen Kinderliedtonfall, tragischem Abschied und wunderbarem Trost sind Mahlers Lieder angesiedelt, und wenn Arnold Schönberg Mahlers grosses Orchester auf Kammermusikensemble reduziert und den Klang dazu mit Harmonium, Schlagwerk und Klavier unterfüttert, entsteht ein besonderes Farbspektrum, das nichts vermissen lässt.

Reduziert und trotzdem reich

Ganz reduziert und doch ungeheuer reich wirkte Heinz Holligers «Rechant» für Klarinette solo, das er dem 2008 verstorbenen Klarinettisten Thomas Friedli gewidmet hatte. Aus dem Nichts kommend, lotet das Stück die Grenzen der Register und Spieltechniken aus, Überblasen und zweistimmiges Spiel eingeschlossen: Jörg Widmann, als Komponist selbst ein Schöpfer neuester Musik, ist mit höchster Konzentration ein Meister des expressiven Spiels.

Versöhnung im Zwiegesang

In Richard Strauss' spätem Duett-Concertino für Klarinette, Fagott, Streicher und Harfe schienen sich zuletzt zwei Theaterfiguren in der Remise einzufinden: Ob Märchen oder Oper, Jörg Widmann und der Fagottist Diego Chenna liessen sich vom seligen Streicherklang des altersmilden Komponisten tragen, den Holliger mit seinem Dirigat schuf: Prinzessin und polternder Bär gaben sich ein Stelldichein und versöhnten sich im schwingenden Zwiegesang. Dazu mag über der Harfe der Geist der verstorbenen Harfenistin Ursula Holliger geschwebt haben – als Pfingstgeist in der Kartause.

Aktuelle Nachrichten