KANTERSIEG: Basel demütigt Benfica

Der FC Basel deklassiert Benfica Lissabon im ersten Champions-League-Heimspiel dieser Saison 5:0. Dimitri Oberlin überragt alle: zwei Tore, zwei Assists, umjubelter Matchwinner.

Sven Schoch (sda)
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Dimitri Oberlin erzielt in der 20. Minute das 2:0 für den Basel. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Dimitri Oberlin erzielt in der 20. Minute das 2:0 für den Basel. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Sven Schoch (SDA)

Elf Spiele in Serie hatte der FC Basel in der wichtigsten europäischen Club-Kategorie nicht mehr gewonnen und zuletzt regelrecht stagniert. Rund drei Jahre nach dem letzten Erfolg gegen Ludogorez kam die Rückmeldung der Basler: mit brachialer Wucht, mit einem Triumph, der keine Fragen mehr offen lässt. Nach der Demütigung des letztjährigen Achtelfinalisten rückte der Basel auf Position zwei vor und erspielte sich vor der Oktober-Doublette gegen ZSKA Moskau (1:4 gegen Manchester United) eine verlockende Ausgangslage.

Mit einer weiteren internationalen Empfehlung von Haris Seferovic hatten die Experten gerechnet, stattdessen spielte eine 20-jährige Schweizer Stürmerhoffnung an ihrem Geburtstag die Rolle des imposanten Entertainers: Dimitri Oberlin, am Rheinknie zunächst nur ein Joker ohne Einfluss und jetzt mit vier Skorerpunkten der Hauptdarsteller eines grandiosen FCB-Comebacks im europäischen Elite-Wettbewerb.

Oberlin an vier Treffern beteiligt

Im unerbittlichen Sog von Oberlin, der das 1:0 Langs perfekt vorbereitet hatte, das 2:0 in der 20. Minute schoss, den Foulpenalty zum 3:0 provozierte und in der 69. Minute nach einem nächsten mitreissenden Solo auf 4:0 erhöhte, stürmte der Schweizer Champion zu einer Gala, die im Vorfeld in dieser Form kein einziger Optimist für möglich gehalten hätte. Der rotblaue Teil der 34111 Zuschauer erhob sich mehrfach zur Ovation, die Aficionados des portugiesischen Rekordmeisters verstummten konsterniert.

Derweil Basel aufdrehte wie in seinen Sternstunden gegen die Premier-League-Prominenz oder einst beim Coup gegen den FC Bayern München, liess sich Benfica demütigen. Eine Lektion dieser Tragweite ist dem populärsten Klub-Team aus dem Land des Europameisters in der Champions League nie zuvor widerfahren. Mit dem erheblichen Sub­stanzverlust der Sommermonate, das hoch verschuldete Benfica verkaufte für über 120 Millionen Euro Personal, ist der historische Absturz nicht zu erklären.

Frustfoul durch André Almeida

Wie sehr die Lissabonner gegen den Schweizer Branchenprimus die Nerven verloren, verdeutlichte eine hässliche Szene in der 62. Minute. André Almeida liess sich vom Basler Europacup-Debütanten den Ball abnehmen und grätschte dem 20-Jährigen im grenzenlosen Frust in Terrier-Manier in die Beine. Der WM-Teilnehmer sah Rot, seine Kollegen tauchten in der Folge vollends ab. Krise, welche Krise? Basel liess sich exakt eine Woche nach dem teilweise desolaten Auftritt in St. Gallen nicht das Geringste von jener tiefgreifenden Verunsicherung anmerken, die sich beim Titelhalter ausgebreitet haben soll. Bereits im Klassiker gegen den FC Zürich, der mit 1:0 gewonnen wurde, hatte der FCB die Qualitäten seiner inzwischen acht Jubeljahre angedeutet – die mentale Stärke, unter Hochdruck bestehen zu können. Die Protagonisten hatten sich vom Sieg gegen die Zürcher eine befreiende Wirkung erhofft; dass sie sich nicht nur eingeredeten, Ballast abgeworfen haben, de­monstrierten die Bebbi ohne die geringste Zurückhaltung.