Katholische Super League?

Karfreitag! Der fromme Protestant hat sich gestern herausgeputzt. Für ihn gibt es keinen wichtigeren Tag im kirchlichen Jahreszyklus. Die Katholiken hingegen feiern erst morgen, am Ostersonntag, ihren religiösen Jahreshöhepunkt.

Ralf Streule
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Karfreitag! Der fromme Protestant hat sich gestern herausgeputzt. Für ihn gibt es keinen wichtigeren Tag im kirchlichen Jahreszyklus. Die Katholiken hingegen feiern erst morgen, am Ostersonntag, ihren religiösen Jahreshöhepunkt. Solche Feiertags-Fragen sollen in früheren Zeiten zu regelrechten Kleinkriegen zwischen den Konfessionen geführt haben. Geschichten sind überliefert von katholischen Bauern, die an Karfreitag – in böser Absicht gegenüber dem reformierten Nachbarn – ihre Felder bschütteten. Und von reformierten Bauern, die im Gegenzug dasselbe am katholischen Auffahrtstag taten.

Diese Zeiten sind vorbei. Dennoch dürfte der eingefleischte Protestant gestern leer geschluckt haben. Hat die Liga wirklich am hochheiligen Karfreitag zwei Super-League-Spiele angesetzt? Haarsträubender als eine Fussball-WM vor Weihnachten, dürfte sich der Reformierte denken.

Spiele an zwei Orten möglich

Für die Ansetzung der Spiele hat die Liga eine sehr weltliche Erklärung. Weil kommende Woche die Cup-Halbfinals anstehen, und Basel unter Umständen noch in der Champions League hätte mittun können, habe man die Spiele bewusst nicht auf Ostermontag gelegt. Sondern auf Karfreitag, damit sich allfällig betroffene Spieler erholen können, sagt Super-League-Manager Edmond Isoz.

Was simpel tönt, war planerisch alles andere als einfach. Denn nur an zwei Orten, in denen Super-League-Clubs beheimatet sind, seien Spiele an Karfreitag möglich: Im katholischen Liechtenstein und im katholischen Wallis. Dort gehört der Karfreitag nicht zu den gesetzlichen Feiertagen. Kein Zufall also, dass die gestrigen Partien Vaduz – Young Boys und Sion – Grasshoppers hiessen.

Sonntagsspiel bleibt Tabu

Laut Isoz sind Karfreitag-Spiele keine Premiere: «Vor sieben, acht Jahren war das schon einmal der Fall.» Viele Fussballer würden im übrigen den Karfreitag als Spieltag dem Ostermontag vorziehen, sagt er.

Interessant ist, dass der Ostersonntag in der Schweiz als Nicht-Spieltag unangetastet bleibt – anders als in England, Deutschland oder sogar im katholischen Spanien. Warum also nicht einmal ein Ostersonntag-Spiel, wenigstens im zwinglianischen Zürich? Denkt die Liga am Ende katholisch? Wohl nicht. Dagegen spricht, dass am Auffahrtstag auch hierzulande längst Fussball gespielt wird. Insofern steht es zwischen Protestanten und Katholiken 1:1. Wie damals, bei den bschüttenden Bauern.

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