KARRIEREENDE: Bode Miller verabschiedet sich

Der 40-jährige Amerikaner tritt zweieinhalb Jahre nach seinem letzten Rennen endgültig vom Spitzensport zurück. Damit verliert der Skizirkus eine seiner schillerndsten Figuren.

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Der Amerikaner Bode Miller gewann in seiner Karriere zweimal den Gesamtweltcup und war Olympiasieger. (Bild: Enrico Schiavi/AP)

Der Amerikaner Bode Miller gewann in seiner Karriere zweimal den Gesamtweltcup und war Olympiasieger. (Bild: Enrico Schiavi/AP)

Der Entscheid überrascht nicht gross, zumal Bode Miller als Skirennfahrer längst von der Bildfläche verschwunden ist. Im Weltcup war er letztmals vor dreieinhalb Jahren angetreten – Mitte März 2014 beim Final in Lenzerheide schied er im Slalom aus. Ein knappes Jahr später kehrte er an der WM in Beaver Creek noch einmal auf die Rennpiste zurück – ohne zuvor in jenem Winter einen Ernstkampf bestritten zu haben. Die sportliche Derniere endete schmerzhaft und mit einer Verletzung. Miller stürzte im Super-G und zog sich am rechten Unterschenkel eine tiefe Fleischwunde zu. Eine genauere Untersuchung förderte eine durchtrennte Muskelsehne zutage.

Spekulationen über den Rücktritt Millers hatte es zuvor schon gegeben, das bittere Ende vor heimischem Publikum befeuerte die Mutmassungen zusätzlich. Miller selber stellte damals den Abschied als Skirennfahrer in den Raum – auch deshalb, weil er sich mit seinem damaligen Ausrüster Head überworfen hatte. «Ich gehöre nicht zu den Leuten, die einen grossen Abgang oder eine Parade brauchen. Ich werde einfach nicht mehr da sein», sagte er damals.

Vier WM-Titel in vier Disziplinen

Miller wählte nun in der Tat den Abgang durch die Hintertür. Seinen Rücktritt verkündete er im Zuge eines in den sozialen Netzwerken verbreiteten Gesprächs. Den Entschluss habe er vor Monaten gefasst. Für den Familienvater hat das Private längst Vorrang. «Wenn ich an meine vier Kinder und mein aktuelles Leben denke, fühle ich keinerlei Motivation.» Bedauern stellt er ohnehin nicht fest bei sich. «Ich hatte eine so lange Karriere. Ich denke nicht, dass ich etwas vermissen werde.»

Miller zieht nicht nur nach einer langen, sondern auch einer höchst erfolgreichen Karriere den Schlussstrich. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Im Weltcup entschied er 2005 und 2008 die Gesamtwertung für sich. Insgesamt feierte er 33 Rennsiege. Er gehört zum erlesenen Zirkel jener Fahrer, die in allen fünf Disziplinen gewonnen haben. 2010 wurde Miller Olympiasieger in der Super-Kombination, zudem holte er fünf weitere Olympiamedaillen. Zu seinem Palmares gehören auch vier WM-Titel in vier Disziplinen.

Miller geht nicht nur als exzellenter Skifahrer in die Annalen ein. Er, der in einem Holzhaus ohne Wasser- und Stromanschluss im Wald am Rande der Zivilisation aufwuchs, war auch Querdenker und Freigeist. Der Amerikaner schreckte nicht davor zurück, seine Meinung gradlinig kundzutun: Damals etwa, als er für die Freigabe von Dopingsubstanzen plädierte oder sich mit den Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes anlegte, wenn er mit Veränderungen im Reglement nicht einverstanden war. «Natürlich habe ich viele Fehler und stupide Dinge gemacht. Gesamthaft betrachtet habe ich aber alles so gemacht, wie ich es wollte.» Das sei wohl seine grösste Leistung gewesen. (sda)