KANTERSIEG: Es läuft – St. Gallen gegen Thun wie eine Spitzenmannschaft

Der FC St. Gallen ist in Form und schickt den FC Thun 3:0 nach Hause. Dabei spielt ihm in die Karten, dass die Berner Oberländer nach Roy Gelmis Notbremse fast 75 Minuten lang in Unterzahl agieren müssen.

Christian Brägger
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Roman Buess trifft herrlich zum 3:0 und lässt sich von seinen Teamkollegen feiern. (Bild: Benjamin Manser/KEY)

Roman Buess trifft herrlich zum 3:0 und lässt sich von seinen Teamkollegen feiern. (Bild: Benjamin Manser/KEY)

Christian Brägger

Das erste Saisonviertel ist ab­solviert, der FC St. Gallen mit 15 Punkten – Zweiter. Vor Basel, vor Zürich, vor Rekordmeister GC, einzig hinter YB. Nächsten Sonntag kommt es damit zum absoluten Spitzenkampf, der Leader gegen den Besten der Verfolger. Wer hätte das gedacht. «Eine schöne Momentaufnahme ist das», sagte Stjepan Kukuruzovic nach dem 3:0 gegen Thun, «für den zweiten Platz nach neun Runden hätten wir zu Saisonbeginn unterschrieben». Letztmals war ein solcher Höhenflug – nennen wir ihn ruhig so – vor genau fünf Jahren passiert; jenen goldenen Herbst hat vom aktuellen Kader einzig Goalie Daniel Lopar erlebt. Auch wenn die Erfahrung also nicht gross ist, dort oben zu stehen, scheinen dem FC St. Gallen die Höhen der Tabelle gut zu bekommen – das 3:0 gegen die Berner Oberländer spricht diese Sprache. Es ist eine Sprache, die davon erzählt, dass er einen Lauf hat. Ihm die Dinge einfach zufallen, zumindest macht dies den Anschein. Nur: Er investiert heute dafür auch genug.

Der Knackpunkt: Gelmis rote Karte und das 1:0

Die rote Karte gegen den Thuner Roy Gelmi ist bestes Beispiel dafür, dass es läuft; und dafür, dass man sich die Dinge erarbeitet. Als letzter Mann rannte der ehemalige St. Galler ungewollt in den Schuhabsatz des heranstürmenden Roman Buess, dem Albian Ajeti den Ball ideal in den Lauf gespielt hatte. Damit war nach nur 17 Minuten ausgerechnet Gelmis erstes Gastspiel im Kybunpark vor 12 000 Zuschauern beendet. «Für mich war es ein falscher Entscheid, aber ich habe die Szene noch nicht im TV gesehen», sagte der 22-Jährige später. Falsch war der Entscheid wohl nicht, hart trifft es eher. Den anschliessenden Freistoss trat Kukuruzovic für Thuns Goalie Francesco Ruberto zu scharf, Karim Haggui köpfelte den Abpraller an die Latte, Ajeti war zur Stelle – 1:0. Bis dahin hatte Thun gut mitgehalten, vielleicht sogar mehr vom Spiel. Doch jetzt war der Gast doppelt bestraft, in Unterzahl und Rücklage verlor er kurzzeitig die Orientierung. Mit dem 2:0 kurz nach der Pause durch den eingewechselten Yannis Tafer schien die Gegenwehr der Gäste dann endgültig gebrochen; der Treffer war dem schönsten Angriff des Heimteams entsprungen, Tafer versenkte die Rückgabe von Nicolas Lüchinger trocken und unhaltbar.

Nun setzte die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini nach, Buess’ Schlenzer in die hohe Torecke zum 3:0 lediglich zehn Minuten nach der Zweitoreführung war schlicht atemberaubend. Wer nun aber glaubte, Zeuge einer Ostschweizer Gala zu werden, sah sich getäuscht. Vielmehr waren es die Thuner, die noch wenige Mal für halbe Gefahr vor Lopar sorgten. Der St. Galler Goalie sagte, dass seine Mitspieler wohl selbst nicht so recht gewusst hätten, was man in der letzten halben Stunde noch erreichen wollte. «3:0 führen wir ja nicht gerade häufig.»

Klönen auf hohem Niveau

Doch mehr war gestern auch gar nicht nötig. Und so wäre es ein Klönen auf hohem Niveau, wenn man darin das Haar in der Suppe sucht, wie St. Gallen das Spiel beendete. «Gegen Schluss der Partie sind wir zu langatmig geworden, wir hätten das Spiel brutaler zu Ende führen müssen», sagte Contini. Vielleicht sagte er deshalb auch noch dies: «Wir sind noch kein Spitzenteam. Wir ernten nun einfach das, was wir in den vergangenen Monaten gesät haben.» Für die Ernte gegen Thun hatte der Zürcher dieselbe Formation wie gegen Basel aufgestellt – mit Kampf hatte es sich geholt, was es derzeit verdient.