Kein Schweizer Abend

An der Athletissima in Lausanne stehen für einmal die Schweizer im Scheinwerferlicht. Die hohen Erwartungen können jedoch weder der Europameister Kariem Hussein noch die Schweizer Rekordhalterin Selina Büchel erfüllen.

Raya Badraun/Lausanne
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LEICHTATHLETIK. Bis zur achten Hürde war alles gut. Kariem Hussein hatte nach einem holprigen Start seinen Rhythmus gefunden und lief mit der starken Konkurrenz um einen Spitzenplatz mit. Nach der achten Hürde verpasste er es jedoch, den Rhythmus zu wechseln. «Dadurch verlor ich extrem an Tempo», sagte der 26jährige Thurgauer nach dem Rennen. Statt um einen Podestplatz zu laufen, fiel er zurück und wurde am Ende mit 49,44 Sekunden nur Sechster. Der Sieg über 400 m Hürden ging mit 48,71 Sekunden an den Amerikaner Bershawn Jackson. Mit den Leistungen im vergangenen Jahr, als Hussein in Marrakesch 48,47 lief, hätte er auch dieses Mal gut mithalten können. Doch diese Saison hatte der Medizinstudent bereits öfter Mühe, seinen Rhythmus zu finden. «Ich weiss nicht, woran es liegt», sagt Hussein. «Ich habe in den vergangenen Wochen gut trainiert, und auch das Selbstvertrauen war da.» Bis zur WM Ende August hat er nun noch Zeit, um an seinem Rhythmus zu arbeiten.

Büchel verpasst Ziel trotz Sieg

Selina Büchel wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann das 800-m-Rennen, das nicht zum Diamond-League-Race gehört. Ganz zufrieden war sie nach ihrem Auftritt aber auch nicht. Ihr Ziel war nicht nur der Sieg, sondern auch erneut unter zwei Minuten zu laufen. Mit 2:01,68 Minuten verpasste sie dieses jedoch deutlich. Daran lag auch ihr starker Auftritt am vergangenen Wochenende, wo sie mit 1:57,95 Minuten einen Schweizer Rekord aufstellte. «Es war schwierig, nach Paris den Fokus auf diesen Wettkampf zu legen», sagte Büchel. «Einen Auftritt im Stade de France steckt man ja nicht einfach weg.» So fehlte ihr zu Beginn des Rennens in Lausanne die Konzentration und das Tempo. Dieses zogen auch ihre Gegnerinnen, die alle schlechtere Saisonbestleistungen aufweisen, nicht an. Wegen des starken Winds hielt sich Büchel lange in der Mitte des Feldes auf. «Sonst hätte ich wahrscheinlich früher angegriffen», sagte sie. Erst auf den letzten 100 Metern legte die Toggenburgerin zu und setzte sich mit einer starken Leistung an die Spitze des Feldes. Ihre Tempoerhöhung kam jedoch zu spät. So beendete sie das Rennen mit ihrer schwächsten Zeit in diesem Sommer. Bereits am Dienstag bietet sich Büchel in Luzern die nächste Gelegenheit, unter zwei Minuten zu laufen.

Kambundji meldet sich zurück

Auch Mujinga Kambundji zeigte über 200 m nicht ihre beste Leistung. Mit 23,27 Sekunden belegte sie den achten und letzten Rang und verpasste ihre Saisonbestzeit um sieben Hundertstel. Das starke Feld wurde von der Amerikanerin Allyson Felix dominiert, die das Rennen mit 22,09 Sekunden gewann. Zu Beginn des Laufs konnte Kambundji mit der starken Konkurrenz noch mithalten. Gegen Ende liess jedoch ihre Kraft nach. «Ich weiss wirklich nicht warum», sagte die 23-Jährige nach dem Lauf. «Das muss ich zuerst mit meinem Trainer anschauen.» Einen Monat lang hatte sie wegen Schmerzen im Rücken und im Bereich der linken Hüfte pausiert. Lausanne war nun der erste Auftritt seit der Pause. Schmerzen habe sie keine mehr, versicherte sie. Kurz nach ihrem Auftritt über 200 m startete Kambundji mit der 4×100-m-Staffel. Diese zeigte einen versöhnlichen Schlusspunkt. Mit 43,73 Sekunden gewannen Kambundji, Lea Sprunger, Marisa Lavanchy und Fanette Humair das Rennen – und brachten die Zuschauer endlich wieder zum Strahlen.

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