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«Kein Ort ist schöner als der Sarnersee»

Weltmeisterin Jeannine Gmelin macht dort weiter, wo sie im letzten Jahr aufgehört – sie siegt. In ihrer Wahlheimat Sarnen spricht die 27-jährige Zürcherin über ihre Saisonziele und freut sich über ein Highlight ausserhalb des Wassers.
Stephan Santschi
Hier gefällt’s ihr: Weltmeisterin Jeannine Gmelin. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. Juni 2018))

Hier gefällt’s ihr: Weltmeisterin Jeannine Gmelin. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. Juni 2018))

Normalerweise holt sie sich die grossen Emotionen ja in einem See, die Einer-Ruderin Jeannine Gmelin. Am vorletzten Montag brauchte sie aber kein Boot und kein Wasser, um über das ganze Gesicht zu strahlen. Der Grund: Im Sarner Seefeld erhielt sie einen schwarzen BMW X2 ausgehändigt. «Rowing World Champion 2017» heisst es darauf, garniert mit ihrer Unterschrift in goldenen Lettern. «Mein erstes Auto, es gefällt mir sehr gut. Im Mai habe ich meinen Führerschein gemacht», erzählt die bald 28-jährige Zürcherin. Ist der fahrbare Untersatz etwa die Belohnung eines Sponsors für den perfekten Saisonstart? Just am Tag davor hat sie in Belgrad nämlich das erste Weltcup-Rennen der Saison gewonnen. Gmelin lächelt und verneint. Als Gegenleistung wird sie für die BMW-Niederlassung Zürich-Dielsdorf an Kundenanlässen auftreten oder Ruderkurse durchführen.

Der Bedarf nach einem Auto sei in letzter Zeit grösser geworden, erklärt Gmelin. Lebte sie früher in der Stadt Zürich und war Besitzerin eines SBB-Generalabonnements, ist sie mittlerweile seit vier Jahren im ländlichen Sarnen zu Hause – zunächst im Ruderzentrum und nun seit über einem Jahr in einer eigenen Wohnung. «Immer wenn ich aus dem Ausland zurückkomme, wird mir bewusst, dass es auf der ganzen Welt keinen schöneren Ort zum Trainieren gibt als den Sarnersee. Das Panorama ist einzigartig», schwärmt sie. In Uster am Greifensee aufgewachsen, sei sie schon immer ein sehr naturverbundener Mensch gewesen.

Gmelin geht an die «Grenze des Erträglichen»

Einzigartig für den Schweizer Rudersport war auch ihre letzte Saison – 2017 gewann Gmelin jeden Wettkampf, an dem sie teilnahm. Höhepunkt war der Weltmeistertitel in Florida, erstmals überhaupt gewann eine Schweizerin WM-Gold in einer olympischen Bootsklasse. Innerhalb von wenigen Monaten wurde sie von der Medaillenkandidatin zur Person, die es im Skiff zu schlagen gilt. «Die Situation ist neu. Ich würde nicht sagen, dass ich sie nicht mag.» Damit spricht sie nicht nur die sportliche Herausforderung, sondern auch ihre Vorbildfunktion an. «Es fällt mir nun einfacher, meine Messages zu senden.»

Zum Beispiel? «Dass man nicht zu klein für ein grosses Ziel ist.» Mit 1,70 Meter misst sie deutlich weniger als ihre Konkurrenz in der offenen Kategorie. Nicht wenige rieten ihr in der Vergangenheit zum Abnehmen und zum Wechsel zu den Leichtgewichten. Gmelin hatte aber keine Lust auf eine Hungerkur und belehrte ihre Kritiker eines Besseren.

Trotz WM-Titel bleibt Sponsorensuche schwierig

Der eiserne Wille basiert auf ihrer Liebe fürs Rudern. Auf ihrer Website umschreibt sie es so: «2000 Meter, knapp siebeneinhalb Minuten. 250 Schläge voller Konzentration und Power, die mich an die Grenze des Erträglichen bringen.» Oder: «Dann das erlösende Zielhorn. Im ersten Moment gelähmt vor Schmerz, brauche ich ein paar Minuten bis ich einigermassen bei Sinnen bin und mich überhaupt bewegen kann.» Auch wenn es sich anders anhört, Jeannine Gmelin versichert: «Für mich bedeutet Rudern weder Leiden noch Verzichten. Ich ordne einfach alles meiner grossen Leidenschaft unter. In der Schweiz stehen einem alle Türen offen – dieses Privileg nutze ich aus.» Sie höre oft, dass es schön sei, ihr auf dem See zuzuschauen. «Die Leute spüren, dass ich etwas gefunden, das mir Freude macht.»

In finanzieller Hinsicht habe ihr der sportliche Aufstieg kaum etwas gebracht. «Es ist für mich weiterhin schwierig, Sponsoren zu finden.» Ohne die 50-Prozent-Anstellung bei der Armee, die sich inhaltlich auf eine repräsentative Funktion beschränkt, und ohne die Unterstützung der Sporthilfe könnte sie nicht als Profisportlerin leben. «Auch als Mensch habe ich mich nicht verändert. Ich bin weiterhin eine ehrliche Person, die hart arbeitet.»

Und harte Arbeit wird weiterhin nötig sein, um ihr überragendes Jahr 2017 zu bestätigen. Gmelin will sich mit dem Fernziel Olympische Spiele 2020 in Tokio an der Weltspitze etablieren. «Mein wöchentlicher Aufwand von 30 Stunden werde ich quantitativ kaum mehr steigern können.» Qualitatives Verbesserungspotenzial gebe es aber durchaus, auch was die Ernährung und die Regeneration betreffe: «Ich tendiere dazu, eher zu viel zu machen. Ich möchte besser auf meinen Körper hören», sagt Gmelin, die letztes Jahr in Folge einer Rippenverletzung die EM und eine Weltcupregatta verpasst hatte.

In Belgrad, beim ersten Weltcuprennen der neuen Saison, hat sie ihre Serie der Ungeschlagenheit wie eingangs erwähnt fortsetzen können – exakt acht Monate nach dem Gewinn des Weltmeistertitels. Die weiteren Highlights folgen nun im Monatsrhythmus: In Linz (Juni) und Luzern (Juli) plant sie weitere Weltcupeinsätze, im August steht die EM in Glasgow und im September die WM in Plovdiv auf dem Programm. «Die letzte Saison zu toppen, ist unmöglich. Ich werde aber alles geben, und wenn dann die Titelverteidigung an der WM herausschaut, umso besser.» Noch angriffiger äussert sie sich zum Wettkampf auf dem Rotsee. «Mein Heimrennen möchte ich unbedingt gewinnen. Ich rudere seit 15 Jahren und werde bald zum 14. Mal nach Luzern kommen.» Jedoch erstmals im eigenen Auto, bleibt anzufügen.

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