Kein Steckborn ohne Tanz

Aller guten Dinge sind sieben, sagt sich das Phönix-Theater und lädt erneut ein, zeitgenössischen Tanz zu erleben und zu geniessen. Die Reihe theater:now setzt noch stärker auf Vermittlung, bietet Workshops und eine Schulvorstellung.

Dieter Langhart
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Freie Plätze auch für junge Zuschauer bietet das Phönix-Theater Steckborn mit der Compagnie 7273 aus Genf – und lässt in «Nil» einen ganzen Fluss erfahren. (Bild: pd/Michel Cavalca)

Freie Plätze auch für junge Zuschauer bietet das Phönix-Theater Steckborn mit der Compagnie 7273 aus Genf – und lässt in «Nil» einen ganzen Fluss erfahren. (Bild: pd/Michel Cavalca)

STECKBORN. Daniela Schmid ist stolz: Innert dreier Wochen waren sie ausgebucht, die Workshops für Jugendliche, noch rascher als letztes Jahr. Da hatten zwei Sekundar- und eine Kantiklasse das Angebot genutzt – und hatten sich begeistern lassen von Profitänzern.

Die Frauenfelder Tanzlehrerin unterstützt als Koordinatorin der Kulturstiftung Thurgau das Phönix-Theater beim Anliegen, zeitgenössischen Tanz jungen Menschen näherzubringen, die Tanz meist mit Hip-Hop und Break- dance gleichsetzen. Sie geht in die Klassen, erzählt den Schülern, wie moderner Tanz entstanden ist; danach besuchen sie einen Workshop, damit sie die Vorstellung im Phönix-Theater vollauf geniessen können. Trotz aller Vorbereitung: «Im Bauch muss man Tanz spüren, sich darauf einlassen, was man sieht, es nicht im Kopf verstehen», sagt Daniela Schmid.

Ein Fluss, ein Tag, eine Klasse

Nach dem 18. November weiss die ganze Sekundarschule Tägerwilen, welchen Weg der grosse Fluss Nil nimmt – sie hat sich für die Schulvorstellung angemeldet, an der die Genfer Compagnie 7273 ihr Stück «Nil» zeigt.

Theater:now richtet sich aber auch an jüngere Kinder und ihre Familien. Die beiden Choreographen von 7273 haben «Danse en famille» während einer Afrikatournee ausprobiert und letzten Herbst in Genf vorgestellt; das Phönix-Theater übernimmt die Idee am 20. November. 25 Paare können sie nutzen: 25 Kinder zwischen 4 und 12 Jahren mit je einem Elternteil. Bewegung steht im Mittelpunkt dieser Eins-zu-eins-Erfahrung: sich berühren, tragen, umschlingen. Aus dem blossen Namen für einen Flusslauf auf der Landkarte entsteht eine eigene Vorstellungswelt, eine Art, sich zu bewegen, eine Möglichkeit, sich mentale Räume anzueignen. (Die Abendvorstellungen stehen jedem Alter offen.)

Grosse Namen: Saire und Jobin

Theater:now bewegt sich dieses Jahr etwas weg vom Tanztheater und setzt mehr auf Tanz und Bewegung, sagt Caroline Minjolle von der Kulturstiftung. Die ausgebildete Tänzerin hat zusammen mit Theaterleiter Philippe Wacker fast ausschliesslich Truppen aus der Romandie engagiert, die sich längst einen guten Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus geschaffen haben. Die Reihe eröffnen die Mitglieder der Cie Linga aus Pully, die früher bei Maurice Béjart in Lausanne getanzt haben und mit «Falling Grace» fast nur Tanz zeigen. Die Cie 7273 hat den Schweizer Tanz- und Choreographiepreis 2011 gewonnen und gastiert in Steckborn zwei Wochen nach der Verleihung.

Und zum Abschluss von theater:now kommt Gilles Jobin. Davor aber kehrt Philippe Saire nach Steckborn zurück, tanzt selber in «Je veux bien vous croire», dem dritten Teil seiner Trilogie über unser Verlangen nach Unterhaltung und Vergnügen. Nach einer wilden Party versuchen fünf Tänzer wieder Ordnung zu schaffen und gleichzeitig das Publikum zu unterhalten. Dass es auch den letzten Stuhl besetze, darauf hofft Philippe Wacker. «Die Sponsoren sparen, uns fehlt noch Geld.»

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