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Was das Spiel gegen die Schweiz für Katar im Hinblick auf die WM 2022 bedeutet

Katar versucht alles, um an der Heim-Weltmeisterschaft 2022 eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen – das ist aber gar nicht so einfach. Am Mittwoch (19.00) tritt das Team aus dem Wüstenstaat gegen die Schweiz an.
Raphael Gutzwiller, Lugano
Das katarische Nationalteam im Training im Tessin. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone (Lugano, 13. November 2018))

Das katarische Nationalteam im Training im Tessin. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone (Lugano, 13. November 2018))

Wenn am Mittwoch die Schweiz auf das Nationalteam Katars trifft, stehen auf der Gegenseite nur Spieler auf dem Platz, die tatsächlich einen katarischen Hintergrund haben. Was angesichts eines Länderspiels logisch erscheint, entspricht alles andere als dem Wunsch des katarischen Verbandes. Denn er möchte seit Jahren Spieler mit anderen Nationalitäten für die Auswahl gewinnen. Durch einen Transfermarkt bei den Nationalmannschaften wollen sie im internationalen Fussball eine reelle Chance haben. Im kleinen, reichen Wüstenstaat leben nur 300'000 Einheimische, dies entspricht den Kantonen Schwyz, Uri und Zug zusammen.

Nicht erst seit der Vergabe der WM 2022 nach Katar sind Bestrebungen in diese Richtung im Gange. Schon 2004 hat Katar mit Ailton (ehemals Werder, Schalke, Hamburg und GC) und Dedé (Dortmund) zwei Brasilianer mit viel Geld überzeugt, für ihre Nationalmannschaft zu spielen. Die Fifa grätschte jedoch dazwischen: Sie entschied, dass kein Profi, der ohne Bezug zu einem Land dessen Staatsbürgerschaft annimmt, die Spielberechtigung erhält. Und die Fifa blieb kürzlich hart. Der Verband von Kap Verde reichte vor einem Jahr mit Unterstützung Katars einen Antrag ein, wonach Nationalspieler den Verband wechseln können, obwohl sie schon für ein anderes Land gespielt hatten. Auch dieser Antrag wurde abgeschmettert.

Geld fliesst nun in Nachwuchsarbeit

Somit wird aus dem Plan des reichsten Landes der Welt nichts, sich ein taugliches Team für die Weltmeisterschaft 2022 zusammenzukaufen. Die Strategie, die im Handball so gut funktionierte, geht diesmal nicht auf. An der Heim-WM 2015 landeten die Handballer von Katar auf dem zweiten Rang. Im Team: Spanier, Bosnier, Montenegriner, Franzosen und nur vier Einheimische.

Das viele Geld wird nun auf andere Wege in das Team von 2022 gesteckt. Statt fertige Spieler zu kaufen, will man sie ausbilden. Der Plan Katars ist eng mit der Aspire Academy verknüpft. Katar besitzt in Doha das wohl modernste Trainingsgelände der Welt. Zudem hat Aspire im Senegal einen Stützpunkt für afrikanische Talente und in Belgien mit dem KAS Eupen sogar einen eigenen Profiverein. Im tatsächlich deutschsprachigen Teil Belgiens sollen die katarischen Talente Profi-Praxis sammeln. Doch spätestens seit dem Aufstieg Eupens 2016 in die höchste Liga Belgiens haben die Katarer den Anschluss verpasst. Sind vor dem Aufstieg noch drei Spieler aus dem Wüstenstaat regelmässig zum Einsatz gekommen, zählt nun zum Profikader kein Einziger mehr. Die afrikanischen Talente der senegalesischen Aspire-Filiale haben ihnen den Rang abgelaufen.

Auch sonst läuft es den katarischen Nationalspielern nicht nach Wunsch. Zwar gehört Flügelspieler Akram Afif (21) dem spanischen Klub Villareal, er ist aber in die Heimat ausgeliehen. Ausser Japan-Legionär Ahmad Yasser (24) spielen alle in der heimischen Liga, wo man zwar fürstlich entlöhnt wird, das sportliche Niveau aber bescheiden ist.

SFV rechtfertigt sich für Testspiel

Wenn man sich mit den Plänen rund um das Nationalteam Katars beschäftigt, geht es immer auch um Politik. Es geht um Menschenrechtsverletzungen im Stadionbau, um Unterstützung von Terroristen, um einen Konflikt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und um Werbung für ein Land, das weltweit einen schlechten Ruf hat. Die Nationalteams, ob im Fussball oder im Handball, sollen positiv auf Katar aufmerksam machen. Auch darum befindet sich das Nationalteam auf einer Europa-Tournee. Am Mittwoch spielt Katar in Lugano gegen die Schweiz, am Montag in Belgien als Heimteam im Stadion von Eupen gegen Island.

Proteste wie 2015 in Schottland sind nicht zu erwarten. Und doch gibt SFV-Mediensprecher Marco von Ah zu, dass es politische Argumente gegen ein Testspiel mit Katar gibt. Aber: «Wir haben die entsprechende Auslegeordnung gemacht und am Ende entschieden, dass wir dieses Spiel machen.» So sei das Team von Vladimir Petkovic derzeit in einer Testphase, Katar ein interessanter Gegner. Zudem bezahle Katar den Grossteil der Reise- und Unterkunftskosten selber. Der Hauptgrund ist aber, dass der SFV am Mittwoch gemäss einer Vereinbarung mit der Nations League ein internationales Testspiel abhalten muss. «Geplant war, wie im September gegen England, gegen ein europäisches Team zu spielen, doch die waren entweder ausgebucht oder vielleicht nicht interessiert», sagt von Ah. Und dann gibt es da noch einen besonderen Deal: Irgendwann vor der WM 2022 soll ein Rückspiel stattfinden. «Das gibt uns die Möglichkeit, die Bedingungen vor Ort zu sondieren.»

Zurück zum katarischen Team. Dieses hat noch vier Jahre Zeit bis zur Weihnachts-WM in Katar, wo man für Überraschungen sorgen will. «Wir haben ein junges Team und wachsen gemeinsam», sagt Nationaltrainer Félix Sánchez. «Solche Spiele wie gegen die Schweiz ermöglichen uns, das Niveau zu erreichen, dass wir 2022 brauchen.» Zunächst konzentrieren sich die Katarer auf die Asien-Meisterschaft im Januar und die Südamerika-Meisterschaft im Sommer, wo man als Gast dabei ist. Auch dies im Hinblick auf die WM 2022.

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