Keine Angst vor grossen Namen

Gino Caviezel startet heute im WM-Riesenslalom der Männer. Die Piste und das Gelände in Schladming erinnern den 20-Jährigen an das Kuonisbergli in Adelboden. Dort war der Bündner Anfang Januar mit Rang elf bester Schweizer.

Christof Krapf/Schladming
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«Ich konnte mich an den Steilhang sowie den Schnee gewöhnen»: Gino Caviezel über seinen Einsatz im Teamwettbewerb. (Bilder: ky/Jean-Christophe Bott)

«Ich konnte mich an den Steilhang sowie den Schnee gewöhnen»: Gino Caviezel über seinen Einsatz im Teamwettbewerb. (Bilder: ky/Jean-Christophe Bott)

SKI ALPIN. Beinahe wäre Gino Caviezel nicht Skirennfahrer, sondern Fussballer geworden. Der heute 20-Jährige spielte bis zur zweiten Sekundarklasse Fussball und schaffte es gar in das Auswahlteam von Graubünden. Als 15-Jähriger entschied er sich aber für den Skisport. Im vergangenen Juni schloss er in Chur die KV-Lehre ab und setzt seitdem auf den Sport. Dankbar, dass der Bündner Skifahrer und nicht Fussballer geworden ist, waren ihm die Zuschauer im Riesenslalom von Adelboden. Caviezel verhinderte Anfang Januar am Kuonisbergli eine Schweizer Blamage und wurde auf dem schwierigsten Riesenslalom-Hang der Welt Elfter. Damit sicherte er sich das Ticket zur WM in Schladming. Der 20-Jährige hatte zwar die offiziellen Selektionskriterien von Swiss Ski nicht erfüllt, kam jedoch in den Genuss eines Jugendbonus.

Im zweiten Lauf angreifen

Gelände und Piste in Schladming erinnern Caviezel an die Verhältnisse am Kuonisbergli. Zudem sagt er: «Meine Form stimmt. Ich fühle mich sehr wohl auf den Ski.» Der Domleschger, der heute in Lenzerheide wohnt, wirkt selbstbewusst. Von grossen Namen lässt er sich nicht einschüchtern. Angesprochen auf Ted Ligety oder Marcel Hirscher sagt Caviezel: «Ich habe keine Angst. Im Gegenteil motiviert es mich, wenn ich gegen so starke Fahrer antreten kann.» Ziele für den WM-Riesenslalom heute um 10 Uhr setzt sich der Schweizer trotzdem keine. «Ich will mich für den zweiten Lauf qualifizieren und im zweiten Durchgang voll angreifen. Dann werden wir sehen, was möglich ist», so der Bündner.

Der Riesenslalom wird Caviezels zweiter Einsatz in Schladming sein. Am Dienstag unterlag er im Teamwettkampf mit der Schweiz in der ersten Runde Kanada. Der Bündner konnte das Ausscheiden nicht verhindern. Er verlor gegen Philip Brown. Weiter schlimm ist das Ausscheiden aus Caviezels Sicht nicht. «Ich konnte erstmals die Stimmung im Zielraum erleben und mich an den Steilhang sowie den Schnee gewöhnen.»

Fokus auf den Europacup

Die Chancen, dass Caviezel heute den Exploit schafft, sind zwar intakt. Dennoch gilt sein Fokus vorerst dem Europacup und der Junioren-WM. «Mein Ziel ist es, im Europacup konstant stark zu fahren, um damit auf mich aufmerksam zu machen.» Am Sonntag fliegt der Bündner ins kanadische Quebec an die Titelkämpfe der Junioren und wird dort in allen Disziplinen antreten. «Gleich an zwei Weltmeisterschaften hintereinander anzutreten, ist toll.»

Sollte er an der Junioren-WM eine Goldmedaille gewinnen, winkt ihm die Teilnahme am Weltcupfinal. «Ein Podestplatz liegt in Quebec in Reichweite. Wenn es passt, dann passt es. Wenn nicht, ist dies auch nicht weiter schlimm.» Der Weltcupfinal findet Mitte März in Lenzerheide statt. «Ich habe natürlich im Hinterkopf, dass der Final an meinem Wohnort stattfindet», so Caviezel. Zusätzlichen Druck will er sich aber keinen aufsetzen. «Eine Teilnahme wäre schön, aber ich muss nicht unbedingt dabei sein.» Irgendwann aber will Caviezel auch an Grossanlässen eine tragende Rolle spielen. «Langfristig träume ich von einem Olympiasieg und vom Gewinn des Gesamtweltcups», sagt der Bündner. Eine Zeitlimite, um diese Ziele zu erreichen, mag er sich nicht setzen. Denn der Weg ist auch für ein Talent noch lang.

Gino Caviezel (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Gino Caviezel (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Bild: CHRISTOF KRAPF/SCHLADMING

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