Karanovics schönstes Geschenk

Zum ersten Mal in dieser Rückrunde feiert der FC St. Gallen zwei Siege in Folge. Dank des 2:1 beim FC Zürich haben sich die Ostschweizer acht Spiele vor Meisterschaftsende im Kampf um die Europa-League-Plätze zurückgemeldet.

Patricia Loher/Zürich
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FUSSBALL. Am Tag vor seinem 136. Geburtstag hat sich der FC St. Gallen in die Meisterschaft zurückgekämpft. Zum Auftakt des letzten Saisonviertels gewann er beim FC Zürich mit 2:1, zu verdanken hatten die Ostschweizer diesen Erfolg vor allem ihrem Joker: Goran Karanovic traf nach seiner Einwechslung zweimal. In der 73. Minute erzielte der 27-Jährige das 1:1, kurz vor dem Abpfiff das 2:1. «Natürlich war bei diesem Erfolg auch ein bisschen Glück dabei», sagte er hinterher. Doch für Glück werden in der Tabelle keine Punkte abgezogen. Und so zählte an diesem Abend nur, dass sich die in dieser Rückrunde lange kriselnden St. Galler in den Kampf um einen Platz in der Europa League zurückgemeldet haben.

Noch zum Auftakt der Rückrunde, nach dem 1:4 zu Hause gegen den FC Zürich, schien der Gegner meilenweit entfernt, nun aber haben sie ihn eingeholt und zugleich noch tiefer in die Krise gestossen. Die Ostschweizer müssen nun in den nächsten Spielen aufzeigen, dass sie sich tatsächlich gefangen haben: Am nächsten Sonntag empfangen sie Vaduz, am folgenden Donnerstag gastieren sie in Luzern, ehe sie drei Tage später in der AFG Arena auf den FC Sion treffen.

«Der Mann der Stunde»

St. Gallen stellte im Letzigrund nicht die bessere Mannschaft, spielerisch war die Leistung sogar bescheiden. Nur waren die Gäste beeindruckend effizient: Aus vier Torabschlüssen resultierten zwei Treffer. Dabei erarbeitete sich Karanovic eine Traumbilanz: In Zürich gelangen ihm in 19 Minuten Einsatzzeit zwei Tore, eine Woche zuvor gegen die Young Boys war er bloss zehn Sekunden auf dem Platz, ehe er kurz vor Spielende das 3:1 erzielte. Drei Tore in 19 Minuten und etwas mehr als 10 Sekunden: Von solch einer Statistik träumt jeder Stürmer. «Karanovic ist der Mann der Stunde», sagte Trainer Jeff Saibene. Der 27jährige Aargauer, der schon beim 1:1 im Herbst auswärts gegen den FC Zürich getroffen hatte, gab erst vor einer Woche nach einer zweimonatigen Pause sein Comeback. Doch Karanovic hat nicht nur wegen seiner Verletzung eine schwierige Zeit hinter sich: Der in der vergangenen Saison beste St. Galler Torschütze gehörte in dieser Meisterschaft nur noch selten der Startformation an. An Dzengis Cavusevic, Albert Bunjaku oder Daniel Sikorski kam er kaum einmal vorbei. Auf die Frage, ob seine nun hervorragende Ausbeute eine Genugtuung sei, antwortete Karanovic: «Ich hege keine Rachegefühle.» Der Vertrag des Stürmers, der im Sommer 2013 von Servette in die Ostschweiz gewechselt hatte, läuft Ende dieser Saison aus, enthält aber eine Option: Erreicht er die festgeschriebene Einsatzzeit, verlängert sich der Kontrakt. Im Moment dürfte Karanovic auf gutem Weg sein, die Vorgabe zu erfüllen.

Umstrittenes Tor ohne Folgen

Dank seiner zwei Treffer blieb das umstrittene Tor des Zürchers Franck Etoundi nach gut einer halben Stunde bloss eine Randnotiz. Der frühere St. Galler hatte vor seinem Treffer einen Schuh verloren, St. Gallen legte beim vierten Offiziellen Protest ein. Für die Ostschweizer war es ein regeltechnischer Verstoss, den Schiedsrichter Sébastien Pache nicht geahndet hatte. Nach dem Spiel zogen die St. Galler den Protest, der wohl kaum Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, zurück.

Allerdings hätte die Partie schon vor dem Tor Etoundis unterbrochen werden müssen. Der Zürcher hatte St. Gallens Everton am Kopf getroffen. Der Brasilianer lag benommen am Boden, als Etoundi traf. «Wir waren ein bisschen verwirrt», sagte St. Gallens Daniele Russo. Everton rappelte sich schliesslich aber auf – so, wie in der Folge die ganze Mannschaft.